Theresa May: «Ich bin keine, die das Scheinwerferlicht sucht»

Mit Ehrgeiz und Hartnäckigkeit hat Theresa May ihr Ziel verfolgt: Als Premierministerin hat sie es endlich bis an die Spitze geschafft. «Eiserne Lady im Wartestand» – so hat der «Independent» sie noch vor zwei Jahren beschrieben. Das Warten hat für die 59-Jährige jetzt eine Ende.

Sie ist Pfarrerstochter, hat Geografie studiert und bei der Zentralbank gearbeitet. Sie ist verheiratet und kinderlos, kocht und wandert gerne, Smalltalk mag sie nicht. – Sonst weiss man Privates wenig über Theresa May, obwohl sie schon sechs Jahre den Knochenjob als Innenministerin gemacht hat.

Typisch May. Privates bleibt Privat, da gibts Wichtigeres. Etwa ihre Vision als britische Premierministerin:

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Wer, wenn nicht eine, die so spricht wie sie?

1:52 min, vom 11.7.2016

Seit fast hundert Jahren hat sich niemand mehr so lange im Innenministerium gehalten wie Theresa May. Vielleicht hat sie darum den Ruf als neue «Iron Lady»? Die Briten finden wohl zurecht: Sie ist die perfekte Frau, um mit Brüssel die Konditionen nach dem Brexit zu verhandeln.

May sagt von sich selber: «I know I'm not a showy politician». Sie gilt als stille Schafferin, neigt nicht zu Schnellschüssen, kann Krisen managen. Mitarbeiter beschreiben sie als kompetent, freundlich und sehr ehrgeizig.

Ausserdem mag sie Schuhe.

Natürlich: An den Schuhen soll man keine Politikerin messen. Aber an ihren Taten.

Lastwagen gegen die Immigration. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die weltoffenen Londoner staunten nicht schlecht. Keystone

Im Sommer 2013 liess ihr Innenministerium zwei Lastwagen durch multikulturelle Gegenden Londons fahren. Die Aufschrift auf den Lastern: «Illegal in Grossbritannien? – Gehen Sie nach Hause oder ins Gefängnis».

May gilt mit ihrer Migrationspolitik als Hardlinerin. Um die Zahl der Einwanderer zu reduzieren, spielte sie gar mit dem Gedanken, die Europäische Menschenrechtskonvention zu kündigen.

Die Einwanderung wird die Knacknuss bei den Verhandlungen mit der EU sein: Einerseits will sie, dass die britische Wirtschaft auch nach dem Brexit Zugang zum EU-Binnenmarkt hat. Andererseits will sie das damit verbundene Recht auf Arbeitnehmerfreizügigkeit im Binnenmarkt nicht akzeptieren.

Ob sie das schafft? Man traut es ihr durchaus zu. Die Referenzen der 59-Jährigen sind jedenfalls ausgezeichnet: Neben des schwierigen Themen der Einwanderung profilierte sie sich auch bei Themen wie Terrorabwehr, Überwachung, Polizei, Kindesmissbrauch.

So streng und entschlossen, wie die Tochter eines anglikanischen Geistlichen unter dem kinnlangen, grauen Haar oft dreinschaut, scheint es gar nicht so abwegig, dass May die Brexit-Verhandlungen erfolgreich führen wird. – Denn jetzt mal ehrlich: Würden Sie sich mit dieser Frau anlegen?