Türkische Telekom bestätigt Twitter-Sperre

Erst droht der türkische Ministerpräsident Erdogan, Twitter «mit der Wurzel» auszureissen. Wenig später häufen sich Berichte über Zugangsprobleme. Nun bestätigt die türkische Telekom die Twitter-Sperre.

Porträt des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die sozialen Netzwerke sind dem türkischen Premier Recep Tayyip Erdogan schon lange ein Dorn im Auge. Keystone

Twitter ist dem türkischen Premier Recep Tayyip Erdogan schon lange ein Dorn im Auge. Jetzt hat er den Zugang zum Kurznachrichtendienst offenbar blockieren lassen. Das berichten die Zeitung «Hürriyet» und zahlreiche türkische Twitterer, die den Dienst in der Nacht zum Freitag nicht mehr erreichen konnten. Wenig später bestätigte dann auch die türkische Telekombehörde BTK die Sperre des Kurznachrichtendienstes im Land.

Beim Aufrufen der Website stiessen einige Twitter-Nutzer auf die Mitteilung, Twitter sei auf eine gerichtliche Verfügung hin blockiert worden. Die Mitteilung stammt offenbar von den türkischen Behörden. Twitter wollte den Berichten nachgehen.

Twitter ist in der Türkei deshalb so wichtig, weil fast 40 Prozent der Internetnutzer ein Konto auf der Kommunikationsplattform besitzen. Damit gehört die Türkei zu den Ländern, mit der weltweit höchsten Twitter-Dichte.

Soziale Medien «mit der Wurzel ausreissen»

Zusatzinhalt überspringen

Reaktionen auf die Zensur

Karrikatur des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan.

Die Twitter-Zensur löste Häme in der Netzcommunity aus. Unzählige Nutzer wehren sich mit bissigen Kommentaren und Karrikaturen gegen den türkischen Ministerpräsidenten.

Wenige Stunden zuvor hatte Erdogan vor Tausenden Anhängern seine Drohungen gegen soziale Medien drastisch verschärft. «Twitter und solche Sachen werden wir mit der Wurzel ausreissen. Was die internationale Gemeinschaft dazu sagt, interessiert mich überhaupt nicht.»

Anschliessend veröffentlichte Erdogans Büro eine Mitteilung, in der Twitter vorgeworfen wurde, gerichtliche Verfügungen zur Entfernung von bestimmten Links nicht umzusetzen.

Twitter wurde von türkischen Regierungsgegnern immer wieder zur Organisation von Protesten genutzt. Zudem laden sie seit Wochen Telefonmitschnitte im Netz hoch, die Erdogan vor wichtigen Wahlen in Bedrängnis bringen. Die Zugangslinks dazu werden auch über Twitter verbreitet.

Bislang ist unklar, wie flächendeckend die Zugangsprobleme in der Türkei sind. Gleichwohl lösten die Unterbrechungen einen Sturm der Entrüstung aus.

Tweets zur Blockade in der Türkei