Taliban-Anschlag auf Nato-Vertreter in Kabul

Auf ein Auto der türkischen Botschaft in Afghanistan wurde heute ein Selbstmordanschlag verübt. Dabei kamen neben dem Attentäter ein Passant und ein türkischer Soldat ums Leben. Der Angriff galt dem Nato-Vertreter Ismail Aramaz, der sich jedoch nicht im Wagen befand.

Zwei Soldaten vor einem ausgebrannten Auto. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Türkische Soldaten nehmen eines der beim Anschlag zerstörten Autos unter die Lupe. Reuters

Im streng bewachten Botschaftsviertel von Kabul rammte der Attentäter ein Auto der türkischen Botschaft und zündete einen Sprengsatz in seinem Fahrzeug. Dies teilte das Innenministerium mit.

Ein Augenzeuge berichtete, der Attentäter habe seinen weissen Toyota Corolla mit hoher Geschwindigkeit auf das schwarze Nato-Fahrzeug gelenkt, auf dem eine türkische Flagge klebte. «Direkt danach ist das Auto explodiert.», so der Augenzeuge.

Eigentliches Ziel verfehlt

Der Attentäter riss einen Passanten und einen türkischen Soldaten mit in den Tod, sein eigentliches Ziel verfehlte er jedoch. Der Anschlag galt offenbar dem höchsten zivilen Nato-Vertreter in Afghanistan.

Der Türke Ismail Aramaz hätte vom angegriffenen Fahrzeug in der türkischen Botschaft abgeholt und zu seinen Büroräumen in der nahe gelegenen Nato-Ausbildungsmission Resolute Support gebracht werden sollen. Zum Zeitpunkt des Angriffs habe er sich jedoch nicht im Fahrzeug befunden, sagte ein Diplomat des westlichen Verteidigungsbündnisses.

Taliban: «Angriff auf ausländische Besatzer»

Zur Tat bekannten sich die Taliban. Sie teilten mit, das Ziel sei «ein Konvoi der ausländischen Besatzer» gewesen. Wenngleich die Nato ihren Kampfeinsatz in Afghanistan zum Ende des vergangenen Jahres beendet hatte. Die Nachfolgemission Resolute Support hat das Ziel, afghanische Sicherheitskräfte auszubilden. Einen Kampfauftrag haben die Soldaten nicht.

Zuletzt hatte sich die afghanische Regierung von Präsident Aschraf Ghani optimistisch geäussert, dass es bald zu Verhandlungen mit den Taliban kommen könnte. Die Taliban selbst haben bislang lediglich bestätigt, dass sie eine Delegation für mögliche Gespräche ins Golf-Emirat Katar entsandt haben.