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International Tote bei Anschlag auf Synagoge in Jerusalem

Sechs Tote und mehrere Schwerverletzte: Dies ist die Bilanz eines Anschlags auf eine Synagoge in Jerusalem. Die Angreifer haben die Betenden mit Äxten und Messern attackiert. Palästinenserpräsident Abbas verurteilte die Tat umgehend – doch für Israel nicht genug.

Legende: Video Jerusalem: Tote und Verletzte nach Anschlag auf Synagoge abspielen. Laufzeit 02:12 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 18.11.2014.

Erstmals wurde nun eine Synagoge in Jerusalem Ziel eines tödlichen Anschlags. Die strengreligiösen Männer waren gerade beim Morgengebet, als schwer bewaffnete Attentäter in die Synagoge eindrangen.

Die zwei Palästinenser griffen in dem Gotteshaus in Har Nof am Westrand Jerusalems die Gläubigen mit Messern und Äxten an. Vier jüdische Männer starben, acht weitere wurden verletzt. Die Attentäter wurden später von der Polizei erschossen.

Drei der jüdischen Todesopfer waren aus den USA nach Israel eingewandert, einer der Männer stammte aus Grossbritannien. Dies teilte die Polizei mit.

Rache für einen Irrtum?

Mittlerweile hat sich die Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) zu dem Anschlag bekannt. Es sei die Rache für den Tod eines arabischen Busfahrers am Montag. Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri rief zu weiteren «Rache-Aktionen» auf.

Der Tod des arabischen Busfahrers, der am Sonntag erhängt aufgefunden worden war, sorgte bei den Palästinensern für neuen Zorn. Die Palästinenser gehen von einem Lynchmord durch jüdische Siedler aus. Eine israelische Autopsie ergab aber, der Mann habe Suizid begangen.

Attentäter stammen aus Ostjerusalem

Bei den zwei Attentätern soll es sich, gemäss palästinensischen Medien, um zwei Bewohner Ostjerusalems handeln. Die israelische Polizei geht nach ersten Berichten davon aus, dass es sich um einen Anschlag von Einzeltätern handelt, die nicht von einer Terrororganisation beauftragt wurden.

Palästinenserpräsident Abbas verurteilte die Tat umgehend. Das sei zwar gut – aber nicht genug, betonte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Er warf Abbas vor, Terroristen durch Hetze zu ermutigen. Die militanten Palästinenserorganisationen Hamas und Islamischer Dschihad sowie die Palästinenserbehörde verbreiteten ständig Lügen über Israel, so Netanjahu.

Und weiter: «Wir befinden uns mitten in einer Terrorkampagne, die sich auf Jerusalem konzentriert. Die Welt schaut sich dieses Massaker an, aber sie verlangt nicht von der Palästinenserbehörde, die Hetze zu unterbinden», so Netanjahu.

Die Häuser der Terroristen werden zerstört.
Autor: Jizchak AharanowitschMinister für öffentliche Sicherheit

Die israelische Regierung kündigte umgehend die Lockerung des Gesetzes zur bewaffneten Selbstverteidigung an. Die gelockerten Regelungen würden für alle Waffenscheininhaber, für Armeeoffiziere ausser Dienst sowie für Wachpersonal an Schulen und Kindergärten gelten, sagte der Minister für öffentliche Sicherheit, Jizchak Aharanowitsch. Doch damit nicht genug. Der Minister kündigte an, dass die «Häuser der Terroristen zerstört» würden.

Martialisches Gesetz aus grauer Vorzeit

Ausserdem werde er den Rechtsberater der Regierung einschalten, um zu erreichen, dass Verdächtige in «Verwaltungshaft» genommen würden, führte Aharanowitsch vor den Medien aus.

Diese aus dem Kolonialrecht der britischen Mandatszeit in Palästina (1920-1948) übernommene Massnahme erlaubt die unbegrenzte Gefangenhaltung von Menschen ohne Anklage und Gerichtsverfahren, solange alle sechs Monate ein Richter die Verlängerung erlaubt.

