Tausende Italiener müssen vorerst in Zelten ausharren

Zwei Wochen nach dem Erdbeben in Mittelitalien leben dort tausende Menschen in Zelten. Der Wiederaufbau der zerstörten Dörfer und Städte wird Jahre dauern und viele Milliarden kosten. Italien beginnt aber auch, endlich, ernsthaft über die Erdbebenprävention zu diskutieren.

Amatrice, Mittelitalien, zwei Wochen nach dem Erdbeben

Im Erdbebengebiet in Mittelitalien hat es in den letzten Tagen stark geregnet. Die Nächte in den zerstörten Dörfern, die auf fast 1000 Meter über Meer liegen, sind kühl. Vasco Errani, der von der Regierung in Rom eingesetzte Kommissar für den Wiederaufbau, sagt darum, er wolle die Zeltlager schnell wieder schliessen. Rund 4000 Obdachlose wohnen derzeit in den provisorischen Unterkünften.

Provisorische Fertighäuser

Wer sein Haus verloren hat, soll in den nächsten Monaten in provisorische, aus Fertigteilen zusammengesetzte Häuser einziehen. Dabei ist die Angst aus den betroffenen Orten noch immer nicht gewichen: Seit dem verheerenden Erdstoss vor zwei Wochen, der über 290 Menschen das Leben kostete, wurden 5500 Nachbeben registriert.

Derweil ist die Suche nach den Schuldigen in vollem Gange. Die Justiz hat Ermittlungen aufgenommen und will wissen, warum etwa die Schule des Städtchens Amatrice einstürzte, obwohl sie vor erst vier Jahren renoviert und als sicher erklärt worden war.

Bürgermeister Sergio Pirozzi jedenfalls weist jede Schuld von sich: Er habe schliesslich auch seine Kinder in diese Schule geschickt. Er sei gelassen, beteuert Pirozzi, ohne allerdings in die Details zu gehen.

Prävention sträflich vernachlässigt

In den letzten Jahrzehnten gab der italienische Staat für die Bewältigung der Folgen von Erdbeben insgesamt 150 Milliarden Euro aus – das meiste für den Wiederaufbau. Für die Erdbebenprävention war es insgesamt jedoch nur knapp eine Milliarde Euro.

Das soll sich jetzt ändern, verspricht Giovanni Azzone, der die Erdbebenprävention in Zukunft plant. «Wir müssen das ganze Land sicher machen», sagt der Mann, der sich als Rektor des Mailänder Polytechnikums einen Namen machte.

Es ist dies eine Aufgabe nicht von Wochen oder Monaten, sondern von Jahren – und eine sehr kostspielige dazu. Allein um die staatlichen Gebäude Italiens erdbebensicher zu machen, braucht es schätzungsweise 50 Milliarden Euro. Geld, welches das hochverschuldete Italien nicht hat.

Da zeichnet sich ein Konflikt mit Brüssel ab, das Italien zum Sparen anhält. Doch das wird Premier Matteo Renzi kaum davon abhalten, im Namen der Erdbebenprävention weiter Schulden zu machen: «Das Geld, das wir für dafür brauchen, nehmen wir uns. Punkt», sagte er bereits kurz nach dem Erdbeben von Amatrice.