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Ukraine Tschernobyl-Anlage für Atommaterial getroffen

  • In der Nähe des ukrainischen Atomkraftwerks Tschernobyl hat eine russische Drohne ein Lager für abgebrannte Brennelemente getroffen.
  • Das teilt Energoatom mit, der staatliche Atomkonzern der Ukraine.
  • Die Strahlungslage sei weiterhin normal, heisst es.

Das Gebäude für die Annahme von Behältern sei bei dem Angriff in der Nacht teilweise zerstört worden, teilte Energoatom mit. Es sei dort kein abgebrannter Atombrennstoff gelagert worden.

Teilweise eingestürztes Gebäude mit blauer und gelber Fassade.
Legende: Bilder von Energoatom zeigen das Ausmass der Zerstörung nach dem Drohnenangriff. Energoatom/Handout via REUTERS

Ein Feuer habe sich auf einer Fläche von 40 Quadratmetern ausgebreitet; es sei gelöscht worden, teilte das Unternehmen weiter mit. In dem zentralen Lager in der Sperrzone um das vor 40 Jahren havarierte AKW Tschernobyl werden abgebrannte Brennelemente aus anderen ukrainischen Atomkraftwerken langfristig gelagert.

IAEA-Chef Grossi: Vorfall äusserst besorgniserregend

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) teilte mit, dass sie von ukrainischer Seite über die «erheblichen Schäden» an dem Gebäude informiert worden sei. Betroffen sind demnach die Fassade, die Fenster und Türen. Auch benachbarte Gebäude seien durch die Druckwelle in Mitleidenschaft gezogen. Ein IAEA-Team werde die Anlage in Kürze besuchen, um die Auswirkungen zu begutachten, teilte die Behörde mit.

Der Reaktorunfall von Tschernobyl 1986

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Warnschild mit Strahlungssymbol in einer Landschaft mit kahlen Bäumen und Gras.
Legende: APA/NINA MESITZ

Am 26. April 1986 war in der damaligen Sowjetrepublik Ukraine ein Test im AKW Tschernobyl ausser Kontrolle geraten, und es trat der grösste anzunehmende Unfall (GAU) ein. Radioaktive Wolken breiteten sich abgeschwächt bis nach Nord- und Westeuropa aus.

IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi erklärte bei X, der Vorfall sei äusserst besorgniserregend, da er sich in einer Liegenschaft ereignet habe, wo grosse Mengen an Atommaterial gelagert seien – nur wenige Meter vom angegriffenen Gebäude entfernt. Angriffe auf atomtechnische Anlagen seien völlig inakzeptabel und verstiessen direkt gegen zentrale Grundsätze der nuklearen Sicherheit während eines militärischen Konflikts, sagte Grossi.

Im Zuge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, der seit mehr als vier Jahren andauert, kam es bereits mehrfach zu Zwischenfällen auch an Atomkraftwerken. Besonders betroffen von den Kämpfen ist das AKW Saporischschja im Süden.

Selenski verurteilt Angriff

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hat Russland beschuldigt, gezielt das Lager für abgebrannte Brennelemente angegriffen zu haben. Er sprach von einem «ausserordentlich hinterhältigen russischen Angriff» und betonte, dass die zuständigen Ministerien und Dienste Kiews Partner über den Vorfall informiert hätten.

Selenski kritisierte Russland scharf und sprach von einer «Überschreitung der ohnehin schon himmelhohen Unverschämtheit». Ein Brand in der Anlage sei gelöscht worden, und es gebe keine Überschreitung der Strahlungsgrenzwerte. Der Vorfall wird voraussichtlich Thema eines Treffens in London sein, an dem Selenski, Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Grossbritanniens Premierminister Keir Starmer teilnehmen.

Selenski forderte die Weltgemeinschaft auf, entschlossen gegen Russland vorzugehen. Er berichtete von weiteren russischen Angriffen auf zivile Ziele in 13 Regionen der Ukraine in der Nacht. Seit Wochenbeginn habe Russland 88 Raketen, über 3'250 Kampfdrohnen und etwa 1'800 Gleitbomben eingesetzt. In der Region Saporischschja tötete eine russische Gleitbombe drei Menschen in einem Dorf.

SRF4 News, 07.06.26, 12 Uhr ; 

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