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Männer stehen auf einer staubigen Strasse bei einem zerstörten Helikopter.
Legende: Das Wrack eines Helikopters in der nähe von Benghasi. Ob es sich um den französischen Helikopter handelt ist unklar. Reuters
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International Tripolis verärgert über französischen Militäreinsatz

Die französische Armee ist in Libyen aktiv: Nach einem Helikopterabsturz, bei dem drei Soldaten ums Leben kamen, hat Präsident Hollande die Präsenz Frankreichs erstmals offiziell bestätigt. SRF-Frankreich-Mitarbeiter Rudolf Balmer hält die offizielle Version eines Unfalls aber für wenig glaubhaft.

Ein tödlich verlaufener Einsatz französischer Soldaten hat die UNO-gestützte Übergangsregierung in Libyen zu scharfem Protest veranlasst. Mit der nicht abgesprochenen Militärmission habe Frankreich die libysche Souveränität verletzt, kritisierte die Regierung in Tripolis.

Zwar seien Unterstützungseinsätze befreundeter Nationen gegen die Terrororganisation «Islamischer Staat» (IS) in Libyen willkommen, hiess es in einer Erklärung. «Die Unterstützung sollte aber auf Bitten oder in Abstimmung mit der Regierung erfolgen.»

Proteste in libyschen Städten

In libyschen Städten protestierten am Abend hunderte aufgebrachter Bürger gegen die französische Militärpräsenz. «Hände weg von Libyen», hiess es auf einem Plakat, «Keine französische Intervention!» auf einem anderen. Fernsehbilder zeigten Protestkundgebungen in Tripolis und Misrata.

Der Einsatz war bekannt geworden, nachdem die französische Regierung am Mittwoch den Tod von drei Soldaten in Libyen bekannt gegeben hatte. Nach Angaben von Präsident François Hollande starben sie während einer «gefährlichen Erkundungsmission» bei einem Helikopterabsturz. Zu Ort und Zeitpunkt des Vorfalls machte Paris keine Angaben.

Unterschiedliche Aussagen

Libysche Quellen widersprachen dieser Darstellung. Der französische Helikopter sei von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen worden, sagte ein Kommandant der Truppen von General Chalifa Haftar im Osten Libyens. Die Rakete sei am Sonntag «wahrscheinlich von Islamistengruppen» in der Nähe von Benghasi abgeschossen worden, sagte der Truppenführer.

Es ist sehr glaubhaft, dass die drei Soldaten in Kämpfe verwickelt waren.
Autor: Rudolf BalmerSRF-Frankreich-Mitarbeiter

SRF-Frankreich-Mitarbeiter Rudolf Balmer hält diese auch von verschiedenen Militärexperten dargestellte Version für wahrscheinlich: «Es ist sehr glaubhaft, dass die drei Soldaten in Kämpfe verwickelt waren.» Der Helikopter sei in der Nähe von Benghasi unterwegs gewesen, wo vor allem islamistische Einheiten des IS und einer Al Kaida nahestehenden Gruppierung aktiv sind.

Auf welcher Seite kämpft Frankreich?

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Herbst 2011 herrscht Chaos in dem nordafrikanischen Land. Davon profitierten unter anderem der IS und andere Dschihadistengruppen. Eine von der UNO unterstützte Übergangsregierung bemüht sich derzeit, die Kontrolle über das Land zu gewinnen.

Auf welcher Seite die Franzosen kämpfen, sei nicht klar und werde auch nicht klar kommuniziert, so Balmer in Paris. Weil Anhänger der Miliz von General Haftar den Helikopterabsturz als erste gemeldet haben, schliesst der Journalist nicht aus, «dass die französischen Spezialeinheiten mit Haftar zusammenarbeiten». Die Milizen von Haftar kämpfen im Osten des Landes gegen andere bewaffnete Gruppen wie den IS. Der Kommandant anerkennt aber die von der UNO unterstützte Übergangsregierung in Tripolis nicht.

Balmer glaubt, dass die Mehrheit der Franzosen solche militärische Interventionen billigt. Insbesondere nach dem jüngsten Attentat von Nizza, wie er sagt. Eine kleine Minderheit vertrete aber auch die Meinung, dass es gescheiter wäre, sich im Ausland nicht noch zusätzlich Feinde zu schaffen.

