Todesstoss für den Tourismus in der Türkei?

Durch das Fernbleiben russischer Badegäste ist der Tourismus in der Türkei arg in Schieflage geraten. Nach dem jüngsten Anschlag in Istanbul wächst nun bei lokalen Anbietern die Sorge, dass künftig auch deutsche Urlauber das Land meiden könnten.

Einsame Hotel-Terrasse am Meer, nur eine einzige Touristin. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Eine Touristin sonnt sich einsam auf der Terrasse eines Hotels bei Bodrum. Keystone

Alle Zeichen deuten darauf hin, dass der Anschlag im belebten Altstadtviertel in Istanbul ganz gezielt gegen ausländische Touristen gerichtet war – zehn deutsche Urlauber starben durch die Bombe des Attentäters. Die türkische Tourismusbranche, die sowieso schon arg gebeutelt ist, gerät durch den jüngsten Vorfall zusätzlich in Bedrängnis.

Nicht nur haben die beiden Kriege in den Nachbarländern Syrien und Irak die Einnahmen der Branche vergangenes Jahr deutlich zurückgehen lassen. Ins Gewicht fällt vor allem auch das Ausbleiben der zahlungskräftigen russischen Touristen. Der Kreml hat den Verkauf von Pauschalreisen in die Türkei untersagt, nachdem im November türkische Jagdflugzeuge einen russischen Kampfbomber abgeschossen hatten.

Für lokale Anbieter ein herber Rückschlag: Immerhin verbrachten in der Vergangenheit jeweils jährlich rund vier Millionen Russen ihre Ferien in der Türkei – besonders in den Wintermonaten war das Land bei ihnen äusserst begehrt, um der Kälte in der Heimat zu entfliehen.

«2016? Ein verlorenes Jahr!»

Noch wichtiger für den türkischen Tourismus sind allerdings die deutschen Urlauber: 5,5 Millionen Gäste aus Deutschland reisten 2015 in die Türkei. Das Land war damit nach Spanien und Italien das beliebteste Auslandreiseziel der Deutschen. Ob das auch nach dem Anschlag so bleiben wird, ist höchst fraglich.

«Erste Fremdenverkehrsmanager sprechen bereits von einem verlorenen Jahr – 2016 könne man abschreiben», sagt Türkei-Kenner und Journalist Thomas Seibert. Doch eventuell ist dies etwas gar viel Schwarzmalerei seitens dieser lokalen Anbieter. Sicher werde der Tourismus in der Stadt Istanbul vorläufig zurückgehen, so Seibert. «Ob die Touristen aber auch im Sommer von den Stränden fernbleiben, muss sich erst noch herausstellen.» Zahlreiche Leute würden erst im Frühling ihren Sommerurlaub buchen. «Möglicherweise ist der Anschlag bis dahin auch schon wieder etwas in Vergessenheit geraten.»

Zwei Millionen Jobs hängen am Tourismus

Zwar ist das Geschäft mit den Reisenden für die Regionalmacht Türkei mit ihren rund 77 Millionen Einwohnern nicht ganz so match-entscheidend wie für andere Länder. Wichtigster Wirtschaftszweig bleibt die Industrie. Dennoch hängen nach Untersuchungen im Auftrag des Welttourismusverbands WTTC rund 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und mehr als zwei Millionen Jobs in der Türkei direkt oder indirekt am Tourismus.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • 10 Tote bei Selbstmordanschlag in Istanbul

    Aus 10vor10 vom 12.1.2016

    Ein Selbstmord-Attentat fordert in der Nähe der Blauen Moschee in Istanbul 10 Todesopfer – die meisten davon stammen aus Deutschland. Nach Angaben der türkischen Regierung steht der IS hinter dem Anschlag.

  • Tourismus in der Türkei leidet unter den russischen Sanktionen

    Aus Tagesschau vom 18.12.2015

    Ab dem 1. Januar dürfen keine russischen Charterflieger mehr in die Türkei fliegen. Dies trifft vor allem die Südtürkei, wo die russischen Touristen die wichtigste Kundschaft sind.