Trump und die Republikaner: «Ich werde Hillary wählen»

Nach dem Rückzug von John Kasich ist Donald Trump so gut wie sicher der Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Doch er entzweit die Partei wie kein anderer. Wenn er im November eine Chance haben will, muss er seine internen Gegner für sich gewinnen.

«Ich kann mir nicht vorstellen, Donald Trump zu wählen, wenn er unser Kandidat wird», sagt Socorro Rodriguez Anderson, Republikanerin aus Kalifornien. Auf die Frage, wen sie wählen werde, meint sie mit resoluter Stimme: «Hillary Clinton».

Nicht viele Mitglieder der republikanischen Partei geben so offen zu, dass sie Fahnenflucht begehen wollen. Andere Trump-Gegner behaupten, sie würden am Wahltag einfach zu Hause bleiben oder jemand anderen auf den Wahlzettel schreiben – etwa einen der Kandidaten, die nicht mehr im Rennen sind, oder den Kandidaten der libertären Partei.

Trump unbeliebtester Kandidat seit Jahrzehnten

Der Vorsitzende der republikanischen Partei, Reince Priebus, twitterte: «Donald Trump ist der voraussichtliche Kandidat, wir müssen uns nun einen, um Hillary Clinton zu schlagen.»

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Hintergrund zu den US-Wahlen

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Das dürfte nicht ganz einfach sein. Hillary Clinton ist bei vielen Wählerinnen und Wählern unbeliebt. Aber Donald Trump ist noch unbeliebter. Umfragen zeigen, dass sieben von zehn US-Amerikanerinnen und US-Amerikanern eine negative Meinung über Trump haben: Das ist ein Rekord. In der republikanischen Partei sind es vier von zehn Wählerinnen und Wählern, die angeben, ihn nicht zu mögen. Die grosse Frage wird sein, wie viele von ihnen ihn dennoch wählen.

Einige Republikaner der #NeverTrump-Kampagne haben ihren festen Vorsatz, ihn nicht zu wählen, erneut bestätigt. Einer der Prominentesten ist Ben Sasse, ein aufstrebender Senator aus Nebraska aus der Tea Party-Bewegung. Er suche einen Drittkandidaten, teilte er mit.

Auch der konservative Kommentator Charles Krauthammer sagte auf Fox News: «Die republikanische Partei wird jetzt von jemandem angeführt, der kein Konservativer ist. Ich kann ihn nicht wählen.» Ben Howe von der konservativen Webseite Redstate.com twitterte «Auf Wiedersehen, GOP.»

Krise in der republikanischen Partei

Das sind gewiss Äusserungen, die im Moment der ersten Enttäuschung gemacht werden. Doch die Parteileitung hat guten Grund, besorgt zu sein. Umfragen weisen auf einen Vorteil für Hillary Clinton in einer Wahlkampf-Ausscheidung gegen Donald Trump hin.

Seine Kandidatur wird demokratische Wählerinnen und Wähler mobilisieren, auch wenn sie nicht wirklich begeistert sind von ihrer eigenen Kandidatin. Berichte über Demokraten, die Trump wählen wollen, haben sich als Einzelfälle erwiesen, die nicht ins Gewicht fallen.

Trump wird also Mitglieder seiner eigenen Partei sowie die Parteilosen an die Urne locken müssen. Gelingt es der Partei nicht, ihre Anhänger auf Trump-Kurs zu bringen, rückt ihr Ziel, nach acht Jahren wieder ins Weisse Haus einziehen zu können, in weite Ferne.

Einige hoffen sogar auf eine Niederlage von Donald Trump, um ihn zu entzaubern und die Partei ohne ihn wieder aufbauen zu können. So sagte etwa der moderate republikanische Kommentator David Brooks: «Es gibt manchmal Wichtigeres, als eine Wahl zu gewinnen.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • FOKUS: Trump – ohne Programm zum Sieg?

    Aus 10vor10 vom 4.5.2016

    Seinen Erfolg feiert Donald Trump mit den immer selben Worten: «Make America great again.» Doch wie genau er die USA wieder gross machen will, das ist nicht bekannt. Ein konkretes Programm hat der Multi-Milliardär bislang nicht präsentiert. Kann er der Demokratin Hillary Clinton bei der Wahl trotzdem gefährlich werden?

  • Cruz steigt aus – Weg frei für Trump

    Aus Tagesschau vom 4.5.2016

    Donald Trump gilt als gesetzter Kandidat der Republikaner. Dies nicht zuletzt, dank seines Siegs über den ärgsten innerparteilichen Konkurrenten Ted Cruz. Das Rennen um die amerikanische Präsidentschaft dürften somit Donald Trump und Hillary Clinton unter sich ausmachen. Einschätzungen von USA-Korrespondent Peter Düggeli.