Suezkanal: Eine günstige und sichere Passage ist entscheidend

In nur gerade einem Jahr hat Ägypten den Suezkanal ausgebaut. Die Kapazität für Schiffe zwischen dem Mittelmeer und dem Indischen Ozean wird verdoppelt. Dies bringt allerdings nicht viel, wenn die Sicherheit der Schiffe nicht gewährleistet ist. Gefahr droht möglicherweise vom Sinai.

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Pompöse Eröffnung des Suez-Kanals

2:14 min, aus Tagesschau vom 6.8.2015

Für Produkte aus Asien mit Ziel Europa gibt es auf dem Wasser keinen schnelleren Weg als jenen durch den Suezkanal. Der Ausbau sei deshalb wichtig, sagt Jan Atteslander. Er ist beim Wirtschaftsdachverband Economiesuisse für Aussenwirtschaftsfragen zuständig: «Die Zuverlässigkeit und die Kapazität dieser wichtigen Seeverbindung wird erhöht», stellt er fest.

Relevant: Preis für die Passage

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Eröffnungsfeier

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat am Donnerstag den neuen Suezkanal offiziell eröffnet. Auf einer historischen Jacht führte er eine Flottenparade auf dem Kanal an. Kampfflugzeuge und Helikopter flogen über die Szenerie. Diverse Staatsmänner nahmen an der Feier teil, darunter auch Bundesrat Johann Schneider-Ammann.

Dabei ist vor allem die Zuverlässigkeit für die Handels- und Transportfirmen wichtig. Weniger relevant ist die Tatsache, dass die Reise nach Europa durch die neue Möglichkeit von Gegenverkehr im Suezkanal um ein paar Stunden kürzer wird. Die Containerschiffe seien meist ja von Asien nach Europa unterwegs, da spielten sieben oder acht Stunden Zeitgewinn keine grosse Rolle für den Welthandel, sagt Atteslander.

Ein wichtiger Punkt sind die Kosten. Noch weiss man nicht, wie viel genau Ägypten pro Tanker oder Containerschiff und Durchfahrt verlangen wird. Hier würden die Reedereien und internationalen Logistikfirmen allerdings sehr genau hinschauen, so Atteslander. «Da wird seit jeher knapp kalkuliert.» Es gebe eine sozusagen natürliche Grenze, wie viel die Schiffsbetreiber zu bezahlen bereit seien. «Sollte Ägypten zu viel verlangen, fahren die grossen Containerschiffe einfach um Afrika herum.»

Erstes Schiff passiert den neuen Suez-Kanal (unkomm.)

0:45 min, vom 6.8.2015

Entscheidend ist die Sicherheit

Doch auch wenn der Preis stimmt, wird der neue Suezkanal wohl den Welthandel nicht beleben. Zu unsicher ist derzeit die Wirtschaftslage weltweit. Doch Atteslander glaubt, mittel- bis langfristig werde die zusätzliche Kapazität durchaus gebraucht werden. Denn Indien, China oder Indonesien würden weiter wachsen. Und: «Auch Europa wird wirtschaftlich irgendwann das Schlimmste hinter sich haben.» Dann werde auch die Nachfrage nach Kapazitäten im Handel mit Asien wieder zunehmen.

Entscheidend für Erfolg oder Misserfolg des Suezkanals ist aber die Frage der Sicherheit. Die Überfälle von Piraten vor Somalia, die dem Suezkanal geschadet haben, sind im Moment zwar nicht mehr so akut. Doch Sorgen bereite den Transportfirmen die Situation auf dem Sinai. Die Krisenregion befinde sich nur etwa 150 Kilometer östlich des Suezkanals, betont Atteslander. «Wenn es ein Sicherheitsproblem gibt, dann eher von dieser Seite her, und weniger von den somalischen Piraten.»

Tatsächlich hat sich in der Vergangenheit gezeigt: Wo immer auf der Welt die Sicherheit gefährdet war, lenkten die Reeder ihre Schiffe rasch um. Und das kann auch für den Suezkanal immer wieder zum Problem werden.

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