Präsenz schon bekannt

Die Tageszeitung «Le Monde» hat bereits im Februar 2016 die Präsenz französischer Sondereinheiten und Geheimdienstagenten in Libyen publik gemacht. Sie machen Aufklärungsarbeiten, beraten und führen sogenannte «undercover Aktionen» durch, bei denen vermeintliche terroristische Einrichtungen zerstört und Kämpfer getötet werden.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Ursula Schüpbach  (Artio)
    Jene, die sich noch daran erinnern können, was für eine komplizierte Sache das damals war mit dem Gaddafi-Clan und den Schweizer Geiseln, wie rasch auch die Schweizer Regierung, zwar wohl eingedeckt durch 100'000 Ratschläge, an die Grenzen des Machbaren kam, werden sich wahrscheinlich eher davor hüten, die Diktatur des Gaddafi-Clans zu bagatellisieren. Es ist doch ähnlich wie mit IS und Saudi-Arabien, beide sind nicht besonders sympathisch, gelinde gesagt, auch wenn sie nicht identisch sind.
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  • Kommentar von Christian Szabo  (C. Szabo)
    Libyen war zu Zeiten Gaddafis eines der reichsten Länder Nordafrikas mit sozialen Strukturen. Dass Gaddafi diktatorisch reagierte, ist unbestritten. Klar ist jedoch auch, dass dies nicht der Intervenierungsgrund war. Denn jetzt ist die grosse Masse der Libyer völlig perspektivlos und Staatsressourcen sind auch weg. Es gibt nun mal auf der Welt andere Regierungsformen als im Westen. Vlt. wird in Zukunft Demokratie als überholt angesehen. Zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.
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    1. Antwort von Ursula Schüpbach  (Artio)
      "Es gibt nun mal auf der Welt andere Regierungsformen als im Westen." Demokratie ist keine Frage der Himmelsrichtung. Menschenrechte sind auch universell gültig. Und wer eine perfekte Alternative zu Gewaltentrennung und z.B. auch Pressefreiheit kennt, kann sich ja melden. Organisationen wie AI oder Reporter ohne Grenzen wären sicher auch dankbar. Und jene Schweizer, die sich noch an die sog. Libyen-CH-Affäre mit den Geiseln erinnern können, werden wohl noch wissen, was das für ein "Theater" war.
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    2. Antwort von Bruno Vogt  (b.vogt)
      Frau Schüpbach, ihre Ansichten in Ehren aber sie entscheiden schlichtweg nicht welche Rechte universell gelten und welche nicht. Und wir schon dabei sind waren diese ums Leben gekommenen Franzosen in Frankreich demokratisch legitimiert dort, haben sie die Menschenrechte der Bürger beachtet? Hat Frankreich nicht eben genau diese Menschenrechte im November auch suspendieren lassen?
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    3. Antwort von Ursula Schüpbach  (Artio)
      "...aber sie entscheiden schlichtweg nicht welche Rechte universell gelten und welche nicht." Doch, ich habe das auch mitentschieden, indem ich z.B. für den UNO-Beitritt der Schweiz war. Klar ist das ein verhältnismässig "kleiner" Entscheid, aber es war einer. Und auch wenn manche Menschenrechte mancherorts kaum eingehalten werden, sind sie immer noch gültig. Sie, Herr Vogt, nehme ich an, wollen ja auch nicht, dass man z.B. das Delikt Diebstahl abschafft, nur weil man nicht alle Diebe erwischt.
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  • Kommentar von Stanic Drago  (Putinversteher)
    Es darf nicht vergessen werden, dass Frankreich war dijenige welche Libyen in Steinzeit geworfen hat. Frankreich ist Mitverantwortlich für Zerfall von Staatsstrukturen. Auf welche Seite kämpft Frankreich ist nicht schwer zu beantworten aber sehr unangenehm. Gleiche frage werden auch Syrer eines Tages stellen.
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    1. Antwort von Ursula Schüpbach  (Artio)
      "... für Zerfall von Staatsstrukturen". Ach, die hat es schon vorher nicht wirklich gegeben. Höchstens pseudomässig. Diktatur ist Diktatur.
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    2. Antwort von Stanic Drago  (Putinversteher)
      U.S. informieren Sie sich, wer hatte beste Gesundheit System in Afrika. Gratis Ausbildung und bezahlte Gesundheits Kosten. Jetzt geht Leute dort viel besser nehme ich aus ihren kurzen Kommentar an? Zufäliger weise könne ich paar Libyer welche an Revolution teil genommen haben und sie trauen vergangenen Zeit nach.
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    3. Antwort von Bruno Vogt  (b.vogt)
      Frau Schüpbach ich empfehle ihnen wirklich Hr Drago's Ratschlag ernst zu nehmen. Aufs gerad wohl vor sich hin zu schreiben, bei so ernsten Themen wie die Lage eines Landes das sich in einem Bürgerkrieg befindet, finde ich ziemlich verwerflich. Und das obwohl sie sich so um die Flüchtlinge sorgen die hier ankommen.
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    4. Antwort von Ursula Schüpbach  (Artio)
      Ich brauche keine Empfehlungen von Leuten, die einem ohnehin nur weitere Autokraten und totalitäre Regimes empfehlen wollen.
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    5. Antwort von Stanic Drago  (Putinversteher)
      U.S. genau diejenige welche kein Rat brauchen sind Diktatoren. Ein Land mit gesamte Gesselschaftliche Struktur zu zerbomben und dann sich wundern, wieso keine Demokratie entsteht ist unverantwortlich und blöd. M.Albraith ehmalige US Aussenministerin hat einal gesagt, dass 500 000 gestorbene irakische Kinder waren es Wert um heutige Zustände dort zu haben. Sind Sie gleiche Meinung?
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