Trump: Der nicht ganz so bibelfeste Erlöser

Die Hälfte der zwölf Vorwahlen am «Super Tuesday» finden tief im «Bibel-Gürtel» der USA statt, der Hochburg der gläubigen Christen. Obwohl Donald Trump wenig mit einem modernen Jesus gemein hat: Manch einer glaubt unerschütterlich an ihn.

Donald Trump wird in Iowa von einem Pastor gesegnet. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Trump auf nicht ganz so christlicher Mission: Trotzdem kommt er bei den weissen Gläubigen an. Keystone

In der Brown Memorial Kirche in Tuscaloosa haben sich die mehrheitlich afroamerikanischen Gläubigen zu einem Gottesdienst versammelt. Pastor Joe Scrivner steht vor seiner Gemeinde und sagt, an den Reporter aus der Schweiz gerichtet: «Melden Sie mir bitte alle, die ihnen nach der Predigt erzählen, sie würden Donald Trump wählen!» Ein kleiner Scherz, schiebt er sicherheitshalber noch nach.

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«Super Tuesday»

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An keinem anderen Tag werden gleichzeitig so viele Delegiertenstimmen vergeben. Die wichtigsten Infos rund um den «Super Tuesday» finden Sie hier.

Die Warnung von der Kanzel herab war unnötig: Unter Pastor Scrivners Schäfchen hat es keine Trump-Wähler. Das ist keine Überraschung. Trump ist der Kandidat der Weissen. «Trump macht mir Angst», sagt William Richard Greene, ein älterer Afroamerikaner, der seine Stimme Hillary Clinton geben will. «Mir macht Angst, was Trump sagt und wie er sich aufführt. Das hat mit der Bibel nichts zu tun.»

Publikumsgerechte Pöbeleien

Leute anpöbeln, Flüchtlinge nicht ins Land lassen, sich nicht vom Ku Klux Klan distanzieren. «Er führt bei den Republikanern, weil er genau das sagt, was diese rassistischen, ignoranten Südstaatler hören wollen», sagt Greene. Sheila Holland, auch sie eine Afroamerikanerin, befürchtet, dass die Ausgrenzung im Süden wieder zunehmen könnte: «Die Trump-Anhänger sagen immer, sie wollten die USA zurückhaben. Von wem? Es gibt kein weisses Amerika, Amerika ist ein Schmelztiegel für alle Rassen.»

Angst und Sorge bei den Afroamerikanern in Alabama. Kommt es im Herbst wirklich zum Zweikampf Trump- Clinton?

Andere Töne bei der weissen Klientel

Ganz andere Töne sind im altehrwürdigen Waysider-Restauarant zu hören. Die Gäste sind weiss, vor ihnen auf dem Teller stapelt sich kalorienhaltige Südstaatler-Kost. Eine körperliche Stärkung nach der geistigen Speisung im Gottesdienst. Der 50-jährige Jesse sitzt mit seiner Familie am Tisch und sagt: «Ein Präsident mit christlichen Werten ist wichtig. Sie sind das Fundament unseres Landes. Das haben wir etwas vergessen.»

Der republikanische Präsidentschaftsanwärter Ted Cruz zitiert zwar am häufigsten von allen den Herrgott, doch Jesse ist nicht sicher, ob er ihm seine Stimme gibt. Fasziniert ist er von Donald Trump: «Ein grossartiger Geschäftsmann, er würde unser Haushalts-Defizit wieder ins Lot bringen», glaubt er.

Dass sich Trump vor seiner Kandidatur für und nicht gegen Abtreibungen ausgesprochen hat, dass er die Bibel als sein Lieblingsbuch aufführt und dennoch keine Bibelstelle daraus zitieren kann, all das stört Jesse nicht. Wie ihn auch der eigene Widerspruch zwischen seinem Glauben und seinem Kandidaten nicht stört.

Der mangelnde Glaube sei ihm vergeben

Ein Phänomen, auf das man im strenggläubigen Süden immer wieder trifft. Zum Beispiel bei Mel. «Ich bin ein Christ, klar, aber der Glaube spielt bei diesen Wahlen keine Rolle. Das Land steckt in einer tiefen Krise, jemand muss das Steuer herumreissen.» Und: «Ja, zur Not soll’s Trump richten.»

Das Pew-Research-Center hat herausgefunden, dass Trump eine Ausnahmeerscheinung ist: eine Mehrheit der gläubigen Republikaner sehen in ihm einen guten Präsidenten, und dies obwohl sie Trump selber nicht als religiös einstufen. Der mangelnde Glaube – das scheint vergeben.

Trump – der richtige Mann zur richtigen Zeit

Der 66-jährige Rick im Alabama-Shirt sagt: «Wir befinden uns hier zwar im Bibel-Gürtel. Aber die Religion hat sich so stark verändert. Auch hier. Der Glaube wird nicht mehr gelebt. Politiker missbrauchen die Religion für ihre Zwecke. Wir brauchen mehr Arbeitsplätze, wir brauchen eine sichere Grenze zu Mexiko, wir müssen unser Land zurückholen und aus diesem Sozialismus aussteigen.»

Mike sieht das alles anders. Er steht neben einem Geländewagen, so gross wie ein kleines Haus. Für ihn schneidet noch immer Ted Cruz am besten ab im Bibel-Test. Doch er befürchtet, dass Cruz nie Präsident wird: «Wenn man gläubig ist und moralische Werte hat, wird man in den USA oft als fanatisch, homophob oder rechtsextrem hingestellt.» Und Mike fügt noch an: «Als ob daran etwas Schlimmes wäre».

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