Darum geht es: Die chinesische Staatssicherheit warnt vor ausländischen Spionageaktivitäten im Meer. Neben technischen Spionen wie Meeresbojen oder von Solarstrom angetriebenen Wellengleitern warnt die Behörde auch vor tierischen Spionen. Konkret erwähnt sie Spionageschildkröten und -fische: «In einem Seegebiet unseres Landes wurden grössere lebende Meerestiere entdeckt, denen Sensoren angebracht wurden.»
Um diese Daten geht es den Spionen: «Sie sammeln in Echtzeit sensible ozeanische Umweltdaten wie Wassertemperatur, Salzgehalt und Meeresströmungen und übertragen diese über Satellit ins Ausland», schreibt die chinesische Staatssicherheit auf ihrem Wechat-Account (Chinas Super-App, die auch Chats und Social-Media-Posts sowie Zahlungsfunktionen umfasst). Wie diese Daten genutzt werden, werde nicht klar, sagt Chinakorrespondent Samuel Emch. Aber wenn diese an ausländische Geheimdienste geraten, «würde das Chinas territoriale, militärische und wirtschaftliche Sicherheit ernsthaft gefährden. So heisst es zumindest.» Konkreter werde die Staatssicherheit bei Sonardaten: «Damit könnten ausländische Spione chinesische U-Boote in Echtzeit überwachen.»
Das ist besonders: Die Staatssicherheit warne in ihrem Wechat-Account zwar immer wieder vor Ausländern. «Chinesinnen und Chinesen sollen vorsichtig sein, wenn sie mit Ausländern in Kontakt kommen.» Auch Warnungen vor Spionage auf hoher See sind kein Novum. Aber: «Dass dabei Tiere für die Spionage eingesetzt werden, das ist meines Wissens neu.» Vorwürfe zum Einsatz tierischer Spione gab es teils von westlichen Staaten gegenüber Russland. Von russischen Spionage- oder Kampfdelfinen war schon die Rede – ohne Beweise.
Das ist der Hintergrund: «In den letzten Tagen und Wochen haben die Five-Eyes-Staaten (USA, Australien, Neuseeland, Kanada und Grossbritannien) vor chinesischer Spionage gewarnt», erklärt Samuel Emch, vor allem vor Spionage im Bereich Cyberspace. So warf beispielsweise der britische Geheimdienst MI5 China vor, Spione als Jobrecruiter zu tarnen, um an «nicht öffentliche Informationen» für das chinesische Militär zu kommen. «Auf diese Vorwürfe wurden in den Propagandamedien in China Meinungsbeiträge geschrieben und man versucht hier, den Vorwurf gerade umzudrehen.»
Das verspricht die Regierung: Laut dem britischen Guardian will die Sicherheitsbehörde den Spionagefischen an den Kragen: Wer einen Spionagefisch oder eine Spionageschildkröte fängt, soll zwischen 50'000 und 500'000 Yuan bekommen – umgerechnet bis zu knapp 60'000 Franken. Den chinesischen Meeresschildkröten stehen wohl unruhige Tage bevor.