Syrien: Rätsel um Kampfjet-Absturz

Der Absturz eines jordanischen Kampfjets in Syrien gibt Rätsel auf: Die USA dementieren, dass das Flugzeug von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) abgeschossen wurde, wie die Dschihadisten behaupten. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilt die Gefangennahme des Piloten durch IS-Kämpfer.

Eine F-16 mit eingeschaltetem Nachbrenner Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Verwirrspiel um den Absturz der jordanischen F-16-Maschine: IS-Abschuss oder nicht? Keystone/Archiv

Die US-Armee hat Berichte dementiert, wonach ein jordanischer Jet der internationalen Anti-IS-Koalition von der Dschihadistenmiliz abgeschossen worden sein soll. Zweifellos sei aber der jordanische Pilot gefangen genommen worden.

Es gebe «klare Beweise», die zeigten, dass der IS entgegen seinen eigenen Behauptungen das Flugzeug nicht getroffen habe, erklärte das für die US-Einsätze im Nahen Osten zuständige Militärkommando Centcom. In der Mitteilung wurden keine Angaben zu der möglichen Absturzursache des Jets gemacht.

Mechanisches Problem oder Abschuss?

Zugleich verurteilte Centcom-Kommandeur Lloyd Austin die Gefangennahme des jordanischen Piloten durch den IS. Ein US-Behördenvertreter hatte zuvor in Washington erklärt, derzeit liefen die Untersuchungen zur Absturzursache. «Es ist nicht klar, ob das Flugzeug ein mechanisches Problem hatte oder von feindlichem Feuer getroffen wurde», sagte er.

Zuvor hatten jordanische Militärkreise und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet, dass eine jordanische Maschine bei der ostsyrischen Stadt Al-Rakka abgeschossen und ein Pilot vom IS als Geisel genommen worden sei. Al-Rakka ist die Stadt, die vom IS in Syrien zu seiner Hauptstadt erklärt wurde.

Foto von Armeeausweis

Der IS erklärte, das Kampfflugzeug mit einer Abwehrrakete mit Hitzesuchsensoren abgeschossen zu haben. Die Miliz in Al-Rakka veröffentlichte auf dschihadistischen Websites Fotos, die einen jordanischen Piloten zeigen sollen. Mehrere der Aufnahmen zeigen den Piloten nur in einem weissen T-Shirt statt Uniform, sowie vier Männer, die ihn aus einem Gewässer holen.

Auf anderen Bildern ist der Mann an Land zu sehen, umstellt von rund einem Dutzend Bewaffneten. Ein Foto wiederum zeigt den angeblichen Armeeausweis der Geisel.

Vater bittet um Gnade

Der Vater der Geisel sagte der jordanischen Nachrichtenwebsite Saraja, er sei von der Luftwaffe über die Gefangennahme seines Sohnes informiert worden. Die Luftwaffenführung habe ihn angerufen und ihm mitgeteilt, dass daran gearbeitet werde, das Leben seines Sohnes «zu retten». König Abdullah II. verfolge die Angelegenheit und «will das Leben Ihres Sohnes retten», zitierte der Vater demnach aus dem Telefonat. Der Vater bat den IS, «Gnade» walten zu lassen und seinen Sohn «freizulassen».

Die US-Regierung hatte im September mit Unterstützung verbündeter arabischer Staaten Luftangriffe auf Stellungen und Fahrzeuge der IS-Miliz im Norden und Osten Syriens begonnen, um einen weiteren Vormarsch der Dschihadisten zu verhindern. Auch im Irak fliegen die USA sowie verbündete westliche Staaten seit dem Sommer Angriffe auf den IS. Der IS betrachtet die arabischen Unterstützerstaaten der Militärkampagne als Verräter und Vasallen der USA.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit

1:38 min, aus Tagesschau am Mittag vom 23.12.2014

Ban fordert Freilassung

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Gefangennahme des jordanischen Piloten durch die Terrormiliz verurteilt. Er forderte eine würdevolle Behandlung des Mannes.

Ban habe den Absturz der Maschine und die Gefangennahme des Piloten in Syrien mit Besorgnis zur Kenntnis genommen, hiess es in einer UNO-Erklärung. Die Kidnapper müssten den Mann «im Einklang mit den internationalen Menschenrechtsgesetzen» behandeln.