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Trumps neuer Stabschef Soldat Kelly wagt sich ins Chaos

Der ehemalige Vier-Sterne-General tickt streng militärisch, jetzt muss er den twitternden Präsidenten zähmen.

Arndt Peltner
Legende: Arndt Peltner ist freier Journalist in den USA. ZVG

Zuerst kam die Twitter-Nachricht, dass fortan der Minister für Innere Sicherheit, John Kelly, der neue Stabschef im Weissen Haus werden wird. Trump nannte Kelly einen «grossartigen Amerikaner und Führer», der einen «spektakulären Job» in seinem Ministerium geleistet habe und ein «wahrhaftiger Star» dieser Administration sei.

Danach kam erst der Tweet zum bisherigen Stabschef Reince Priebus. «Ich möchte mich bei ihm für seinen Dienst und seinen Einsatz für sein Land bedanken. Wir haben zusammen viel erreicht und ich bin stolz auf ihn.» Kurz, knapp, knackig – und dennoch vielsagend. Priebus war schon seit langem angeschlagen, umstritten in seiner Rolle.

Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, Tochter Ivanka und weitere Vertraute kamen mit Priebus nicht aus und beschwerten sich regelmässig beim Präsidenten über ihn. Zwar unterstützte Priebus schon früh den Wahlkampf von Donald Trump, der davon überzeugt war, mit dem früheren Vorsitzenden der Republikanischen Partei den richtigen Mann fürs Weisse Haus zu gewinnen.

Trump und Kelly am 28. Juli in Washington.
Legende: Der Unberechenbare und der General: eine sprenggewaltige Mischung, findet US-Korrespondent Peltner. Reuters

Priebus sollte seine guten Kontakte zum Kongress nutzen, um die politischen Ziele des Präsidenten zu erreichen. Doch das zahlte sich nicht aus. Die verlorene Obamacare-Abstimmung war wohl der ausschlaggebende Punkt für Trump. Priebus ist damit der am schnellsten geschasste Stabschef in der amerikanischen Geschichte.

Kelly ist Soldat durch und durch, der die militärische Struktur lebt. Das Weisse Haus unter Trump hingegen scheint unkontrollierbar zu sein.

Donald Trump, so scheint es, umgibt sich immer mehr mit Vertrauten aus New York, wie die Wahl seines Kommunikationschef Anthony Scaramucci zeigt. Und mit Vertretern des Militärs, die er gerne seine «Generale» nennt.

Legende: Video Ex-Marinegeneral wird neuer Stabschef abspielen. Laufzeit 00:21 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 29.07.2017.

Ob allerdings der frühere Vier-Sterne-General John Kelly der richtige Mann für den Job des Stabschefs sein wird, bezweifeln viele in Washington. Kelly ist Soldat durch und durch, der die militärische Struktur lebt. Das Weisse Haus unter Trump hingegen scheint unkontrollierbar zu sein.

Priebus beschwerte sich immer wieder darüber, dass er die Kontrolle über den täglichen Ablauf nicht habe. Diese Abläufe untergräbt regelmässig Präsident Trump selbst, indem er Entscheidungen über Twitter verbreitet, die seine engsten Mitarbeiter kalt und unvorbereitet treffen. Eine der grossen Aufgaben von General Kelly wird sein, Trumps Tweets besser zu kontrollieren – und das scheint ein unmögliches Unterfangen zu sein.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Heim (Ursus)
    Die Administration Trump funktioniert wie eine Apollo-Mondrakete. Eine Brennstuffe nach der anderen wird gezündet und dann abgestoßen, wenn sie ihren Zweck erfüllt hat. Das ganze hat nur eine Mission: Trump von der Wahl zum Präsidenten heil durch die Turbulenzen seiner Amtszeit zu bringen und wieder sicher in seiner Heimat New York abzusetzen. - Der Zweck heiligt den personellen Einsatz/Verschleiß.
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  • Kommentar von Walter Wieser (Walt)
    Wie hat man doch damals Obama als modernen Praesidenten gelobt als er begann seine Message ueber FB zu verbreiten! Wie anders ist es doch mit Trump und seinen tweets. T kann den meisten (linken) US Medien nicht trauen, er kann nur ueber twitter und mittels life reden mit seinem Volk kommunizieren. Und das macht er verdammt gut. Wenn dereinst der Sumpf, neuerdings nennt man es sewer, gesaeubert ist wird das anders werden. Aber es ist noch ein langer, harter Weg. Korruption ist ueberall.
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    1. Antwort von Thomas F. Koch (dopp.ex)
      Man kann die Lobbyisten aus dem Capitol entfernen, indem man ihnen direkt Jobs im WH zuschanzt. Verlagerung trocknet den Swamp/Sewer nicht aus. Es ist ein Unterschied Socialmedia zu nutzen und vorher die betroffenen Stellen/Mitarbeiter zu informieren. Kommt hinzu, dass T. seinen privaten Twitteraccount nutzt und nicht den offiziellen Potus. Seine Rede bei den Boy Scouts war so gut, dass die sich öffentlich rechtfertigen mussten eine unparteiische Organisation zu sein.
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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Bei Ablehnung des Stils und der Wortwahlen, ist alles immer noch viel weniger besorgniserregend, als wenn höchstrangige Politiker andere Regierungsschefs mit einer Seuche oder mit Hitler vergleichen. Da sollten die Alarmglocken läuten. Was sich da abspielt sind die Wellen eines unerbitterlichen Machtkampfes, dem niemand wirklich gewachsen ist. Die Verunsicherung und die Angst, zu den Verlierern zu gehören, ist gross.
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