Treibt ein einzelner Mann Argentinien in die Pleite?

Vor zehn Jahren war Argentinien bankrott. Gläubiger verzichteten damals auf viel Geld. Doch nicht alle – ein Rechtsstreit bringt das Land nun wieder an den Rand der Zahlungsunfähigkeit. Verantwortlich: Ein einzelner Mann.

Ein Armenviertel von Buenos Aires vor der Skyline der argentinischen Hauptstadt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Vor 10 Jahren war Argentinien am Boden – nun droht neues Ungemach. Keystone

Vor zehn Jahren wurde Argentinien «umgeschuldet». Der Staat ging bankrott. Ein Grossteil der damaligen Gläubiger verzichtete auf viel Geld.

Doch nicht alle – eine kleine Gruppe besteht nach wie vor auf die vollumfängliche Rückzahlung der Schulden. Zu ihnen gehört auch eine Gruppe von US-Hedgefonds.

Am Mittwoch vor einer Woche hat ein Gericht diesen Hedgefonds nun Recht gegeben. Das Urteil: Argentinien muss die ganze Schuld begleichen. Und zwar sofort und vollumfänglich.

Die Reaktionen aus der Finanzwelt liessen nicht lange auf sich warten. Die Ratingagentur Fitch stufte Argentinien am Dienstag herab. Um gleich fünf Stufen. Prognose: Zahlungsausfall «wahrscheinlich». Damit wird es für Argentinien schwieriger, sich an den Finanzmärkten Geld zu leihen.

Aufatmen – vorerst

Im schlimmsten Fall heisst der Rechtsstreit für Argentinien: Staatsbankrott, noch einmal. Wenn auch auf Umwegen. Mitte Dezember muss Buenos Aires 3,5 Milliarden Dollar Anleiheschulden begleichen.Und zwar an Gläubiger, die beim Bankrott verzichteten.

An sich kein grosses Problem. Doch solange Argentinien die Hedgefonds-Schulden nicht begleicht, geht das wegen des Urteils nicht. Ein Druckmittel, welches das Gericht hat, weil die Zahlungen über eine US-Bank laufen. Die Gelder würden ganz einfach gepfändet.

Also die Schulden begleichen? Keine echte Option für das Land. Zahlt Argentinien, dürfte das Begehrlichkeiten bei anderen Gläubigern wecken, die auf der vollständigen Begleichung beharren. Und all diejenigen, die verzichteten, würden vor den Kopf gestossen. Insgesamt elf Milliarden Dollar wurden damals nicht in die Umschuldung hereingenommen.

Beides ist nun abgewendet. Vorerst zumindest. Ein Berufungsgericht hat das Urteil von letzter Woche ausgesetzt. Eine endgültige Entscheidung soll Ende Februar fallen.

Geschäft mit der Staatspleite

Unglaublich, aber wahr: Es ist ein einzelner Mann, der die Finanzwelt und Argentinien dermassen in Atem hält. Paul Elliott Singer, 68 Jahre alt, Hedgefonds-Manager, Milliardär.

Singer hatte sich kurz vor Argentiniens Bankrott günstig mit Staatsanleihen eingedeckt. Und zwar zu einem Zeitpunkt, als die Staatspleite bereits absehbar war.

Bei der Umschuldung machte Singer dann aber nicht mit. Er will die volle Rückzahlung der Schulden. Im Oktober liess er in Ghana sogar ein argentinisches Segelschulschiff beschlagnahmen.

Gerüchteweise würde Singer auch ein erneuter Staatsbankrott Geld in die Kasse spülen. Sein Fonds spekuliert über so genannte Ausfallversicherungen angeblich bereits auf dieses Szenario.

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