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International Türkei: Dutzende ranghohe Polizeibeamte geschasst

Die türkischen Behörden haben Medienberichten zufolge weitere 25 Polizeichefs entlassen. Sie reagieren damit auf die Korruptionsermittlungen gegen die Regierung. Ministerpräsident Erdogan beschuldigt das Ausland.

Legende: Video Türkischer Ministerpräsident Erdogan unter Beschuss abspielen. Laufzeit 00:56 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 22.12.2013.

Mit zahlreichen Entlassungen bei der Polizei dreht der Korruptionsskandal in der Türkei auch am Sonntag weiter. Gemäss Medienberichten sollen 25 weitere Polizeichefs entlassen worden sein. Damit steigt die Zahl der suspendierten oder versetzten Beamten auf 70. Die Zeitung «Hürriyet Daily News» spricht von einer «massiven Säuberungsaktion».

Der neue Polizeichef von Istanbul hat den Berichten zufolge als eine seiner ersten Massnahmen nach Amtsantritt Journalisten untersagt, die Dienststellen des Landes zu betreten.

«Ausländische Regierungen schuld»

In den vergangenen Tagen sind in der Türkei 24 Menschen – darunter drei Söhne von Ministern – als Teil der Korruptionsermittlungen festgenommen worden.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan gerät damit immer stärker unter Druck. Er beschuldigte am Samstag ausländische Regierungen, an einer Kampagne gegen seine Regierung beteiligt zu sein. Ähnliche Vorwürfe hatte Erdogan im Zusammenhang mit den landesweiten Protesten gegen seine Regierung im Sommer erhoben.

Kritiker verdächtigen die Regierung, die Ermittlungen behindern zu wollen. Bei den Untersuchungen geht es unter anderem um Schmiergeldzahlungen, illegale Baugenehmigungen und Geldwäsche.

Demonstranten halten Plakate
Legende: Demonstranten protestieren gegen die Regierungspartei AKP und Ministerpräsident Erdogan. Reuters

Polizei setzt Wasserwerfer ein

Der Korruptionsskandal erschüttert die Türkei seit Dienstag, als bei Grossrazzien in Istanbul und Ankara mehr als 50 Menschen festgenommen wurden. In Istanbul und der Hauptstadt Ankara kam es am Wochenende zu Demonstrationen gegen Korruption und gegen Bauprojekte der Regierung.

Türkische Medien berichteten, in Istanbul habe die Polizei am Sonntag Tränengas und Wasserwerfer gegen Demonstranten eingesetzt.

Ermittlungen ein Angriff Gülens?

In der Türkei werden die Korruptionsermittlungen weithin als Angriff der Bewegung des in den USA lebenden türkischen Predigers Fethullah Gülen auf die Erdogan-Regierung gewertet. Gülen wird grosser Einfluss innerhalb der Polizei und Justiz nachgesagt.

Zwischen der mächtigen Gülen-Bewegung und Erdogan-Anhängern schwelt seit Wochen ein Konflikt, der das islamische Lager spaltet. Gülen hat jede Verantwortung für die Razzien zurückgewiesen. Er kritisierte nach Angaben der Gülen-Zeitung «Today's Zaman» zudem die Amtsenthebungen bei der Polizei.

«Diejenigen, die den Dieb nicht sehen, sondern diejenigen verfolgen, die versuchen, den Dieb zu fangen (...) – lass Gott Feuer auf ihre Häuser bringen», sagte Gülen dem Blatt zufolge in einer Videobotschaft. Gülen beklagte demnach zugleich einen «asymmetrischen Angriff» auf seine Bewegung, der das Ziel habe, diese zu vernichten.

Ministersöhne im Fokus

Ein Istanbuler Gericht verhängte gestern Untersuchungshaft gegen die Söhne mehrerer Minister. mehr

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3 Kommentare

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  • Kommentar von A. Holenstein, Cross'n'Star
    Darum passt die Türkei optimal zur EU! Wo man hinsieht, nur Korruption und Misswirtschaft!
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Es wäre zu schön, wenn es diesem brandgefährlichen Islamisten Erdogan ("Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.") und seiner Regierung endlich den Ärmel reinnehmen würde. Was dieser skrupellose, aggressive Möchtegern-Kalif in der Türkei nun schon seit Jahren abzieht, ist jenseits von Gute und Böse!
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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Die gleichen Polizeibeamten, Staatsanwälte und Richter, die ohne viel Federlesens mit exzessiven Methoden gegen die Gezi-Demonstranten vorgegangen waren, sind nun auf der Entlassungs- und Verhaftungsliste von Erdogan, weil sie gegen die allgegenwärtige Korruption vorgehen. So ändern sich die Zeiten, und bald werden sie mit den erst kürzlich von ihnen Abgeurteilten die Zellen teilen.
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