Tripolis verärgert über französischen Militäreinsatz

Die französische Armee ist in Libyen aktiv: Nach einem Helikopterabsturz, bei dem drei Soldaten ums Leben kamen, hat Präsident Hollande die Präsenz Frankreichs erstmals offiziell bestätigt. SRF-Frankreich-Mitarbeiter Rudolf Balmer hält die offizielle Version eines Unfalls aber für wenig glaubhaft.

Männer stehen auf einer staubigen Strasse bei einem zerstörten Helikopter. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Wrack eines Helikopters in der nähe von Benghasi. Ob es sich um den französischen Helikopter handelt ist unklar. Reuters

Ein tödlich verlaufener Einsatz französischer Soldaten hat die UNO-gestützte Übergangsregierung in Libyen zu scharfem Protest veranlasst. Mit der nicht abgesprochenen Militärmission habe Frankreich die libysche Souveränität verletzt, kritisierte die Regierung in Tripolis.

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Präsenz schon bekannt

Die Tageszeitung «Le Monde» hat bereits im Februar 2016 die Präsenz französischer Sondereinheiten und Geheimdienstagenten in Libyen publik gemacht. Sie machen Aufklärungsarbeiten, beraten und führen sogenannte «undercover Aktionen» durch, bei denen vermeintliche terroristische Einrichtungen zerstört und Kämpfer getötet werden.

Zwar seien Unterstützungseinsätze befreundeter Nationen gegen die Terrororganisation «Islamischer Staat» (IS) in Libyen willkommen, hiess es in einer Erklärung. «Die Unterstützung sollte aber auf Bitten oder in Abstimmung mit der Regierung erfolgen.»

Proteste in libyschen Städten

In libyschen Städten protestierten am Abend hunderte aufgebrachter Bürger gegen die französische Militärpräsenz. «Hände weg von Libyen», hiess es auf einem Plakat, «Keine französische Intervention!» auf einem anderen. Fernsehbilder zeigten Protestkundgebungen in Tripolis und Misrata.

Der Einsatz war bekannt geworden, nachdem die französische Regierung am Mittwoch den Tod von drei Soldaten in Libyen bekannt gegeben hatte. Nach Angaben von Präsident François Hollande starben sie während einer «gefährlichen Erkundungsmission» bei einem Helikopterabsturz. Zu Ort und Zeitpunkt des Vorfalls machte Paris keine Angaben.

Unterschiedliche Aussagen

Libysche Quellen widersprachen dieser Darstellung. Der französische Helikopter sei von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen worden, sagte ein Kommandant der Truppen von General Chalifa Haftar im Osten Libyens. Die Rakete sei am Sonntag «wahrscheinlich von Islamistengruppen» in der Nähe von Benghasi abgeschossen worden, sagte der Truppenführer.

«  Es ist sehr glaubhaft, dass die drei Soldaten in Kämpfe verwickelt waren. »

Rudolf Balmer
SRF-Frankreich-Mitarbeiter

SRF-Frankreich-Mitarbeiter Rudolf Balmer hält diese auch von verschiedenen Militärexperten dargestellte Version für wahrscheinlich: «Es ist sehr glaubhaft, dass die drei Soldaten in Kämpfe verwickelt waren.» Der Helikopter sei in der Nähe von Benghasi unterwegs gewesen, wo vor allem islamistische Einheiten des IS und einer Al Kaida nahestehenden Gruppierung aktiv sind.

Auf welcher Seite kämpft Frankreich?

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Herbst 2011 herrscht Chaos in dem nordafrikanischen Land. Davon profitierten unter anderem der IS und andere Dschihadistengruppen. Eine von der UNO unterstützte Übergangsregierung bemüht sich derzeit, die Kontrolle über das Land zu gewinnen.

Hören Sie hier das Gespräch mit Rudolf Balmer

6:04 min, aus SRF 4 News aktuell vom 21.07.2016

Auf welcher Seite die Franzosen kämpfen, sei nicht klar und werde auch nicht klar kommuniziert, so Balmer in Paris. Weil Anhänger der Miliz von General Haftar den Helikopterabsturz als erste gemeldet haben, schliesst der Journalist nicht aus, «dass die französischen Spezialeinheiten mit Haftar zusammenarbeiten». Die Milizen von Haftar kämpfen im Osten des Landes gegen andere bewaffnete Gruppen wie den IS. Der Kommandant anerkennt aber die von der UNO unterstützte Übergangsregierung in Tripolis nicht.

Balmer glaubt, dass die Mehrheit der Franzosen solche militärische Interventionen billigt. Insbesondere nach dem jüngsten Attentat von Nizza, wie er sagt. Eine kleine Minderheit vertrete aber auch die Meinung, dass es gescheiter wäre, sich im Ausland nicht noch zusätzlich Feinde zu schaffen.