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International Spatenstich für umstrittenes Kanalprojekt in Nicaragua

Was Panama bereits hat, will auch Nicaragua: Einen Kanal quer durchs Land, der den Atlantik mit dem Pazifik verbindet. In der Nacht auf Dienstag war der Spatenstich für das gigantische Projekt. Der Kanal soll am Ende fast 300 Kilometer lang sein. Doch wird das Projekt je fertig gebaut werden können?

Proteste gegen den Kanal mit brennenden Pneus und Menschen, die ein Banner halten.
Legende: Zahlreiche Nicaraguaner protestieren in Managua am Tag des Spatenstichs gegen den Kanal. Keystone

Bisher ist eigentlich nur eines klar: Das arme Nicaragua wird die geschätzten Baukosten von 50 Milliarden Dollar nicht einmal ansatzweise bezahlen können. Es braucht massiv ausländisches Kapital. Das ist auch den Nicaraguanern klar.

Deshalb zogen sie einen Investor an Land, einen aus China. Doch dessen Unternehmen und Finanzen bleiben intransparent. Unklar ist auch, ob es Hintermänner gibt, und ob und wie die Regierung in Peking ins Projekt involviert ist.

Verschwommen und undefiniert bleiben zudem zahlreiche weitere Faktoren: Studien zur Machbarkeit, zur Wirtschaftlichkeit und zu den Umweltrisiken liegen nach wie vor keine vor, obwohl seit vergangener Nacht gegraben wird.

Motor des Projekts ist die Hoffnung

Nicaraguas Präsident Daniel Ortega hofft, der Kanal werde seinem Land Arbeit, Wachstum und Entwicklung bringen. Die chinesischen Investoren hoffen auf satte Gewinne und darauf, in Zentralamerika, dem sprichwörtlichen Hinterhof der USA, Fuss zu fassen. Wenn chinesische Ingenieure diesen Kanal tatsächlich fertigstellen, dann ist dies der beste Beweis dafür, wie sehr sich die Machtverhältnisse verschoben haben, weit weg von den USA.

Doch der Preis für all das ist enorm hoch. Der Nicaraguakanal wäre dreimal länger als der Panamakanal. Der Kanal lässt sich nur bauen, wenn dafür vom Pazifik her der Nicaraguasee angestochen und durchquert wird. Er ist die grösste Süsswasserreserve Zentralamerikas. Da der Nicaraguasee viele Untiefen hat, müsste der Seegrund teilweise weggebaggert oder weggesprengt werden.

Ortega-Clan schaltet und waltet allein

Wären diese Hürden genommen, warten über 100 Kilometer Urwald auf die Kanal-Ingenieure und deren Arbeiter. Dort leben indigene Völker, die sich gegen das Projekt wehren. Man müsste sie zuerst vertreiben.

Die grösste Gefahr für das Projekt aber lauert womöglich gar nicht im See und nicht im Dschungel, sondern im Präsidentenpalast von Managua. Ortega hat seinen Sohn Laureano auf den Stuhl des Kanal-Beauftragten gehievt. In Nicaragua sind unterdessen die meisten Schalthebel in der Hand des Ortega-Clans.

Vetternwirtschaft, Korruption und Klientelismus sind in dieser Region oft der grösste Feind solcher Grossprojekte. Es spricht mehr gegen als für diesen Kanal. Die Kosten könnten schlicht zu hoch sein.

5 Kommentare

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  • Kommentar von peter müller, zürich
    Dieser Kanal wird mit Sicherheit gebaut. Dafür sorgt China schon. Der Aufwand ist viel geringer als beim Panamakanal. Mehr als 50% des Weges sind auf dem See - der ausgebagert wird. Der See ist rund 13 m Tief im Mittel (Panamakanal 12 m) Ich schätzte man wird schauen auf etwa 15-20 Tiefe zu kommen. Die Durchquertung geht viel schneller als beim Panamakanal.
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    1. Antwort von Guido Cavalet, Henggart
      Grundsätzlich wieder einmal mehr ein Projekt mit chinesischer Pseudo-Wirtschaftshilfe. Diese sehen alle gleich aus, ausser dem Ortega-Clan wird kaum ein Einheimischer wird auf diesen Baustellen anzutreffen sein. Angola lässt grüssen, die Politiker können vergessen werden wegen Ahnungslosigkeit bei solchen Projekten. Wenn die Wassertiefe des Sees nicht auf 25m bis 28m Tiefe ausgebaggert wird können Riesenschiffe diesen Kanal nicht benutzen. Die Einheimischen haben den Braten gerochen, Bravo.
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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Tja, geschätzte(r) @E. Siefert. Solche Grössenwahnprojekte haben ungeahnte Konsequenzen auf das Ökosystem, primär vor Ort und auch mit dem chinesischen "Personal" gehe ich einig mit Ihnen. Was sich viele nicht bewusst sind, wie alt eigentlich diese "Schnapsidee" schon ist. Es geht dabei wie immer, um geopolitische Vormachtstellung und viel Geld. Der Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Nicaragua-Kanal bringt eine gute Übersicht dazu. Das aktuelle Projekt würde nicht zum ersten Mal scheitern.
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  • Kommentar von sven dorca, luxemburg
    Es ist nicht das Finanzielle was zum scheitern führen würde. Klipp u. Klar würde es scheitern, dass die USA in China einen Gegner hätten, der zu Mächtig werden könnte. Von der Natur heraus gesehen würde der Klimaeffekt beschleunigt werden, u. Tausende Lebewesen würden ihre Heimat verlieren.
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