Angriff auf Kurdenmilizen Über zwanzig Tote bei Luftwaffenangriff der Türkei

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Bildlegende: Die Türkei hatte in den Syrien-Konflikt eingegriffen, um den IS zu bekämpfen und die YPG in Schach zu halten. Keystone/Archiv

  • Die türkische Luftwaffe hat Stellungen von Kurdenmilizen in Syrien und dem Irak angegriffen.
  • Beim Angriff sind gemäss mehrerer Quellen mehr als 20 Menschen getötet worden.
  • Von den Toten sind 18 Mitglieder der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) und fünf Mitglieder der kurdischen Peschmerga.
  • Ankara stuft die YPG als Terrororganisation ein, weil sie als syrischer Ableger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gilt.
  • Die USA verurteilen die türkischen Angriffe scharf.

Jets hätten die mit den USA verbündete Kurden-Miliz YPG sowie die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK bombardiert, meldet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die USA verurteilen das türkische Vorgehen scharf.

Die Angriffe seien weder mit den USA noch mit der Anti-IS-Koalition in Syrien und im Irak abgesprochen gewesen, sagte ein Sprecher des US-Aussenministeriums in Washington. Er rief Ankara dazu auf, alle militärischen Schritte mit den Partnern zu koordinieren. Dies sei schon allein nötig, um die Sicherheit der Koalitionskräfte zu gewährleisten.

YPG führt IS-Offensiven

Die YPG ist in Syrien wichtigster Partner des Westens im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Jets der US-geführten internationalen Koalition unterstützen eine von der YPG angeführte Offensive auf die IS-Hochburg Al-Rakka. Die Miliz kontrolliert im Norden Syriens zudem grosse Teile der Grenze zur Türkei. Ankara sieht in der Kurdenmiliz einen Ableger der PKK und bekämpft sie deshalb.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte kamen im Nordosten Syriens 15 YPG-Kämpfer und drei Mitarbeiter eines Medienzentrums der Miliz ums Leben. Bei den Luftangriffen auf die PKK im nordirakischen Sindschar-Gebirge seien zudem versehentlich fünf kurdische Peschmerga-Kämpfer ums Leben gekommen, teilte ein Peschmerga-Kommandeur mit.

PKK-Anschläge in Südosttürkei

Von den angegriffenen Regionen aus kämen Terroristen in die Türkei und brächten Waffen und Sprengstoff ins Land, rechtfertigten die türkischen Streitkräfte den Angriff. Diese Terroristen verübten Anschläge in der Türkei. Zuletzt sei das bei einem Anschlag auf eine Polizeistation in der südosttürkischen Kurdenmetropole Diyarbakir der Fall gewesen, bei dem vor zwei Wochen drei Menschen getötet worden waren. Dazu hatte sich die PKK bekannt.

Bei mutmasslichen PKK-Anschlägen in der Südosttürkei wurden am Dienstag insgesamt mindestens fünf türkische Soldaten getötet, wie die staatliche Nachrichtenagentur meldete. In den Provinzen Sirnak, Bitlis und Kars seien Sprengfallen gezündet worden. Bei Gefechten in den südosttürkischen Provinzen Sirnak und Hakkari seien insgesamt 13 PKK-Kämpfer getötet worden.