Zum ersten Mal entsteht zwischen Russland und Nordkorea eine Strassenbrücke. Direkt miteinander verbunden waren die beiden Länder bisher nur mit einer Eisenbahnbrücke. Die Grenze zwischen den beiden Ländern ist lediglich 17 Kilometer lang. Künftig sind Russland und Nordkorea aber zwischen Strasse und Schiene miteinander verbunden.
Die neue Brücke setzt für alle sichtbar fort, was sich in den letzten Jahren auch auf diplomatischer und geostrategischer Ebene vollzogen hatte: Russland und Nordkorea rücken enger zusammen.
Im Juni 2024 unterschrieben Wladimir Putin und Kim Jong-un ein strategisches Kooperationsabkommen. Nun werden die Beziehungen sukzessive vertieft – auch mit dem Ausbau der Infrastruktur zwischen den beiden Ländern.
Ulrich Schmid, Professor für Osteuropa-Studien an der Universität St. Gallen, spricht von «Stein gewordener Zusammenarbeit»: «Diese Brücke ist gewissermassen die Institutionalisierung einer langfristigen militärischen Zusammenarbeit.»
Die Brücke soll auch dazu dienen, Rüstungslieferungen aus Nordkorea unproblematischer zu erhalten.
Mit seinem Angriffskrieg auf die Ukraine hat sich Russland international isoliert und kann nur noch auf wenige Verbündete zählen. Pjöngjang gehört dazu. So unterstützt die stalinistische Diktatur von Kim Jong-un den Kreml bei seinem Krieg. «Die Strassenbrücke soll auch dazu dienen, Rüstungslieferungen aus Nordkorea unproblematischer zu erhalten.»
Bisher lieferte das Kim-Regime vor allem Artilleriegeschosse an Russland – und zwar mehrere Millionen Stück. Diese reichen laut Schmid aber nur für einige Monate. «Dazu kämpften im Winter 2024/2025 im südrussischen Oblask Kursk rund 14'000 nordkoreanische Soldaten auf der russischen Seite.» Auch diese Zahl gelte es allerdings in Proportionen zu setzen. So gehe man davon aus, dass rund 800'000 russische Soldaten im Ukraine-Krieg kämpften.
Klandestiner Transport über Strasse
Wie der britische «Guardian» berichtet, soll der Transport über die Strasse einen gewichtigen Vorteil gegenüber der Schiene haben: Für die westliche Satellitenaufklärung ist es demnach ungleich schwieriger, den Warentransport über die Strasse zu überwachen.
Die Brücke steht auch sinnbildlich für eine andere Entwicklung: Russland sucht sich neue Partner in der Welt – und blickt dabei insbesondere nach Osten. Die intensivierten Beziehungen zu Nordkorea hänge der Kreml aber in der Heimat nicht an die grosse Glocke, sagt Schmid.
Denn: «Viele Menschen in Russland verstehen sich nach wie vor als Europäer. Und für die russische Führung ist es prekär zugegeben zu müssen, dass man mit einer schlimmen Diktatur in Ostasien zusammenarbeitet», so der Russland-Experte. So leugnete Moskau denn auch lange jedwede Kooperation mit Pjöngjang im Ukraine-Krieg.
Win-Win-Situation für Putin und Kim
Eine Einbahnstrasse ist die Kooperation allerdings nicht. Denn auch Nordkorea profitiert. Über die Strassen- und Bahnverbindung können Güter ins Land geschafft werden, die dem isolierten Regime helfen, die internationalen Sanktionen zu umgehen. «Es wird auch vermutet, dass sich Nordkorea sein Engagement mit russischer Atomwaffentechnologie bezahlen lässt», sagt Schmid.
Der Krieg in der Ukraine sei ein Geschenk für den nordkoreanischen Machthaber, schliesst Schmid: «Denn bisher war Nordkorea fast ausschliesslich von China abhängig – nun kann es seine Situation ausbalancieren und Peking zeigen, dass es auch andere Optionen hat.»