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International «Tötet uns hier, aber schickt uns nicht in die Türkei zurück»

In den Flüchtlingslagern in Griechenland kommt es immer wieder zu gewaltsamen Zwischenfällen. Die vereinbarten Rückführungen in die Türkei rücken näher. Gefährlich sind vor allem Fehlinformationen. Journalist Nik Thomi berichtet aus Idomeni.

Zwei Polizisten stehen mit Helm und Schildern Flüchtlingen gegenüber.
Legende: Nicht nur zwischen Flüchtlingen und der Polizei, auch unter den Flüchtlingen bleibt die Lage in Idomeni angespannt. Keystone

In vielen Flüchtlingslagern in Griechenland ist die Lage angespannt. Zum einen, weil in wenigen Tagen mit der geplanten Rückführung der Menschen in die Türkei begonnen werden soll, zum anderen, weil unterschiedliche Nationalitäten auf engem Raum aufeinanderprallen.

Kurz vor Beginn der vereinbarten Rückführungen in die Türkei forderten Flüchtlinge auf Lesbos mit Transparenten am Zaun des Internierungslagers bei Moria: «Tötet uns hier, aber schickt uns nicht in die Türkei zurück.» Im «Hotspot» der Insel Chios und im Lager von Idomeni gerieten die Menschen untereinander und mit der Polizei aneinander. Nach Auseinandersetzungen zwischen Afghanen und Irakern musste ein Flüchtling in Chios im Spital behandelt werden.

Zusammenstösse in Piräus

Auch im Hafen von Piräus ist es in der Nacht zum Donnerstag zu heftigen Zusammenstössen zwischen Afghanen und Syrern gekommen. Acht Menschen wurden verletzt, zwei davon schwer. Die griechische Regierung strebt nun die schrittweise Räumung des überfüllten provisorischen Camps im Hafen an.

Zunächst sollten rund 300 aus Syrien stammende Flüchtlinge in ein Aufnahmelager im Westen der Halbinsel Peloponnes gebracht werden. Rund 700 Afghanen sollten in einem Lager in der Hauptstadt Athen untergebracht werden. In Piräus harren derzeit knapp 6000 Menschen in Wartehallen und Zelten aus.

Fragile Lage in Idomeni

«Zwischenmenschlichen Probleme entstehen, wenn 10‘000 Menschen auf ganz engem Raum unter primitivsten Bedingungen vegetieren müssen», berichtet Journalist Nik Thomi aus Idomeni. Er steht dort derzeit für ein Schweizer Hilfswerk im Einsatz. Ausserdem hofften die Flüchtlinge in Idomeni immer noch auf eine Öffnung der Grenze, damit sie die Route über Mazedonien in Richtung Westeuropa fortsetzen können.

Im Moment sei die Lage sehr ruhig in Idomeni. «Aber das kann sich von Minute zu Minute ändern. Die Situation ist sehr unberechenbar und auch sehr fragil», so Thomi.

Als Beispiel nennt Thomi einen gescheiterten Hungerstreik: «Ein Teil der Flüchtlinge wollte mit einem Hungerstreik politischen Druck erzeugen, ein Grossteil der anderen Flüchtlinge wollte das nicht. Das hat vergangene Woche zusätzlich zu Spannungen und Ausschreitungen geführt.»

Legende: Video Der Alltag im Flüchtlingslager in Idomeni abspielen. Laufzeit 00:29 Minuten.
Aus News-Clip vom 31.03.2016.

Bedeutung der Smartphones

Ursache für Konflikte seien zudem Fehlinformationen und Gerüchte. Wenn jemand unter diesen Tausenden von Menschen ein Gerücht streut, könne es schnell gefährlich werden. «Deshalb ist es wichtig, dass sich die Flüchtlinge über ein Smartphone im Internet aus erster Hand informieren können», erklärt Thomi.

In Idomeni sei auch eine LED-Tafel und ein grosser Lautsprecher installiert worden, um Informationen weiterzugeben und Fehlinformationen zu widerlegen.

Im Lager an der griechisch-mazedonischen Grenzen leben Schätzungen zufolge derzeit mehr als 12'000 Flüchtlinge. Sie hoffen noch immer darauf, dass Mazedonien die Grenze wieder öffnet. Die früher massenhaft genutzte Balkanroute ist inzwischen blockiert.

Flüchtlingsstrom hat zuletzt wieder zugenommen

Zuletzt nahm der Flüchtlingszustrom über die Ägäis wieder deutlich zu – der Flüchtlings-Krisenstab der griechischen Regierung berichtete am Morgen von mehr als 700 Neuankünften.

Am Freitag soll das griechische Parlament im Eilverfahren die nötigen Vorgaben zur Umsetzung des Flüchtlingspaktes zwischen der EU und der Türkei ratifizieren. Dabei geht es unter anderem um die Rechtmässigkeit der Rückführung von Flüchtlingen in die Türkei. Diese soll am 4. April beginnen.

UNO verlangt mehr Solidarität

Die Vereinten Nationen haben an wohlhabende Länder appelliert, zusätzlich knapp eine halbe Million syrische Kriegsflüchtlinge aufzunehmen. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon drang auf eine Entlastung der Nachbarländer Syriens. Zugleich rief er am Mittwoch bei einer Konferenz in Genf zur Schaffung zusätzlicher Wege für eine legale Migration auf.

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    "Ich möchte in Freiheit leben", sagt die Ex-Frau von IS-Chef Bagdadi und plant, nach Europa zu ziehen. Sie sieht sich zu Unrecht als "Terroristin" gebrandmarkt. Die Scharia verteidigt sie trotzdem; Quelle: http://www.welt.de/politik/ausland/article153864871/Ex-Frau-von-IS-Chef-will-in-Europa-in-Freiheit-leben.html#disqus_thread Völlig grotesk, aber sie wird sicher aufgenommen bei der Asylpraxis.
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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Auch in Deutschland musste man in Flüchtlingslagern schon Nationalitäten oder Religionen trennen. Dies war hier mal eine längere Diskussion. Folglich wird es bei so vielen Menschen in den Auffanglagern , zu Auseinandersetzungen kommen. Hoffen wir nur, sie haben genügend Sicherheitskräfte um dies zu verhindern. So wird es auch später zu verschiedenen Quartieren in den Städten kommen. Ich glaube nicht, dass eine Vermischung in dieser hohen Anzahl möglich ist.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Es ist leider so, dass das ganze Flüchtlingsdrama durch Aktivisten (linksextreme z.B. Amnesty International usw.) angetrieben wird. Meist ist es nicht zum Vorteil der Flüchtlinge. Dass man mit solchen Tricks die ganze EU aufhetzt +vielleicht sogar bei uns einen "Bürgerkrieg" riskiert, wird in Kauf genommen.Die Rechtsextremen werden verteufelt sobald sie nur "bip" sagen +die Meinungen +Begründungen der "normalen Bürger" werden nicht live dokumentiert sondern in Zeitungen +TV verdreht. Gefährlich!
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