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Krankheit überschattet Wahlen Tausende Fälle von Cholera in Kenia

Legende: Audio Cholera in Kenia: Epidemie-Schwelle erreicht? abspielen. Laufzeit 02:43 Minuten.
02:43 min, aus HeuteMorgen vom 03.08.2017.
  • Kenia ist für Cholera ein idealer Nährboden. In den Slums haben die meisten Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
  • Aus dem ganzen Land werden nun Cholera-Fälle gemeldet – seit Dezember wurden 20'000 registriert. Die WHO befürchtet eine Epidemie.

Sie kam schleichend, die Cholera: Zuerst in den Slums, dann in Gefängnissen, später in den besten Hotels und mittlerweile im ganzen Land. Bis heute melden die kenianischen Behörden 20'000 Fälle. Dutzende Menschen sollen bereits am Erreger gestorben sein. So genau kann das in einem Wahljahr niemand sagen.

Die meisten Behördenbüros sind leer, weil die zuständigen Minister mit ihrer Wiederwahl beschäftigt sind. Aber auch ohne Behördeninformationen ist niemand vom Ausbruch der Cholera überrascht.

Eine Latrine für 100 Bewohner

Kenia ist für den hochansteckenden Erreger ein idealer Nährboden. Allein in der Hauptstadt Nairobi leben rund drei Millionen Menschen in Slums. Die Hälfte der Bewohner dieser Hütten und Verschläge hat keinen Zugang zu sauberem Wasser.

Oft teilen sich mehr als 100 Menschen eine Latrine. In der Regenzeit werden zudem ganze Strassenzüge mit Fäkalien überschwemmt. Ideale Voraussetzung für ein Bakterium, das sich über verschmutztes Wasser ausbreitet, zu heftigem Brechdurchfall führt und unbehandelt in 60 Prozent der Fälle tödlich endet.

Man habe die Lage unter Kontrolle, sagt der Chef der kenianischen Gesundheitsbehörde in Nairobi, wo üblicherweise wenig unter Kontrolle ist. Schnelltests bestätigten, dass viele Menschen in Nairobi an Cholera erkrankt sind. Für eine genaue wissenschaftliche Diagnose brauche es aber weitere Tests. «Ich kann versichern, dass die Behörden nicht schlafen, sondern alles tun, um herauszufinden, welche Faktoren den Ausbruch begünstigen», so der Beamte.

Erste Meldungen schon im Dezember

Experten der WHO befürchten, dass die Cholera in Kenia epidemische Ausmasse annehmen könnte. Auch das war absehbar: Die ersten Fälle wurden bereits im Dezember in Nairobi gemeldet. Lange versuchte die Regierung, den Cholera-Ausbruch zu verschweigen, um die Touristen nicht abzuschrecken.

Doch die Cholera durchkreuzte diese Strategie. Vor wenigen Wochen trafen sich Gesundheitsexperten aus aller Welt in Nairobi zu einem Kongress. 24 Stunden später mussten 60 von ihnen mit Cholera-Verdacht ins Spital eingeliefert werden.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Nicola Harrison (Nicola Harrison)
    Die Lebensweise schafft das falsche innere Milieu und löst damit Krankheit und vorzeitigen Tod aus. Krank machende Mikroorganismen − egal, welchen Namen sie tragen − sind die Folge einer falschen Lebensweise. Um zu beweisen, dass ein gesundes inneres Milieu nicht infiziert werden würde, soll Claude Bernard, Begründer der modernen Physiologie (1813–1878), einmal ein Glas Wasser, in dem sich Cholerabakterien befanden, getrunken haben. Er blieb gesund!
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    1. Antwort von Manuela Widmer (ManuelaWidmer)
      Bedenklich, wenn man erkrankten Menschen vorwirft, sie seien nur krank, weil sie ihr Leben falsch lebten. Armut und Unterernährung sind kein Lebensstil. Sie sind bittere Realität.
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    2. Antwort von Niklaus Bächler (sensus communis)
      Nicola Harrison, was sie hier verbreiten ist an Dekadenz und Menschenverachtung kaum zu überbieten. Offensichtlich haben sie noch nie Armut in ihrer vollendeten Grausamkeit gesehen. Wie sollten die Menschen den nach Ihrer Auffassung leben?Ich lese hier viel Unsinn, doch das hier ist kaum zu topen!
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  • Kommentar von W. Ineichen (win)
    Mitschuldig ist wohl auch das explosionsartige Bevölkerungswachstum.
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Dieses Votum können Sie problemlos auf alle heutigen Krisen anwenden. Wichtig wären einmal greif- und realisierbare Vorschläge (bitte keine neue Grenzdebatte, sondern Vorschläge für die Verbesserung vor Ort). - Ich denke, dass auch für die Bevölkerungsexplosion in Afrika eine gute Portion Patriarchat mitverantwortlich ist. Zudem stützt man sich immer noch auf die alte Kultur, wonach viele Nachkommen für den eigenen Lebensabend nötig seien. Zu diesen Themenkreisen sind Ideen gefragt.
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    2. Antwort von Florian Kleffel (Hell Flodo)
      Ich war dieses Jahr schon zwei Mal in Nairobi. Die dort verbreitete Einstellung in Bezug auf Kinder lautet: "Jedes Kind ist ein Geschenk Gottes." Die Bevölkerungsexplosion geht teilweise auf alte Stammeskulturen und auf fehlende Altersvorsorge zurück, heute zu grossen Teilen aber auch auf das missionierende Christentum.
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    3. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Flodo, besten Dank für Ihre Ergänzung, die in meinem Post keinen Platz mehr gefunden hat. - An vielen Orten hat das Christentum grossen Einfluss hat und die Papstgläubigkeit ist gross. Es ist an der Zeit, dass sich auch das Christentum dahingehend öffnet und das "Geschenk Gottes" relativiert. Aufklärung und Schwangerschaftsverhütung sind dringend notwendig; deren Wirkung wird sich aber erst in der nächsten Generation entfalten. Diese Zeit gilt es zu überbrücken - aber wie?
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