Amtseinführung in Washington Trumps Spitzenberaterin spricht von «alternativen Fakten»

Wie viele Zuschauer waren tatsächlich bei Trumps Amtseinführung? Der Streit nimmt immer schrägere Dimensionen an.

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Trumps Kleinkrieg mit den Medien

2:27 min, aus Tagesschau vom 22.1.2017

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Pressesprecher des Weissen Hauses, Sean Spicer, kritisierte die US-Medien scharf.
  • Ein Foto, das nur wenige Zuschauer während der Amtseinführung zeigt, sei absichtlich so geschnitten worden.
  • Nun legt Trumps Spitzenberaterin Kellyanne Conway gar noch nach.

Am Anfang des jüngsten Kleinkriegs stand die Aussage von US-Regierungssprecher Sean Spicer: Er hatte den Medien eine falsche Berichterstattung über die Vereidigung Donald Trumps als Präsident vorgeworfen. Die Presse habe den Eindruck erwecken wollen, dass deutlich weniger Menschen zur Amtseinführung in Washington gekommen seien, als es tatsächlich waren, sagte Spicer am Samstagabend. «Dies war das grösste Publikum, das je bei einer Vereidigung dabei war. Punkt.»

Trumps Beraterin macht sich vor dem Weissen Haus bereit für eine TV-Übertragung. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Trumps Beraterin Kellyanne Conway verteidigte die Aussagen von Mediensprecher Spicer. Keystone

Nun doppelt Trumps Spitzenberaterin Kellyanne Conway nach. Spicer habe «alternative Fakten» präsentiert, rechtfertigte sie am Sonntag dessen Äusserungen gegenüber dem Sender NBC.

Es geht vor allem um ein Bild

Mediensprecher Spicer hatte insbesondere kritisiert, dass Fotos auf Twitter eingestellt worden seien, die grosse leere Flächen auf dem Parkstreifen vor dem Kapitol zeigten, wo Trump am Freitag den Amtseid ablegte. Das Foto von Trumps Vereidigung sei absichtlich so ausgeschnitten, dass es die Wahrheit verzerre, sagte Spicer und sprach von einem «schändlichen» Vorgang.

Vergleich der Zuschauerzahlen

«Solche Versuche, den Enthusiasmus über die Vereidigung zu mindern, sind beschämend und falsch.» In den Medien werde viel darüber geredet, dass es eine Pflicht gebe, Trump zur Rechenschaft zu ziehen. «Ich bin hier, um Ihnen zu sagen, dass das für beide Seiten gilt. Wir werden die Presse ebenso zur Verantwortung ziehen.»

Spicer liess keine Fragen der Journalisten zu. Er äusserte sich, nachdem am Samstag mehr Teilnehmer zu einer Demonstration von Frauen gegen Trump gekommen waren, als erwartet.

Luftaufnahmen zeigen, dass sich am Freitag deutlich weniger Menschen auf dem Washington Mall versammelten als bei der Amtseinführung von Trumps Vorgänger Barack Obama vor acht Jahren. Nach Behördenschätzungen kamen damals 1,8 Millionen Zuschauer, so viele wie noch nie. Zu den Teilnehmerzahlen in diesem Jahr lägen keine Zahlen vor, sagte Spicer. Der für 720'000 Menschen vorgesehene Platz sei aber voll gewesen, als Trump seinen Eid abgelegt habe.

Die U-Bahn-Zahlen sprechen gegen Trump

Laut Statistiken der Washingtoner Verkehrsbetriebe nutzten 2017 eine Stunde, bevor der Amtseid abgenommen wurde, allerdings deutlich weniger Menschen die U-Bahn als 2009: Während dieses Jahr um 11 Uhr 193'000 Fahrgäste in die Bahnen der Hauptstadt strömten, waren es 2009 zur gleichen Uhrzeit 513'000. Am Samstag zum Zeitpunkt des Frauen-Marsches seien es um 11.00 Uhr 275'000 Fahrgäste gewesen.

Trump hat seit langem ein angespanntes Verhältnis zu den Medien. Mehrfach hat er ihnen im Wahlkampf vorgeworfen, falsch über ihn zu berichten. Monatelang gab er keine Pressekonferenzen, sondern wandte sich bevorzugt über Twitter an die Öffentlichkeit.

Im Video: Das Statement von Sean Spicer in voller Länge

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Trump unterzeichnet Dekret gegen Obamacare

    Aus Tagesschau vom 21.1.2017

    Donald Trump hat die Arbeit als US-Präsident aufgenommen. Als erstes hat er eine Anordnung unterzeichnet, welche die Gesundheitsreform, die Obamacare, frontal angreift.