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International Über eine Million Syrer auf der Flucht

Mehr als eine Million Syrer sind vor dem Bürgerkrieg ins Nachbarland Libanon geflohen. Das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR spricht von einem «katastrophalen Rekord».

Legende: Video Über eine Million Syrische Flüchtlinge im Libanon abspielen. Laufzeit 02:59 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.04.2014.

Die Zahl der im Nachbarland Libanon registrierten Flüchtlinge aus Syrien ist auf mehr als eine Million gestiegen. Dies teilte das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit. Die Organisation spricht von einem «katastrophalen Rekord». Der Vorrat an Hilfsgütern gehe immer weiter zurück und auch die Bevölkerung des Libanon habe eine Belastungsgrenze erreicht.

Frauen und Kinder vor einem weissen Zelt.
Legende: Den syrischen Flüchtlingen im Libanon dienen nur notdürftige Zelte als Dach über dem Kopf. Keystone

Jeder Fünfte ist ein Flüchtling

Die Zahl der im Libanon lebenden syrischen Flüchtlinge entspricht den Angaben zufolge einem Viertel der einheimischen Bevölkerung. Im Pro-Kopf-Vergleich lebten in keinem anderen Land der Welt so viele Flüchtlinge, so das UNHCR. Als kleines Land, das auch noch andere Probleme habe, gerate der Libanon dadurch ins Wanken.

Konkurrenz für die Libanesen

«Es ist überraschend, wie gut der Libanon diese Flüchtlinge verkraftet hat», sagt NZZ-Korrespondent Jürg Bischoff gegenüber SRF. Allerdings: Je länger diese Situation andauere, desto schwieriger werde es für das Land.

So würden die Syrer die Libanesen auf dem Arbeitsmarkt stark konkurrenzieren. «Die Syrer arbeiten auch für weniger Lohn als die Libanesen», so Bischoff. Auch die libanesische Infrastruktur wie Spitäler würden von den geflüchteten Syrern beansprucht, was unter den Libanesen zu immer stärkerem Unmut führe.

Hilfe aus dem Ausland bleibt aus

Besonders viele Flüchtlinge aus Syrien gebe es im Osten und Norden Libanons. Diese Flüchtlinge stünden meist den syrischen Rebellen nahe, die Libanesen dieser Gegenden seien aber eher auf Seite des syrischen Regimes. «Das bringt in der ganzen Region eine grosse Spannung», so der Korrespondent.

Um zu verhindern, dass der Libanon noch stärker in den Sog des syrischen Bürgerkrieges gerate, wäre es wichtig, dass die Regierung von anderen Staaten unterstützt würde, sagt der Mann in Beirut. «Es geht um die Stabilität des Landes». Leider aber bleibe diese Unterstützung aus.

Millionen wurden aus ihrer Heimat vertrieben

Im syrischen Bürgerkrieg wurden seit Frühjahr 2011 Schätzungen zufolge mehr als 140'000 Menschen getötet. Insgesamt flohen mindestens 2,5 Millionen Syrer ins Ausland. Neben dem Libanon fanden die meisten Zuflucht in der Türkei, in Jordanien und im Irak. Weitere 9,3 Millionen Menschen sind in Syrien selber auf Hilfe angewiesen.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    "die Bevölkerung des Libanon habe eine Belastungsgrenze erreicht" Der Libanon hat ca. 4,5 Millionen Einwohner, wobei Christen und Muslime etwa gleich viele Einwohner stellen. Regierungs- und Beamtenposten werden im Libanon aufgrund der Konfessionszugehörigkeiten vergeben. Da die allermeisten syrischen Flüchtlinge Muslime sind, dürften sich die Christen inzwischen massiv bedroht fühlen in ihrer Existenz im Libanon.
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  • Kommentar von Albert Planta, Chur
    Dank dem Zauderer Obama und dank dem machtsüchtigen Putin treibt der blutrünstige syrische Diktator immer noch sein Unwesen.
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    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      A.P./Ah ja?Das sollen tatsächlich die allein Verantwortlichen sein?Dann müssten also nur die Hauptakteure ausgewechselt werden,und die Lösung wäre in Sicht.Ganz ohne Blutvergiessen,versteht sich.So viele hochintelligente,selbsternannte Alpha-Elite-Akteure sind da am Werk und so grossartige Resultate ersichtlich.Da kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus.Falsche Bescheidenheit wäre da tatsächlich fehl am Platz.
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    2. Antwort von Marcel Chauvet, Weißenstadt
      @Käser: Ohne Putin-RUS als Veto-Macht in der UNO hätte man mittlerweile Assad als Hauptunruhestifter ausschalten können, was zu einer erheblichen Beruhigung in diesem Krisengebiet geführt hätte. Ich bin zwar kein Freund von Interventionen wie beispielsweise in Libyen, aber bei einer derartig gigantischen Tragödie, die Millionen von Menschen erfasst hat, geht es wohl nicht anders.Putin-RUS ist Assad-Syriens mit Abstand wichtigster Rüstungslieferant und sorgt dafür, dass dort keine Ruhe einkehrt.
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    3. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Erinnere mich gut an Obama und seine Rede betreffend des Syrien-Konflikt lange VOR der Kiew-Krise: " Die rote Linie ist überschritten." Weshalb wurde nichts getan? Weshalb wartet man immer solange zu (dito Hussein, Hitler & Co) & zuerst müssen tausende von Menschen sterben? Weil mit Kriegen viel Geld zu verdienen ist. Haben dann alle Grossmächte ihre "Tücher im Trockenen", gelingt es plötzlich & rasch einen Machthaber auszuschalten.
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    4. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Nein, Dank der Rüstungsindustrie! Wenn man diesen Diktator wirklich ausschalten wollte, hätte man es längst getan. Erinnere an andere Diktatoren, wo man lange Zeit auch nur zugeschaut & viele Tote & Flüchtlinge billigend in Kauf genommen hat.
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Ist ja auch kein Wunder, wenn man bedenkt, dass der Westen zusammen mit den Golfstaaten Katar und Saudi Arabien diese fürcherlichen Kopfabschneid-Jihadisten von al-Nusra bis ISIS, die heute Syrien terrorisieren und die Leute vertreiben, mit Geld und Waffen unterstützt (hat). Nichts gelernt aus dem Debakel in Libyen, wo der Diktator unbedingt weg musste, und man die viel schlimmeren Islamisten an die Macht putschte. Heute versinkt das vormals reichste afrikanische Land im Chaos.
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