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International Syrienkonflikt: Alte Feinde, neue Freunde?

Russland und die USA sprechen wieder miteinander – zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr. Inhalte der Gespräche sind die Lösung des Syrien-Konflikts und die Bekämpfung der Terrormiliz Islamischer Staat. Warum die beiden Grossmächte gerade jetzt zueinander finden, weiss ein Experte der ETH Zürich.

Legende: Video USA prüfen Kooperation mit Russland abspielen. Laufzeit 01:51 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.09.2015.

Seit über vier Jahren dauert der Bürgerkrieg in Syrien an. Die Hoffnung des Westens auf einen raschen Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad hat sich nicht erfüllt. Im Gegenteil, eine Lösung des Konflikts schien bis vor kurzem noch entfernter denn je.

Doch nun hat Russland angekündigt, möglicherweise aktiv in den Konflikt einzugreifen. Keine Überraschung für Roland Popp, Sicherheitsexperte der ETH Zürich. Seiner Ansicht nach steht die Assad-Regierung unter massivem Druck der Rebellen und des Islamischen Staates.

Putin und Obama
Legende: Schon im September 2013 war das Verhältnis Putin-Obama nicht das beste. Mit dem Ukraine-Konflikt kam dann die Eiszeit. Keystone

Zukunft von Assad bleibt ein Zankapfel

«Ein Sturz Assads wäre für Moskau aber eine Niederlage auf dem internationalen Parkett.» Diese gelte es zu verhindern. «Gleichzeitig fühlt sich Russland aber auch tatsächlich vom Islamischen Terrorismus bedroht, da man selber schon sehr negative Erfahrungen mit Dschihadismus gemacht hat.»

Hinzu komme, dass Russland im Zuge der Ukraine-Krise international viel Kredit verspielt habe und sich nun wieder neu positionieren wolle. Doch noch ist die neue Koalition der alten Erzfeinde nicht in trockenen Tüchern. «Denn das Grundproblem, das beide Parteien trennt, ist die Frage um die Zukunft von Baschar al-Assad», so Popp.

Westen verharrt weiter im Wunschdenken

Die Amerikaner wollten dessen Regierung stürzen. Russland habe sich dagegen offen zum Ziel gesetzt, eben jene Regierung zu retten. «Ich glaube deshalb, dass es für beide Parteien da sehr schwer wird zusammenzukommen.»

Doch was ist das realistischere Szenario, Assads Verbleib an der Spitze oder dessen Rücktritt? Für Popp keine Frage. «Die Russen scheinen mir da vielleicht zynischer, aber auch realistischer, was eine zukünftige Konfliktlösung angeht. Aber Assad vom Rücktritt überzeugen zu wollen, ist westliches Wunschdenken.»

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Auch aus Europa kommt der schwarze Tod in Form der mörderischen Jihadisten. Denn in Europa toleriert man haufenweise islamische Hassprediger und bietet den Jihadisten viel Raum. Selbst ins öffentliche Fernsehen werden die Hassprediger eingeladen und dort hofiert. Es müssen daher viele Menschen aus Syrien flüchten, weil zahlreiche Hassprediger in Europa sind.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ich frage mich, warum denn immer alles entweder Freunde oder Feinde sein müssen. Es scheint auch unter den Grossmächten nichts ganz normales dazwischenliegendes zu existieren.Ob dies schon Auswirkungen von "Freunden" in den Sozialen Netzwerken ist, da haben die Menschen auch Freunde so viel sie wollen, wohl damit man immer welche zum Auswechseln hat.Es sollten nur noch Mächtige gewählt werden, die auch ganz normal +respektvoll mit Fremden umgehen können. Zwischen Freund +Feind liegt der Respekt.
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  • Kommentar von Pavol Vojtyla (Habe Sozialismus erlebt)
    Die USA haben endlich begriffen dass ihre Hochtech-Armee ist für eine klassische Kriegsführung effektiv, aber gegen einen Guerilla-Krieg, wie gegen IS, nicht geeignet. Das hat schon Vietnam oder Afghanistan gezeigt. Man muss endlich die Militärdoktrine ganz überarbeiten. Es ist keine leichte Aufgabe wenn die Rüstungsindustrie Druck ausüben wird. Man muss hier in Europa die Symptome bekämpfen; das linke Immunsystem hat komplett versagt; aber erst die Ursache entfernen. Sonst eine gute Nachricht.
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    1. Antwort von Olivier Steiger (O. Steiger)
      Nicht das linke Immunsystem hat bezüglich Militärinterventionen versagt, sondern der rechte Liberalismus. Die amerikanische Rüstungsindustrie und die traditionell ihr hörige US-Administration sind ja wohl keine Kommunisten. Man mag von Putin halten was man will, aber er agiert wie es sich für eine militärische Grossmacht gehört. Realpolitik! Mir sind die Amis wesentlich suspekter. Überall einmischen und Chaos hinterlassen. Siehe Flüchtlingswelle in Europa. Oder sind da die Linken schuld?
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