Abschied von Nelson Mandela: «Sein langer Marsch ist zu Ende»

Die Welt hat mit einer Trauerfeier Abschied von Nelson Mandela genommen. Es war ein fröhliches Fest, mit zahlreichen Würdigungen für den südafrikanischen Nationalhelden.

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Die Welt nimmt von Mandela Abschied

1:34 min, aus Tagesschau am Mittag vom 10.12.2013

9:50 Uhr: Halbleeres Stadion irritiert

Noch ist die Arena nur zur Hälfte gefüllt. Vermutlich wird die Zeremonie deshalb verspätet beginnen. Auch ein Grossteil der prominenten Gäste – zum Beispiel Barack Obama – ist noch nicht vor Ort. Aber die Gäste aus aller Welt treffen quasi im Minutentakt ein.

Unterdessen singen und tanzen die Menschen im Stadion. Viele von ihnen sind in Trachten gehüllt und in den Landesfarben geschminkt. Insgesamt werden 95'000 Menschen erwartet. Weil die Behörden vor einem Chaos gewarnt hatten, sind viele Menschen in andere Stadien ausgewichen. Nun wird sich das Stadion vermutlich erst im Laufe der Zeremonie vollständig füllen.

Mit einer bewegenden Trauerfeier haben Südafrika und die Welt Abschied von Nelson Mandela genommen. Der Verstorbene wurde dabei unter anderem als «Gigant der Geschichte» und als ein «Leuchtfeuer der Hoffnung und der Menschenrechte» gepriesen. Wir haben für Sie die Geschehnisse der Zeremonie und die wichtigsten Würdigungen des Verstorbenen chronolgisch aufbereitet.

10:15 Uhr: «Er hat es verdient, seine Ruhe zu finden»

Noch immer ist unklar, wann die Trauerfeier nun offiziell beginnen wird. Zeit genug also für Ruedi Küng, den ehemaligen Südafrika-Korrespondenten, noch einmal die letzten Tage Mandelas Revue passieren zu lassen. Er sei erleichtert gewesen, als er vom Tod Mandelas erfahren habe. «Denn am Ende war er ein schwacher, kranker Mann, der von einigen als politisches Instrument missbraucht wurde.»

Ruedi Küng: «Gut, dass man ihn hat sterben lassen»

2:17 min, vom 10.12.2013

Mehr als 27 Jahre hat Mandela im Gefängnis verbracht, um erst dann seine grösste Leistung zu vollbringen. «Dieser Mann hat es verdient, nun seine Ruhe zu finden», so Küng.

10:30 Uhr: Leere im Stadion

Winnie Mandela, die geschiedene Ex-Frau von Nelson Mandela, betritt das Stadion. «Ihre schwierige Lage wurde von der Öffentlichkeit bis heute oftmals verkannt», sagt Ruedi Küng.

Allerdings seien auch viele Dinge nach Mandelas Freilassung geschehen, die Winnie in kein gutes Licht rücken lassen, so der ehemalige Südafrika-Korrespondent.

Immer noch treffen viele internationale Gäste in. Auch Jacob Zuma, der Präsident Südafrikas, ist auf dem Weg zu seinem Platz auf der Ehrentribüne. Unterdessen füllt sich das Stadion langsam. Allerdings sind die unteren Ränge weiterhin zum grossen Teil leer.

10:50 Uhr: Feierlichkeiten verzögern sich

Jacob Zuma, der Präsident Südafrikas, betritt die Ehrentribüne. Er wird die Hauptrede der Trauerfeier halten.

Staats- und Ehrengäste im Minutentakt ein. War zunächst angenommen worden, die Verzögerung seien auf die leeren Ränge im Stadion zurückzuführen, so muss man wohl jetzt davon ausgehen, dass es Probleme bei der Logistik gibt. Gerade erst trifft die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff – eine der Trauerredner – ein.

11:10 Uhr: Nationalhymne zur Eröffnung

Nun ist es soweit: Mit knapp einer Stunde Verzögerung beginnen die Trauerfeierlichkeiten zu Ehren Nelson Mandelas. Nach der Nationalhymne werden die Gäste aus aller Welt begrüsst. Dann sprechen Vertreter aller Religionen Südafrikas Mandela ihren Segen aus.

