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International Steuerhinterziehung von 130'000 Personen enthüllt

Internationale Medien präsentieren die Resultate einer Recherche über Steueroasen, Briefkastenfirmen und Offshore-Konten. Insgesamt werden 130'000 Personen beschuldigt, Gelder am Fiskus vorbeigeschleust zu haben. UBS, CS und weitere Banken sind wieder im Fokus der Öffentlichkeit.

Legende: Video Grosse Enthüllung um Steuernetzwerk abspielen. Laufzeit 01:27 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 04.04.2013.

Eine anonyme Quelle hat einem Journalistennetzwerk internationaler Medien einen riesigen Datensatz über geheime Geschäfte in Steueroasen zugänglich gemacht. Wie zahlreiche Medien weltweit – unter ihnen «SonntagsZeitung», «Süddeutsche Zeitung» oder «Le Monde» – berichteten, finden sich in den Unterlagen Hunderte Fälle von Steuerhinterziehung. Nach Veröffentlichung der Daten brach die Internetseite des Journalistennetzwerks mit allen aufbereiteten Unterlagen zusammen.

«Blinddärme der Nation»

130'000 Personen aus mehr als 170 Ländern werden aufgelistet. Laut «SonntagsZeitung» sind in der Schweiz 300 Personen und 70 Gesellschaften betroffen. Sie arbeiten vor allem in Zürich, Genf, Lugano und Zug. Einer der bekanntesten Steuerhinterzieher soll der 2011 verstorbene Gunter Sachs sein. Die UBS alleine ist laut Unterlagen in über 2900 Gesellschaften in einem Dutzend Steueroasen involviert.

Offshore

Martin Aliot, SRF-Korrespondent für Grossbritannien, schätzt den Neuigkeitswert der Unterlagen differenziert ein. Die schiere Masse sei beeindruckend, dazu seien erstmals Namen bekannt. Dies sei in dieser verschwiegenen Welt einmalig. Man müsse aber betonen, dass beispielsweise der Finanzplatz London von seinen Inseln in der Karibik, den «Blinddärmen der britischen Nation», profitiere. Es sei Fiktion, wenn die britische Regierung sagt, sie sei nur Zuschauer und könne nicht eingreifen.

Diktatorenfamilien und Oligarchen

Bislang vertrauliche Dateien belegen, auf welchen geheimen Wegen Reiche und Kriminelle Briefkastenfirmen und sogenannte Trusts nutzen, um grosse Vermögen zu verstecken und zweifelhafte Geschäfte zu verschleiern. Die Dokumente stammen von zwei Firmen, die auf die Errichtung von Offshore-Gesellschaften spezialisiert sind. Sie gehören zu den grössten Anbietern weltweit. In den Unterlagen finden sich Namen von Oligarchen, Waffenhändlern und Finanzjongleuren.

Unter den namentlich erwähnten Personen ist unter anderem Maria Imelda Marcos aufgeführt. Die Tochter des früheren philippinischen Diktators führt einen Trust auf den Virgin Islands. Maria ist heute Gouverneurin einer philippinischen Provinz. Der Mann einer kanadischen Senatorin verschob Gelder auf die Cook Islands. Die Herrscherfamilie von Aserbaidschan führt mindestens vier Offshore-Firmen. Mehrere Politiker aus Thailand stehen auf der Liste. Auch Namen von mehreren russischen und einem ukrainischen Oligarchen wurden gefunden.

Schäuble in Deutschland gefordert

Die SPD Deutschland fordert Konsequenzen in der EU. Die Enthüllung bestätige eindrucksvoll die Grösse des Problems, erklärte SPD-Fraktionsvize Joachim Poss.
Finanzminister Wolfgang Schäuble müsse sich im Rat der EU-Finanzminister dafür einsetzen, das Thema Steueroasen ganz oben auf die Tagesordnung zu setzen. Denn auch innerhalb der Euro-Zone gebe es steuerliche Lockangebote, die ein solches System erst möglich machten.

Grösstes Datenleck überhaupt

80 Journalisten aus 46 Ländern hatten die Unterlagen bearbeitet. Die Datenmenge von 260 Gigabytes entspricht einer halben Million Büchern im Umfang der Bibel. Dies sind 160 Mal mehr Unterlagen als Wikileaks 2010 publiziert hatte. Die Veröffentlichung ist damit das grösste Datenleck der Geschichte.

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30 Kommentare

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  • Kommentar von M Jaeger, Wildwil
    Soso, wer also ein Konto in Singapur hat ist ein Steuerhinterzieher. (Damit dass viele Leute den EU und USA Banken nicht mehr trauen hat es bestimmt gar nichts zu tun). Wenn aber einer in flagranti bei einem Mord erwischt wird, dann sprechen die gleichen Medien vom vermutlichen Täter. Da soll noch einer nachkommen...
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  • Kommentar von Rainer Fauser, Augsburg
    Man huldigt hier dem Lieblingssport der linken Journaille, der staatlichen Eintreibung von privatem (Geld)Eigentum. Wie wäre es aber mit schlankeren Staaten mit geringeren Steuereinnahmen, um das Recht auf Eigentum zu schützen? In der heutigen Zeit kann wohl mit Fug und Recht der Zehnt im Mittelalter immerhin noch als Flat-Tax-Rate bezeichnet werden, besonders, wenn man ausserhalb der CH vom Staat ausgequetscht wird bis hin zur annähernden Enteignung. STH ist die Wehr der Bürger!
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    1. Antwort von R.Käser, Zürich
      Wenn der staatlich legitimierte Beschiss nicht so pervers wäre, dann hätte das Fussvolk auch weniger zu zahlen. Die Frage stellt sich wer der grösste Kriminelle im Spiel ist: - die Politiker die aktiv wegschauen, die Bänkster die mit organisieren oder jene die für Ihr Vermögen bescheissen?
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    2. Antwort von P.Pfader, Pfäffikon
      @R.Käser,Zürich/Kann Ihnen voll und ganz beipflichten.Müsste mal eine Liste erstellt werden,bei welchen Staatsausgaben wer wieso und wo das OK gegeben hat!Wer Immobilien-Blasen"inszeniert"!Wer an der Zinsschraube" und an der"Geldvermehrung/Beschränkung"rumdreht!Wieso und mit welchem Effekt?Ökonom.Konstrukte sind eine reine Glaubensfrage und Kaffee-Satz Interpretation.Gesteuert vor allem durch die dahinter stehende Moral/Ethik oder kriminelle Veranlagung.Mensch versuche dich zu verstehen!
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  • Kommentar von Adrian Flükiger, Bern
    Den Sachs kann niemand mehr massregeln. Erhärtet sich der Verdacht, ist seine Hütte in Gstaad vom Staat Bern allerdings zu enteignen und an den Meistbietenden zu versteigern - Erlös in die klamme Berner Staatskasse! Es zeigt sich, dass wir im Kanton Bern mit den Superreichen in diesem quasi Reservat Gstaad viel zu gnädig umspringen. Die Pauschalbesteuerung ist halt nun auf eidgenössischer Ebene abzuschaffen, damit der Sumpf dort doch noch trockengelegt werden kann! Ausmisten ist angesagt!
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