Rohani-Bruder verhaftet Stecken politische Motive hinter der Festnahme?

Hussein Ferejduni soll eine Kaution nicht bezahlt haben. Dennoch ist der Grund für die Verhaftung umstritten. Ein Gespräch mit SRF-Auslandredaktorin Iren Meier.

Ferejduni steht in einem Anzug. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hossein Fereidun agiert seit 2015 als Sonderberater seines Bruders, dem iranischen Präsidenten, Hassen Rohani. Keystone

SRF News: Was ist an diesen Vorwürfen der Justiz dran?

Iren Meier: Die iranische Finanzbehörde spricht von finanziellen Unregelmässigkeiten. Details zum Fall gibt sie keine bekannt. Nur so viel: Ferejduni soll auf Kaution freikommen, hat bisher aber das Geld nicht bezahlt.

Hussein Ferejduni, der Bruder des Präsidenten, hat kein offizielles Amt. Er arbeitet jedoch als Berater Rohanis – wie einflussreich ist dieser Mann?

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Iren Meier

Porträt Iren Meier

Iren Meier ist SRF-Auslandredaktorin mit dem Spezialgebiet Türkei. Sie war von 2004 bis 2012 Nahost-Korrespondentin und lebte in Beirut. Von 1992 bis 2001 war sie als Osteuropa-Korrespondentin tätig – erst in Prag, dann in Belgrad.

Hardliner werfen dem Bruder von Rohani schon seit längerem Korruption und Veruntreuung von Regierungsgeldern vor. Bewiesen wurden die Beschuldigungen bisher nicht. Hussein Ferejduni ist ein enger Vertrauter und Berater von Präsident Rohani. Er begleitete ihn oft auf Reisen und war Teil der iranischen Delegation, die das Atomabkommen mit dem Westen aushandelte.

Was heisst diese Verhaftung jetzt für den Präsidenten Rohani?

In Iran liegt die Justiz in den Händer der Hardliner. Und diese sind gegen die Reform-Politik von Rohani. Sie versuchten bei den Präsidentschaftswahlen im Mai Rohani loszuwerden, doch der Erzkonservative Kandidat Ebrahim Raisi unterlag Rohani deutlich. Die Verhaftung von Rohanis Bruder wird das Verhältnis zwischen den Moderaten und den Konservativen im Iran weiter belasten.

Das Gespräch führte Tina Herren.