11:45 Uhr: «Ruhmreiches Leben ist zu Ende»

Nach dem Weggefährten aus der Gefangenschaft, Andrew Mlangeni, spricht mit Thanduxolo Mandela erstmals ein Angehöriger der Familie. Beide Redner betonen Mandelas Bescheidenheit und würdigen seinen Kampf für die Gleichheit in Südafrika.

«Ein ruhmreiches Leben ist zu Ende gegangen. Aber aus unseren Köpfen wird er nie verschwinden. Denn er hat uns zur Versöhnung geführt», sagt Thanduxolo Mandela. Der Sprecher der Familie ruft am Ende seiner Rede dazu auf, die Welt im Sinne Mandelas zu einem besseren Ort zu machen und dessen Licht weiterzutragen.

Ban Ki Moon: «Die Welt hat eine Ikone verloren»

7:32 min, vom 10.12.2013

12:15 Uhr: «Möge er in Frieden ruhen»

«Südafrika hat einen Helden verloren, die Welt einen Mentor», sagt UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon in seiner Rede zu Ehren Nelson Mandelas. Dieser habe viel geopfert für den Frieden und die Gerechtigkeit», so Ban Ki-Moon. Doch nun sei sein langer Marsch beendet. «Möge er in Frieden ruhen.»

Mbuso Mandela, ein Enkel Mandelas, würdigt seinen Grossvater in bewegenden Worten. «Du hast uns sehr viel gebracht. Du hast uns in eine Zukunft gewiesen, in der Schwarz und Weiss, Reich und Arm gemeinsam in einer Welt leben können.»

13:05 Uhr: «Wir werden ihn vermissen»

US-Präsident Barack Obama nennt Nelson Mandela einen «Giganten der Geschichte» und einen der letzten grossen Befreier des 20. Jahrhunderts.

Barack Obama: «Ein Gigant der Geschichte»

18 min, vom 10.12.2013

Er habe den Ansprüchen der Unterdrückten eine Stimme gegeben und verstanden, dass sich Ideen nicht in ein Gefängnis stecken liessen.

«Sein Kampf war euer Kampf. Sein Triumph war euer Triumph», sagt Obama vor den jubelnden Menschen. Vielleicht werde es eine Ikone wie Mandela nie wieder geben, so der US-Präsident weiter. «Wir werden ihn vermissen.» (Hier geht es zu Obamas Rede in voller Länge.)

13:35 Uhr: Historischer Handschlag am Rande

Mandela habe auch für Lateinamerika und die karibischen Staaten «ein unerreichbares Beispiel» gesetzt, betont der kubanische Präsident Raúl Castro. Südafrikas Nationalheld sei dem «revolutionären Kampf für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung» verpflichtet gewesen. Castro nennt Mandela ein Vorbild für Integrität. Er habe alles getan, um die Armut und Ungleichheit zu bekämpfen – und damit dem neuen Südafrika den Weg geöffnet.

Am Rande der Reden kommt es zu einer in der jüngeren Geschichte beispiellosen Geste: Castro und US-Präsident Barack Obama schütteln sich die Hand. Die Beziehungen zwischen den USA und dem sozialistischen Kuba sind seit Jahrzehnten angespannt.

14:00 Uhr: «Mandela hat uns alle berührt»

In Südafrika wurde Nelson Mandela mit dem Kosenamen Madiba betitelt – das südafrikanische Wort für Vater. Der Präsident Südafrikas, Jacob Zuma, betont: «Wir nennen Madiba nicht nur unseren Vater der Nation, um politisch korrekt zu sein. Mandela hat ein starkes Fundament gebaut. Ein Land, das vereint ist, demokratisch und wirtschaftlich blühend.» Für seine Überzeugungen und sein Handeln habe er einen hohen Preis bezahlt.

Jacob Zuma winkt Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der aktuelle Präsident Südafrikas: Jacob Zuma. Reuters

Jeder habe seinen «Mandela-Moment» gehabt im Leben, jeder habe sich schon mal von ihm berührt gefühlt, hält Zuma weiter fest. «Es gibt niemanden wie Madiba. Er war schlicht einzigartig.» Mandela hinterlasse eine Nation, die ihn liebe. Einen Kontinent, der stolz ist, ihn Afrikaner nennen zu dürfen.

Die Rede von Südafrikas Präsidenten Jacob Zuma wird von Buh-Rufen begleitet.

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