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Giftgasangriff in Syrien Türkei findet Hinweise auf Sarin

Eine Untersuchung der Opfer des mutmasslichen Chemiewaffen-Einsatzes in Nordsyrien hat laut der Türkei Hinweise auf das Nervengas Sarin ergeben. Bei dem Angriff starben 86 Menschen.

Legende: Video Nur Schuldzuweisungen nach Giftgasangriff abspielen. Laufzeit 01:01 Minuten.
Aus News-Clip vom 06.04.2017.
  • Erste Analysen lassen darauf schliessen, dass die Opfer des Luftangriffs in Chan Scheichun am Dienstag dem chemischen Kampfstoff Sarin ausgesetzt gewesen waren.
  • Dies teilte der türkische Justizminister mit.
  • Bei dem Angriff auf die von Rebellen kontrollierte nordsyrische Kleinstadt hatte es laut Aktivisten mindestens 86 Tote gegeben. Nach UNO-Angaben sind unter den Toten mindestens 27 Kinder.

Das türkische Gesundheitsministerium teilte mit, 31 Verletzte des Angriffs würden in der Türkei behandelt, drei von ihnen seien gestorben. Diese Toten seien in Gegenwart von Vertretern der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) in Adana untersucht worden. Dabei seien Hinweise auf Sarin gefunden worden.

Schon zuvor hatte der türkische Justizminister Bekir Bozdag von Hinweisen auf den Einsatz von Chemiewaffen bei dem Angriff gesprochen. Er machte die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad verantwortlich. Die Regierung in Damaskus wies aber jede Verantwortung zurück.

Damaskus: Rebellenlager beschossen

Aussenminister Walid al-Muallim schloss sich der Darstellung des syrischen Verbündeten Russland an, wonach der Kampfstoff bei einem Luftangriff der syrischen Regierungstruppen auf ein Lager der Rebellen austrat, in dem sie Chemiewaffen für einen Einsatz im Irak lagerten.

Sarin gehört zu den chemischen Kampfstoffen, die unter die Vereinbarung fallen, in der Damaskus im September 2013 auf Druck der USA zugesagt hatte, sämtliche Chemiewaffen unter Aufsicht der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) ausser Landes zu bringen und dort zu zerstören. Die Operation wurde im Januar 2016 offiziell abgeschlossen.

Nach UNO-Untersuchungen haben im Syrien-Konflikt sowohl die Regierung von Machthaber Baschar al-Assad als auch die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) bereits Giftgas eingesetzt.

Für Kreml «monströses Verbrechen»

Am Donnerstag nannte der Kreml den Angriff in Chan Cheichun ein «monströses Verbrechen». Die Vorwürfe vor allem westlicher Staaten gegen Damaskus basierten jedoch nicht auf objektiven Fakten.

Präsident Wladimir Putin warnte vor vorschnellen Schuldzuweisungen an wessen Adresse auch immer. Das sei unannehmbar. Erst müsse es eine «sorgfältige und unvoreingenommene internationale Untersuchung» geben. Die USA und andere westliche Regierungen werfen der Regierung in Damaskus vor, für den Angriff verantwortlich zu sein.

Merkel spricht von «Schande»

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel kritisierte Russland wegen der Blockade einer UNO-Sicherheitsratsresolution zum Giftgas-Angriff in Syrien scharf. Ohne Moskau direkt zu nennen, sagte die Kanzlerin: «Es ist eine Schande, dass keine Sicherheitsratsresolution zustande kommt. Und hier müssen gerade diejenigen, die sich verweigern, überlegen, welche Verantwortung sie damit auf sich nehmen.»

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Klaus Kreuter (Klaus Kreuter)
    Frau Casagrande - SARIN wird in der Türkei produziert. Lüders konnte nachweisen dass die Türkei diesen Kampfstoff an Al-Nusra geliefert hat. Die Türkei will unter allen Umständen einen Kurdenstaat verhindern. Der Redakteur der vieles herausfand ist nun im Asyl in Deutschland. Noch Fragen?
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  • Kommentar von Hans Fürer (Hans F.)
    Syrien beklagt sich über 2 zivile Tote nach dem US-Angriff auf die Luftwaffenbasis, und was ist denn mit den 86 Toten im kürzlichen Giftgasangriff? Ob diese Opfer wirklich auf getroffene Giftgaslager von mutmasslichen Terroristen zurückzuführen sind, wäre ja leicht herauszufinden, wenn Assad eine neutrale Untersuchung zulassen würde.
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    1. Antwort von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
      Das betroffene Gebiet wird von der syrischen Al-Qaida namens Tahrir al-Sham kontrolliert welche von der USA zur Terrorgruppe erklärt und bereits von der USA angegriffen wurde; Assad hat keine Macht über dieses Gebiet. Die syrische Al-Qaida mit 50% ausländischen Kämpfern feiert bereits in den sozialen Medien denn die Saudis wollen ja den Nachfolger Assads auch gleich selber bestimmen. Die Syrer haben dazu nichts zu sagen.
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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Es würde mich nicht wundern, wenn in allen grösseren Munitionsdepots der Terroristen zusätzlich auch eine Minimalmenge chemischer Kampfstoffe herumliegen. Damit ist gewährleistet, dass bei jedem erfolgreichen Angriff auf ein Munitionsdepot eine genügend grosse Menge chemische Kampfstoffe freigesetzt werden, damit es wenigstens einige Dutzend Opfer gibt und anschliessend die ganze westliche Welt brüllt: "Stoppt diesen elend brutalen Diktator, der sein eigenes Volk mit Giftgas tötet!"
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