Uefa-Präsident Platini tritt nach Urteil zurück

Der Präsident der Uefa, Michel Platini, bleibt gesperrt. Der Internationale Sportgerichtshof CAS reduzierte allerdings die vom Fussball-Weltverband verhängte Sperre von sechs auf vier Jahre. Nach dem Urteil gab der Franzose seinen Rücktritt bekannt.

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Platini kündigt seinen Rücktritt an

1:13 min, aus Tagesschau am Mittag vom 9.5.2016

Michel Platini ist mit seinem Rekurs vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS gescheitert. Das Sportgericht reduzierte die Sperre für den Franzosen zwar von sechs auf vier Jahre. Der von Platini erhoffte Freispruch blieb jedoch aus.

Damit dürfte die Karriere des Franzosen als Fussballfunktionär beendet sein. Nach dem Urteil des CAS teilte der ehemalige Fussballstar in einer persönlichen Erklärung seinen Rücktritt mit.

«Ich nehme die Entscheidung des CAS zur Kenntnis, erachte sie allerdings als grosse Ungerechtigkeit. Die Dauer der Sanktion verhindert es auch, bei der nächsten Wahl zum Präsidenten der Fifa zu kandidieren», teilte Platini über seinen Anwalt mit.

Zugleich kündigte er an, vor Schweizer Zivilgerichten gegen das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs vorgehen zu wollen. «Wie mit den nationalen Verbänden vereinbart, trete ich von meinem Amt zurück, um nun vor den Schweizer Gerichten den Kampf für Gerechtigkeit voranzutreiben.»

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Vorerst kein Interimspräsident

Die Uefa will vorerst keinen Interims-Nachfolger für Michel Platini berufen. Das Exekutivkomitee der UEFA werde sich am 18. Mai in Basel treffen, um über die nächsten Schritte und den Zeitplan für einen Wahlkongress zu beraten, teilte der Verband mit. Derzeit führt der spanische Vize-Präsident Angel Maria Villar Llona die Geschäfte.

Zahlungen in Millionenhöhe

Begonnen hatte die Affäre mit einer dubiosen Millionenzahlung des damaligen Fifa-Präsidenten Sepp Blatter an Platini. Nach monatelangen juristischen Scharmützeln setzte der gesperrte Uefa-Chef Michel Platini alle Hoffnungen in das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs.

«Die Kammer ist nicht überzeugt von der Rechtmässigkeit der Zahlung», hiess es in einer Mittleung des CAS zum Urteil. Zudem soll Platini von der Verlängerung eines Altersvorsorge-Plans profitiert haben, «zu der er nicht berechtigt war».

Die Kammer halte eine lange Sperre «im Lichte der Spitzenfunktion von Herrn Platini, der Abwesenheit jeglicher Reue und des Einflusses dieser Sache auf den Ruf der Fifa» für gerechtfertigt. Die Entscheidung der Richter sei einstimmig erfolgt.

Blatters Fall soll zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Monat vor dem CAS verhandelt werden. Das Urteil gegen Platini ist aber ein Indiz, in welche Richtung der Entscheid es Gerichts im Fall Blatter gehen könnte. Auch wenn Sepp Blatters Rolle und sein Verschulden gesondert geprüft werden, ist nun nicht mehr mit einem Freispruch zu rechnen.

Michel Platini. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Michel Platini bleibt für vier Jahre gesperrt. Keystone/Archiv

Andere sind auch schon gestolpert

Die Uefa wird einen Nachfolger suchen müssen. Das Feld möglicher Kandidaten ist offen. Es ist gut denkbar, dass die grossen Nationalverbände aus Deutschland oder England einen Kandidaten aufstellen werden. Diese haben in der Vergangenheit immer wieder für eine saubere Politik plädiert und mehr Transparenz gefordert.

Der ehemalige Präsident des Deutschen Fussball-Bundes, Wolfgang Niersbach, war so ein Kandidat. Er musste allerdings wegen undurchsichtigen Geschäften im Zusammenhang mit der WM-Vergabe nach Deutschland 2006 zurücktreten.

Chronologie der Affäre Platini

29. Juli 2015: Platini erklärt seine Kandidatur für das Amt des Fifa-Präsidenten.
25. September: Die Schweizer Justiz eröffnet ein Strafverfahren gegen Fifa-Chef Joseph Blatter wegen eines fragwürdigen Millionen-Deals mit Platini aus dem Jahr 2011. Blatter wird am Verbandssitz vernommen, sein Büro durchsucht. Platini wird als Auskunftsperson befragt. Laut Blatter und Platini handelte es sich um eine verspätete Honorarzahlung für Platinis Fifa-Arbeit in den Jahren 1998 bis 2002.
7. Oktober: Die Ethikkommission sperrt Blatter und Platini vorläufig für 90 Tage.
18. November: Die Berufungskommission lehnt die Einsprüche von Blatter und Platini gegen ihre Suspendierungen ab.
20. November: Platini ruft den Internationalen Sportgerichtshof CAS an und verlangt eine vorläufige Aufhebung seiner Suspendierung.
23. November: Fifa-Ethik-Richter Hans-Joachim Eckert eröffnet offiziell ein Verfahren gegen Blatter und Platini. Lebenslange Sperren sind im Gespräch.
6. Dezember: Eine französische Zeitung berichtet von einem internen Uefa-Report, der auf einen Vertrag Platinis über Tätigkeiten für die Fifa hindeuten könnte. Sein Anwalt sieht darin einen entlastenden Beweis. Experten bezweifeln die Darstellung.
9. Dezember: Platini sagt vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS aus.
11. Dezember: Der CAS bestätigt die 90-Tage-Sperre für Platini. Die provisorische Suspendierung darf aber nicht verlängert werden.
18. Dezember: Platini erscheint wie angekündigt nicht zur Anhörung der Fifa-Ethikhüter. Er fühlt sich vorverurteilt. Seine Anwälte verlangen einen Freispruch.
21. Dezember: Die Ethik-Kommission der Fifa sperrt Blatter und Platini jeweils für acht Jahre.
7. Januar 2016: Platini zieht seine Bewerbung für das Präsidentenamt der Fifa zurück.
24. Februar: Die Fifa-Berufungskommission reduziert die Sperren gegen Platini und Blatter von acht auf sechs Jahre, weist die Einsprüche aber zurück.
2. März: Platini legt Einspruch beim CAS gegen die Sperre ein.
8. März: Französische Beamte durchsuchen in der Affäre um Blatter und Platini das Büro des französischen Fussball-Verbandes FFF in Paris und beschlagnahmen Dokumente.
29. April: Der CAS verhandelt über Platinis Einspruch. «Jetzt muss die Wahrheit auf den Tisch kommen und Gerechtigkeit gesprochen werden», sagt der Franzose.
2. Mai: Die Uefa-Exekutive beruft eine Sondersitzung für eine mögliche Regelung der Platini-Nachfolge ein.