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International «Ukip zieht die Verlierer an»

Bad News für den britischen Premier Cameron: Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats könnte ein abtrünniger Torie einen Sitz für die rechtspopulistische Ukip gewinnen. Was macht die Partei so attraktiv?

Legende: Video Grossbritannien: Ukip-Nationalisten im Hoch abspielen. Laufzeit 03:35 Minuten.
Aus 10vor10 vom 18.11.2014.

Der britische Premier David Cameron hat Sorgen: Bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Monats könnte ein abtrünniger Parteikollege einen Parlamentssitz gewinnen – für die rechtspopulistische Bewegung Ukip. Der Überläufer hat gute Chancen, bei der Nachwahl fürs britische Unterhaus im Bezirk Rochester den Sitz für Ukip zu erobern. Für etablierte Parteien und Politiker wird die Situation immer ungemütlicher.

Rochester ist eine Kleinstadt östlich von London. Normalerweise sagen sich hier Fuchs und Hase gute Nacht; dieser Tage sagen sich Wähler und Politiker die Meinung. Am aktivsten wirbt die Ukip um die Gunst der Wähler.

Angst vor Einwanderern

Anführer der Ukip ist Nigel Farage. Der Chef der Rechtspopulisten führt die Partei von einem Erfolg zum nächsten: Douglas Carswell ist kürzlich ins Parlament gewählt worden, nun soll es ihm Marc Reckless in Rochester gleichtun.

Reckless kritisert die EU, redet gegen die Zuwanderung. Das kommt bei vielen gut an. Nicht wenige Wähler fühlen sich von den Immigranten bedroht. Sie haben das Gefühl, die etablierten Parteien machten zu wenig in diesem Bereich. Entsprechend gross ist der Zulauf zur Ukip. Seit vier Jahren legt die Partei in Umfragen kontinuierlich zu, von gerade mal 2 auf derzeit 19 Prozent.

«Ukip zieht die Verlierer an»

Politologe Mathew Goodwin hat das Phänomen Ukip und deren Wähler eingehend analysiert. Er spricht von ihnen als die «Zu-kurz-Gekommenen».

«Das sind Menschen, die nicht das Einkommen und die Fähigkeiten haben, um sich mit der globalen Wirtschaft messen zu können. Sie sind sehr euroskeptisch und migrationsfeindlich», so Goodwin. Zudem seien die Ukip-Anhänger wütend auf das Polit-Establishment, das ihrer Meinung nach zu wenig gegen die sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen tut.

Kritik: Nahe am rechtsextremen Gedankengut

Der Vorwurf, latent rassistisch zu sein, verfolgt die Partei. Ukip-Kandidat Marc Reckless hat damit aber kein Problem: «Das ist überhaupt nicht wahr. Wir wollen keine Rassisten bei uns. Wir sind einfach gegen zu viel Einwanderung aus Ost- und Südeuropa und würden gerne einfach nur jene Migranten aufnehmen, die wir brauchen, aus aller Welt.»

Meinungsforscher sehen Reckless als klaren Favoriten der Abstimmung. Sollte der Ukip-Mann das Mandat holen, wäre das ein weiterer schwerer Schlag für die Regierungspartei von Premierminister David Cameron.

In Grossbritannien stehen Anfang Mai Parlamentswahlen an. Meinungsforscher halten den Ausgang bisher für völlig unvorhersehbar.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Was für eine Überschrift! "Ukip zieht Verlierer an." Wie diskriminierend diese Aussage des Politologen Goodwin doch ist.
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  • Kommentar von Tom Rosen, Erlenbach
    Seit tausenden Jahren kämpften unsere Vorfahren um Freiheit & Wohlstand. Mit immerhin so viel Erfolg, dass wir doppelt so alt werden, unsere Kindersterblichkeit minimal ist, die Staatswillkür reduziert und die Religion eine eher persönliche Angelegenheit ist. Dafür starben hier dutzende Millionen. Und nun werden wir das gegen die verteidigen, die das nicht verstehen und trotzdem profitieren wollen. Auch wenn die in unserer Politik sitzen. In F und GB mit immer mehr "Erfolg".
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Dem britischen Polit-Etablishment geht der Arsch auf Grundeis! Jetzt müssen sie schon die Wähler als "Verlierer" titulieren, nur weil immer mehr Menschen dem alten Labour/Tory-Wechselspiel, das das Land an die Wand gefahren hat, nicht mehr länger aufsitzen. Go UKIP! Go Nigel Farage!
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