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Truck von Nizza.
Legende: Mit Fahrzeugen viele Menschen umbringen: Die Terrormiliz IS propagiert die Methode seit Längerem. Keystone
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International Terror mit Trucks – Experten bestätigen erhöhtes Risiko

Ein Lastwagen wurde in Nizza zur Waffe. Das überrascht Extremismus-Experten nicht. Denn seit Wochen ruft die Terrormiliz IS zu Anschlägen mit schweren Geländewagen, Bussen und Lastwagen auf Menschenansammlungen auf.

Nur Minuten nach der Horrorfahrt von Nizza inszenierte die Terrormiliz IS auf ihren Webseiten grossen Jubel. In Internet-Chatrooms mit verschlüsseltem Zugang folgten schon in der Nacht Appelle, noch mehr Attacken genau dieser Art durchzuführen. Unterlegt mit Bildern von Paris steht da: «Der Kampf gegen euch hat eben erst begonnen.»

Truck-Angriffe bisher vor allem in Kriegsgebieten

Ganz neu seien Terroranschläge mit Fahrzeugen nicht, sagt Professorin Anne Speckhard, Leiterin des Zentrums für Extremismus-Forschung an der Georgetown Universität in Washington. Das Institut befragt regelmässig Deserteure von Terrororganisationen und beobachtet einschlägige Webseiten.

Speckhard erinnert an den Fall aus Saint-Jean-sur-Richelieu im kanadischen Québec, als ein Mann 2014 sein Privatauto zum Mordinstrument umfunktionierte. Es gab weitere Attentate in Dijon und Nantes, die mit Privat- oder Lieferwagen ausgeführt wurden. Die Opferzahlen waren weitaus geringer als in Nizza. Angriffe mit grösseren Fahrzeugen wie Lastwagen forderten bisher hauptsächlich in Syrien und im Irak Opfer.

Bereits während des Fastenmonats Ramadan erwähnte IS-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani die Methode, Fahrzeuge auf Ansammlungen von Zivilisten zu lenken. «Überfahr sie mit deinem Auto», forderte er explizit.

Autos, Sprengstoff, Messer, Steine,...

Seit dem Ende des Ramadan vor zehn Tagen häufen sich gemäss den Forschern die Aufrufe zu Gewalttaten: Die Attentäter werden ermuntert, verschiedenste Methoden zu nutzen. Sprengstoffwesten, Heckenschützenangriffe, tödliche Messerstiche oder Menschen mit Steinen den Schädel zertrümmern.

Auffallend regelmässig genannt werden neuerdings Angriffe mit schweren Geländewagen, Bussen und Lastwagen. Am besten vollgeladen mit Sprengstoff. Als Ziele werden speziell New York, London und Australien genannt. In Deutschland sollen Schläfer-Zellen tätig werden. Und Franzosen sind offenkundig für die Terrormiliz IS eine besondere Zielscheibe.

Ausgefeilte Propaganda

Die Terrorismus-Experten der Georgetown-Universität sehen in den IS-Videos eine enorm starke Propagandawaffe. Man müsse auch beim Feind erkennen, was er gut könne, sagt Speckhard.

Audio
IS ruft zu Anschlägen mit Fahrzeugen auf
02:44 min, aus Echo der Zeit vom 15.07.2016.
abspielen. Laufzeit 02:44 Minuten.

Psychologisch raffiniert und technisch hervorragend gemacht seien die Videos, in fast hollywoodscher Filmqualität. Entsprechend wirksam seien sie. Sie mobilisieren bereits aktive IS-Anhänger, die im Westen leben. Ebenso latente Sympathisanten und leicht Verführbare.

Fredy Gsteiger

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Portrait von Fredy Gsteiger

Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St.Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» und Chefredaktor der «Weltwoche».

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Rene Klein  (R. Klein)
    Ich war direkt vor Ort und stand nur ein paar Meter vom vorbeirasenden LKW entfernt und musste alles hautnah miterleben. Was ich mich bis heute frage, wie konnte überhaupt jemand die Absperrung passieren? Was für eine verdammte Schlamperei! Ein bisschen mehr gesunder Menschenverstand und es hätte nicht zu diesem Unglück kommen müssen. Werde es sicher nie verstehen und nur schwer verarbeiten.
    1. Antwort von Ursula Schüpbach  (Artio)
      Manche sagen, es hätte eine Betonmauer gebraucht, um den Laster zu stoppen: http://www.nzz.ch/international/anschlag-in-nizza/ld.106068 Weiss nicht. Wage mir dazu überhaupt kein Urteil, in keiner Weise.
  • Kommentar von F. Alex  (anti-cliché)
    Auch hier wieder: Gratis-Propaganda für Extremisten, wie man es machen könnte. Anstatt einfach zu ignorieren. Wann begreifen unsere Medien das endlich???
    1. Antwort von Ursula Schüpbach  (Artio)
      Mir ist das jetzt alles auch zu viel. Mag es gar nicht mehr hören oder lesen. Ist ja schon längstens bekannt, dass dem IS nichts zu blöde ist, um sich zu inszenieren. Was man allerdings nicht mit militärischer Macht verwechseln sollte.
    2. Antwort von Alex Kramer  (Kaspar)
      Tatsache ist aber, dass man DAS Feindbild schlechthin gefunden hat. Ein MUslim und eine Gewalttat = IS. Ob die sich kannten oder nicht, spielt der kreischenden Menge gar keine Rolle mehr, wenn das Feindbild erstmals bestätigt zu sein scheint. Andernorts ist von einer psychisch labilen Person des Täters die Rede. Das wäre doch mal ein gefundenes Fressen für unsere Gerichtspsychiater, welche die Möglichkeiten der manipulativen Fremdbestimmung thematisieren könnten....?
    3. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      A:K. Es geht Hand in Hand....
  • Kommentar von W. Pip  (W. Pip)
    Entweder europa unterliegt diesem terror oder es tut etwas. Der trump'sche ansatz ist hierbei nicht der verkehrteste. Genug ist genug.
    1. Antwort von Alex Kramer  (Kaspar)
      Trump muss sich erst beweisen, was Realpolitik und Wahlkampf-Klappe an internem Konfliktpotential beherbergen.