Hunderte Menschen gestorben Südasien erlebt katastrophale Monsunzeit

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Die vergessene Flut in Südasien

3:48 min, aus 10vor10 vom 31.8.2017

Teile Südasiens erleben nach Einschätzung des Roten Kreuzes die schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten. Das wiegt umso schwerer, bedenkt man, dass es in der Region jedes Jahr in der Monsunzeit von Juni bis September Hochwasser und Erdrutsche mit hunderten Toten gibt.

Welche Länder sind betroffen? Mehr als 41 Millionen Menschen in Indien, Nepal, Bangladesch und Pakistan seien derzeit vom Monsun betroffen, teilt die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften mit. Einige Dörfer seien noch komplett von der Aussenwelt abgeschnitten.

Wie viele Menschen sind gestorben? Mehr als 1700 Menschen sind in Südasien in diesem Sommer bei Überschwemmungen ums Leben gekommen. Die überwiegende Mehrzahl der Opfer hat Indien zu beklagen. Mehr als 1300 Todesfälle zählt das Land seit Beginn der Monsunzeit – mit 514 die meisten im Bundesstaat Bihar.

Überflutete Strassen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Strassen in der pakistanischen Stadt Karachi sind überflutet. Keystone

Wie sind die Länder vorbereitet? Die Behörden hätten keinen Notfallplan gehabt, meint der nepalesische Wasserwirtschaft-Experte Madhukar Upadhya in Kathmandu. «Das Ausmass mag diesmal anders sein, aber das ist ein jährlich wiederkehrendes Ereignis», sagt er. Es fehle auch an Mitteln – etwa Boote, um Gestrandete zu retten. «Die Katastrophe hat die schutzlosesten Menschen getroffen. Die Folgen werden Krankheit, Armut und Nahrungsknappheit sein. Und es wird bald wieder aus den Nachrichten verschwinden, und dann sind wir wieder am Anfang.»

Warum können die Flüsse das Wasser nicht halten? In Bangladesch wurden nach offiziellen Angaben seit der zweiten Augustwoche rund 700'000 Häuser beschädigt und gut ein Zehntel davon komplett zerstört – ebenso mehr als 800'000 Hektar Anbaufläche. Die Flüsse hätten die aus dem Himalaya herabfliessenden Wassermassen unter anderem deswegen nicht halten können, weil sie in den vergangenen Jahrzehnten versandet und nicht ausgebaggert worden seien, sagt Abu Moniruzzaman Khan vom UNO-Entwicklungsfonds in Bangladesch. So schlimme Überschwemmungen habe das Land aber seit 1988 nicht mehr erlebt, als mehr als 1600 Menschen starben.

Wie geht es weiter? Mitte August standen je ein Drittel von Nepal und Bangladesch unter Wasser. Mittlerweile sind die Pegel dort gesunken. Allmählich erreichen Hilfsgüter die Dörfer, und die Regierungen kündigen auch finanzielle Hilfe an. Trotzdem haben viele Menschen all ihr Hab und Gut sowie ihre Existenzgrundlage verloren. Und nun müssen sie sich wegen der möglichen Ausbreitung von Krankheiten Sorgen machen.

Was sind Monsune? Monsune sind grossräumige Luftströmungen, die in tropischen Gebieten auftreten. Im Sommer strömt nach der grossen Hitze feuchte Luft vom Meer ins Land. Der Himmel wird stark bewölkt und es beginnt kräftig zu regnen. Die Luft bringt verdunstetes Meerwasser und ergiesst sich an Land als sintflutartiger Regen, Monsunregen genannt. Im Winter weht der Monsun mit kalter trockener Luft aus der entgegengesetzten Richtung vom Kontinent her.

Text der die Postergrafik beschreibt