Syrien: Für Frankreich ist Giftgas-Angriff erwiesen

Der französische Aussenminister Laurent Fabius spricht deutliche Worte. Für ihn gibt es keinen Zweifel: In Syrien ist das Kampfgas Sarin zum Einsatz gekommen. Und zwar von Assads Regime. Er schliesst eine militärische Intervention nicht mehr aus. Grossbritannien fordert eine UNO-Untersuchung.

Frankreichs Aussenminister Laurent Fabius im Interview. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Frankreichs Aussenminister Laurent Fabius ist überzeugt von den Beweisen. Die USA möchten weitere Belege. Keystone

Frankreich sieht es als erwiesen an, dass die syrische Regierung im Bürgerkrieg Chemiewaffen gegen Aufständische eingesetzt hat. Aussenminister Laurent Fabius sagte dem Sender France 2, aus untersuchten Proben gehe eindeutig hervor, dass das Nervengift Sarin verwendet worden sei.

Verbrechen müssen gesühnt werden

Dabei gebe es «keinen Zweifel, dass es das Regime und seine Gehilfen waren», erklärte er. Hier sei der ganze Ablauf bekannt, der Zeitpunkt des Angriffs, der Tötung der Menschen und der Entnahme der Probe.

Es lägen nun alle Optionen auf dem Tisch, sagte Fabius, einschliesslich der militärischen. «Es wäre inakzeptabel, wenn die Verantwortlichen für diese Verbrechen nicht bestraft würden.»

Kein zweites Irak

US-Präsidialamtssprecher Jay Carney sagte dagegen in Washington, es würden weitere Beweise benötigt. «Wir brauchen mehr Informationen», sagte er. US-Präsident Barack Obama hatte den Einsatz von Chemiewaffen durch die Regierung von Präsident Baschar al-Assad als «rote Line» bezeichnet. US-Behörden haben allerdings wiederholt erklärt, am Einsatz von Chemiewaffen dürfe es absolut keine Zweifel geben.

Sie verweisen auf den Einmarsch der USA in den Irak 2003 unter George W. Bush nach fehlerhaften Berichten über Massenvernichtungswaffen in dem arabischen Land.

Nach der französischen Feststellung eines Chemiewaffeneinsatzes hat Grossbritannien eine sofortige Untersuchung der Vereinten Nationen gefordert. Die UNO brauche «vollständigen und ungehinderten» Zugang, verlangte Aussenminister William Hague. 

Giftgas als schmutzige Strategie?

Grossbritannien und Frankreich hatten bereits im April insgesamt drei Briefe an die UNO geschickt, in denen über mutmassliche Giftgaseinsätze, etwa im Dezember in der Region um die westsyrische Stadt Homs, berichtet wurde. Eine UNO-Kommission unter Leitung des Schweden Ake Sellström soll die Vorwürfe untersuchen, konnte aber bislang nicht nach Syrien einreisen.

Beide Bürgerkriegsparteien werfen sich gegenseitig den Einsatz der Massenvernichtungswaffen vor. Die Regierung in Damaskus hat dies  zurückgewiesen. Experten befürchten, die Kontrahenten im Konflikt könnten den Einsatz von Giftgas strategisch nützen um den Krieg bewusst zu internationalisieren.