Türkei beendet Stillhalten gegenüber IS

Die Türkei wird schon bald gemässigte syrische Rebellen ausbilden, die gegen den IS und das Regime Assad kämpfen sollen. Unterstützt wird Ankara dabei von den USA. Damit engagiert sich die Türkei erstmals explizit gegen den IS. Dies dürfte auch die Terrorgefahr im Land erhöhen.

Ein Kämpfer der FSA beim Laden eines Granatwerfers Marke Eigenbau. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: FSA-Kämpfer sollen von der Türkei und den USA ausgebildet und bewaffnet werden. Reuters

Die USA und die Türkei haben sich nach monatelangen Verhandlungen darauf geeinigt, mehrere tausend gemässigte syrische Rebellen für den Kampf gegen IS-Dschihadisten und das Regime in Damaskus auszubilden und auszurüsten. Ein entsprechendes Dokument sei kürzlich unterzeichnet worden, sagte der türkische Aussenminister Mevlut Cavusoglu. Ein Sprecher der US-Botschaft bestätigte die Einigung.

Beginnen soll das Ausbildungsprogramm Ende März. Bis Ende des Jahres sollen die ersten Kämpfer einsatzbereit sein, wie das Pentagon mitteilte. Die Ausbildung von 2000 syrischen Kämpfern in der Türkei soll in der zentralanatolischen Stadt Kirsehir stattfinden. Weitere Ausbildungslager wollen die USA in Saudi-Arabien, Jordanien und Katar betreiben. Im ersten Jahr sollen mehr als 5000 Syrer geschult werden, innert drei Jahren insgesamt 15'000.

Primär gegen IS oder gegen Assad?

In den Verhandlungen stritten Ankara und Washington vor allem darum, wer genau unterstützt werden soll. Die Türkei will als erbitterter Gegner von Syriens Präsident Baschar al-Assad vor allem eine Stärkung jener Kräfte, die gegen Damaskus kämpfen. Erst in zweiter Linie sollen sie die Extremisten des sogenannten Islamischen Staats (IS) ins Visier nehmen.

Für Washington ist die Mission dagegen vor allem Teil des Kampfes gegen den IS, nicht primär gegen Assad. Cavusoglu sagte dazu, unterstützt würden Kräfte für den Kampf gegen den IS, gegen andere «Terrororganisationen und gegen das Regime».

Türkei wendet sich erstmals aktiv gegen IS

«Das ist eine Kursänderung», sagt der Journalist Thomas Seibert zu den türkischen Plänen. Er lebt und arbeitet in Istanbul. Die Türkei sei von ihrer bislang passiven Haltung im Kampf gegen den IS abgerückt und beteilige sich nun aktiver am internationalen Bündnis gegen die Terrormiliz.

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Türkei im Visier des IS?

Wie die Zeitung «Hürriyet» berichtete, plant der IS in der Türkei Anschläge auf Botschaften anderer Länder. Laut Geheimdienstkreisen sollen sich einige hochrangige IS-Kommandanten bereits im Land aufhalten, weitere 3000 Kämpfer der Terrormiliz warteten auf die Einreise in die Türkei. Sie sollen an der Schlacht um Kobane teilgenommen haben.

Mit dem Engagement könnte das nördliche Nachbarland Syriens nun in den Fokus der IS-Dschihadisten geraten. Bislang habe sich die Türkei gegenüber dem IS ruhig verhalten und etwa in die Schlacht um die in Nordsyrien gelegene Kurdenstadt Kobane nicht eingegriffen, stellt Seibert fest. Nun also sollen Syrer in der Türkei ausgebildet werden, um in den Kampf gegen den IS zu ziehen: «Das erhöht natürlich die Anschlagsgefahr in der Türkei.»

Sturz Assads als Ziel Ankaras

Langfristig gehe es der Türkei darum, den Einfluss über die Geschehnisse in Syrien nicht zu verlieren, so der Journalist. «Man versucht nun, einen Fuss in die Tür zu bekommen.» Das strategische Ziel Ankaras sei weiterhin der Sturz des Assad-Regimes, denn dieses ist in den Augen Ankaras die eigentliche Ursache am Chaos im Nachbarland. Der IS ist nach türkischer Lesart nur ein Symptom des Bürgerkriegs.