Syriza-Vordenker Paraskevopoulos: «Das kriegen wir hin!»

Am Wirtschaftsprogramm der griechischen Regierung hat er mitgeschrieben. Ebenso an der Reformliste für die EU. Mit Ministerpräsident Tsipras ist er eng befreundet: der Wirtschafts- und Finanzexperte von Syriza, Theodoros Paraskevopoulos. Im «Tagesgespräch» umreisst er den griechischen Vorschlag.

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Bildlegende: Theodoros Paraskevopoulos ist überzeugt: "Wir kriegen das schon hin!" Imago

Tagesgespräch Paraskevopoulos

23 min, aus Tagesgespräch vom 23.02.2015

Die griechische Regierung muss heute Reformvorschläge präsentieren, um weiterhin finanzielle Unterstützung der EU zu bekommen. Bereits gestern hat Athen einen Vorschlag nach Brüssel geschickt, sagt Theodoros Paraskevopoulos. Er muss es wissen: Der Ökonom der Syriza hat an diesem Reformvorschlägen mitgeschrieben. Zu den Vorschlägen gehören Massnahmen zur Bekämpfung der Steuerhinterziehung und der Korruption, aber auch zur Entlastung der notleidenden Griechen.

Die Wahrscheinlichkeit für eine Einigung zwischen Griechenland und den internationalen Geldgebern sei hoch, sagt der Athener Paraskevopoulos.

«  Es ist ein tragfähiger Kompromiss. »

Theodoros Paraskevopoulos
Wirtschaftsberater von Syriza

Der der 69-jährige Paraskevopoulos hat in Deutschland Wirtschaft studiert; wenn er nicht gerade mit Wirtschaft beschäftigt war, hat er Werke von Thomas Mann ins Griechische übersetzt. In Athen, seiner Geburtsstadt, hat er den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras kennengelernt.

«  Alexis Tsipras lernte ich auf einer Baustelle kennen. Er nagelte Bretter bei einem Parteifest der Syriza. »

Theodoros Paraskevopoulos
Freund von Ministerpräsident Tsipras, Syriza-Oekonom

Paraskevopoulos wurde zum wirtschaftspolitischen Vordenker der Syriza-Partei; im griechischen Parlament war er dessen Geschäftsführer. Jetzt berät er seine Parteikollegen von Syriza. Er ist denn auch nach den jüngsten Verhandlungen überzeut, dass Griechenland mit seiner neuen Regierung den Weg aus der Verschuldung findet: «Das kriegen wir hin!»

Reichen Steuerhinterziehern geht es jetzt an den Kragen

Ein Ziel der griechischen Regierung müsse es sein, die Steuern einzutreiben, betont Paraskevoupulos im «Tagesgespräch». Einiges ist denn auch zu holen für den griechischen Staat: Ein Prozent der Griechen halten 46 Prozent des Gesamtvermögens des Landes.

Allerdings sei es schwierig, diesen reichen Steuerflüchtigen auf die Schliche zu kommen.

«  Es gibt einen Klüngel von Parteien, Superreichen und Medien in Griechenland. Dies gilt es jetzt aufzubrechen. »

Theodoros Paraskevopoulos
Wirtschaftspolitischer Vordenker von Syriza

Lächelnde Demonstrantinnen und Demonstranten halten Transparente in die Luft. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: "Griechenland für alle Europäer": Sympathie mit dem griechischen Protest gegen die EU-Politik. Keystone

Die griechische Regierung müsse jetzt ganz grundsätzlich schnell handeln. Die Erwartungen der Bevölkerung an die Regierung seien gross. Aber gross sei auch das Vertrauen. Über 80 Prozent der Bevölkerung sprachen in der letzten Umfrage der Regierung ihr Vertrauen aus.

Kampf gegen Korruption

Ein weiteres wichtiges Ziel der griechischen Regierung sei der Kampf gegen Schmiergeldzahlungen, betont der Vordenker der Syriza. Das sei ein innergriechisches Problem, das nur im Land selbst gelöst werden könne. Auch darum ist Paraskevopoulos froh, dass Brüssel keine Beamten mehr in die griechischen Ministerien schicken darf. «Das ist Teil der Einigung. Diese EU-Beamten in unseren Ministerien – das ist jetzt vorbei.»

Der 69-jährige Ökonom ist sicher, dass Ministerpräsidenten Alexis Tsipras diese Herkulesarbeit schaffen wird:

«  Alexis Tsipras ist sehr effizient, und er kann gut Leute einen. »

Theodoros Paraskevopoulos
Wirtschaftswissenschaftler des griechischen Linksbündnisses Syriza

Im «Tagesgespräch» plaudert der Athener aus dem Nähkästchen und verrät, dass Finanzminister Varoufakis sehr optimistisch sei, dass Brüssel Athens Reformvorschläge annehmen werde. Er selbst ist überzeugt, dass es noch ein paar Einwände geben werde, aber das sei mehr «aus ideologischen Gründen».