Anschläge auf Israelis

Die Situation werde sich nicht so rasch beruhigen, vermutet SRF-Korrespondent Pascal Weber. Das Problem sei, dass sowohl Netanjahu als auch Abbas innenpolitisch nicht auf gesichertem Boden stünden – durchaus auch aus eigenem Verschulden. «Sie können oder wollen nicht genug gegen die Brandstifter vorgehen.»

In den vergangenen Wochen war es in Israel und den Palästinensergebieten immer wieder zu Konfrontationen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen. Es gab auch eine Serie von Anschlägen auf Israelis. Ein Auslöser der Spannungen war der Streit um die Nutzung des Tempelbergs in Jerusalems Altstadt, der Juden und Muslimen heilig ist.

Legende: Video SRF-Korrespondent Pascal Weber zum Anschlag in Jerusalem abspielen. Laufzeit 01:54 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.11.2014.

Gefährliche Gewaltspirale

Immer wieder ist von der Sorge einer dritten Intifada die Rede, also vom dritten Palästinenseraufstand nach 1987 und 2000. SRF-Korrespondent Weber sieht jedoch Unterschiede in der Ausgangslage. Die bisherigen Intifadas seien organisierte Aufstände gewesen, an denen sich auch die bewaffneten Flügel der jeweiligen Palästinenserfraktionen beteiligt hatten.

Heute handle es sich mehrheitlich um Einzeltäter, in einer Spirale von Gewalt und Gegengewalt, welche sich die Extremisten auf beiden Seiten zu nutzen machen wollten. Und genau darin liegt die Gefahr: «Eine solche Gewaltspirale ist noch viel schwieriger ausrechenbar und kann auch nur sehr viel schwieriger wieder eingedämmt werden», so Weber.

Har Nof

Die Synagoge, in der das Attentat verübt wurde, befindet sich in Har Nof. Die Ortschaft befindet sich im Westen Jerusalems. Etwa 20 000 Menschen leben dort, vorwiegend ultra-orthodoxe Juden.

In der Nähe der Synagoge befindet sich auch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

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41 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    Eigentlich müssig, noch darüber zu berichten, es geht ja schon seit Jahrtzehnten so, oder besser, seit einigen tausend Jahren, und es wird auch so weitergehen, und zwar solange es Juden und Palästinenser gibt. Am gleichen Ort. Und eigentlich sollte es auch ein Zeichen für uns sein, uns intensiv mit dem Thema zu beschäftigen, und mit der Tatsache, dass Multi-Kulti, im gleichen Land, offenbar ganz einfach nicht funktioniert. Die Unterschiede sind zu fundamental, um sie einfach ignorieren zu können
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    1. Antwort von Björn Christen, Bern
      Multikulti funktioniert durchaus, aber nicht mehr sobald die Anzahl Moslems in einem Land eine gewisse Grenze übersteigen, weil sie dann frech und aggressiv werden und dauernd mit Forderungen kommen und notfalls drohen. Dieses Entwicklungsmuster kann man in ganz Westeuropa verfolgen. Andere nicht-islamische Minderheiten, ob Portugiesen, Russen, Inder oder Chinesen intergrieren sich grössenteils problemlos - weil sie eben nicht von klein auf mit einer militanten Eroberungsideologie gechipt sind.
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  • Kommentar von Ursula Fröhlich, Herisau
    komme direkt aus Jerusalem - geschockt sein ist zuwenig - lasst uns klar zum jüdischen Volk stehen und zu den Arabern - dass Frieden möglich ist, jedoch nicht nur durch Gespräche, sondern es braucht einen Wechsel des Denkens - angefangen bei uns und in den Schulbüchern, in denen Hass gepredigt wird - da ist Fürbitte angesagt. Gott, tröste du die Familien!
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  • Kommentar von Alexander Scheiner, Israel
    Je mehr Israelis oder Juden ein Terrorist ermordet, desto mehr wird er von der PA, PLO, Fatah oder Hamas geehrt. Falls er beim Attentat stirbt, erhält seine Familie einen Bonus und eine Pension. In den palästinensischen Gebieten werden Strassen, Plätze, Schulen - auch von der EU finanzierte – und Sportstadien mit den Namen von Terroristen „geehrt“. Alle dies unter der Führung von Herrn Dr. M. Abbas, mit dem Israel seit Jahren über „Frieden“ verhandeln muss.
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