Spektakulärer Fund: Nazi-Tagebücher aufgetaucht

70 Jahre lang waren die Aufzeichnungen des Nazi-Ideologen Alfred Rosenberg verschollen. Nun wurden sie in den USA gefunden. Historiker hoffen auf neue Erkenntnisse zur Judenvernichtung im Zweiten Weltkrieg.

Kopf eines geheimen Dokumentes aus der Nazizeit. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Neben den Tagebüchern wurden weitere geheime Dokumente gefunden. Keystone

In den USA sind lange verschollene Tagebücher des nationalsozialistischen Chefideologen Alfred Rosenberg wieder aufgetaucht. 400 Seiten dicht geschriebene Blätter gerieten den Fahndern nach jahrelanger Suche in die Hände. Rosenberg hat darin unter andrem euphorisch ein Abendessen mit Adolf Hitler im April 1942 beschrieben. Die Historiker erhoffen sich von den Tagebüchern Details zu den Treffen der Nazi-Anführer.

«Die Texte bieten einen Blick in den Geist einer dunklen Seele.» Das sagte John Morton, Direktor der US-Zollbehörde ICE, der den Fund der Öffentlichkeit präsentierte.

Rosenberg galt als enger Vertrauter von Hitler. Er prägte mit seinen Schriften die Rassentheorien der Nationalsozialisten und war als Reichsminister für die besetzten Ostgebiete für die Ermordung von Millionen Juden verantwortlich. Bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen wurde Rosenberg zum Tode verurteilt und 1946 hingerichtet. Das Tagebuch soll er in den Jahren 1930-1944 geschrieben haben.

Dokumente aus der Nazizeit aufgetaucht. (Ruth Wittwer)

3:18 min, aus SRF 4 News aktuell vom 14.06.2013

Geschichte neu schreiben?

Die Blätter sind echt. Dafür gibt es bei den Experten keinen Zweifel. Gefunden wurden die Aufzeichnungen in einem Haus im Staat New York. Dorthin gelangten sie durch den deutschen Anwalt Robert Kempner. Dieser war während des Zweiten Weltkriegs in die USA geflohen. Später arbeitete er bei den Nürnberger Prozessen als Ankläger. Anschliessend hat Kempner unerlaubt Nazi-Dokumente zurück in die USA geschmuggelt.

Die Schriften gehören nun der US-Regierung und sollen bald an das Holocaust Museum in Washington übergeben werden. «Vielleicht muss ein Teil der Geschichte neu geschrieben werden», sagte Museumsarchivar Henry Mayer. Und auch die Direktorin des Museums, Sara Bloomfield, zeigte sich überzeugt: «Um zu verstehen, warum der Holocaust geschah, ist Material von grosser Bedeutung, das sowohl das Handeln von Tätern als auch von Opfern dokumentiert.»