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Drohnenangriff in Starobilsk Putins Vorwürfe an die Ukraine – was steckt dahinter?

In seinem fünften Jahr dauert der russische Krieg gegen die Ukraine unvermindert weiter. Doch Russlands Präsident Wladimir Putin sagte kürzlich, ein Vorfall habe dem Konflikt «eine neue Qualität gegeben». Er meinte damit einen Drohnenschlag in der besetzten Ostukraine. SRF-Russlandkorrespondent Calum MacKenzie ordnet ein, was da passiert ist und warum Putin es hervorstreicht.

Calum MacKenzie

Russland-Korrespondent

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Calum MacKenzie ist Russland-Korrespondent von Radio SRF. Er hat in Bern, Zürich und Moskau Osteuropa-Studien studiert.

Um welchen Vorfall geht es?

Berichten zufolge starben Ende Mai 21 Menschen durch einen ukrainischen Luftangriff auf Starobilsk. Die Kleinstadt liegt in der ukrainischen Region Luhansk. Sie ist seit Beginn des Angriffskriegs im Februar 2022 von russischen Truppen besetzt.

Was sagen die beiden Seiten?

Die Ukraine teilt mit, sie habe eine russische Drohnen-Kommandozentrale getroffen. Russland sagt, die getroffenen Gebäude gehörten zu einer pädagogischen Hochschule und spricht von einem «ungeheuerlichen Verbrechen».

Was lässt sich gesichert sagen?

Unabhängige russische Medien berichten von Todesanzeigen und Gesprächen mit Angehörigen, die darauf hindeuten, dass die Getöteten tatsächlich Studierende waren. Direkt und vor Ort überprüfen lässt sich das allerdings nicht – es gibt keine unabhängige Untersuchung. Medien durften den Schauplatz nicht genau besichtigen. Die russische Darstellung weist auch Ungereimtheiten auf: So behauptet der Kreml, es seien Kinder ums Leben gekommen. Doch das widerspricht dem Bericht der Besatzungsbehörden und den öffentlich zugänglichen Informationen.

Wie steht es um zivile Opfer im Krieg?

Es ist nicht neu, dass Zivilpersonen bei ukrainischen Angriffen sterben. Aber das geschieht sehr viel weniger häufig, als bei Russlands Flächenbombardement. Die UNO berichtete Ende letzten Jahres, dass 97 Prozent der Zivilpersonen, die 2025 in der Ukraine getötet wurden, bei russischen Angriffen ums Leben kamen. 

Wie berichten russische Medien über diese Opfer?

Die Zivilistinnen und Zivilisten, die in ukrainisch kontrollierten Gebieten durch russische Angriffe sterben, kommen in den Kreml-Medien nicht vor. Aber auch tödliche Angriffe auf russischem Boden werden meist heruntergespielt – regelmässig sterben Menschen, etwa in der russischen Grenzregion Belgorod, bei ukrainischen Drohnenschlägen. In Moskau wurden jüngst zwei Personen bei einem Angriff auf ein Öllager getötet. Das fand kein grosses Medienecho: Der Kreml will nicht zu stark hervorheben, dass der Krieg nachhausekommt.

Warum fokussiert der Kreml auf den Angriff auf Starobilsk?

Die besetzte Ostukraine ist etwas anderes als das russische Kernland: Die Menschen dort werden seit Jahren von der russischen Propaganda als Opfer dargestellt, die befreit werden müssten – ganz egal, was sie eigentlich denken. Der Angriff in Starobilsk kommt Wladimir Putin gelegen: Millionen Russinnen und Russen sind des Krieges müde; der Kreml will sie daran erinnern, wofür sie angeblich kämpfen.

Person in Schutzanzug vor einem alten Gebäude mit roten Ziegeln und Bäumen.
Legende: Recherchen von unabhängigen russischen Medien lassen vermuten, dass beim ukrainischen Drohnenangriff tatsächlich Studierende getötet wurden. (24.5.2026) Reuters/Alexander Ermochenko

Was bedeutet das für die russische Kriegsführung?

Starobilsk nennt der Kreml auch als Vorwand für härtere Angriffe auf Kiew – wobei diese wohl ohnehin gekommen wären. Zu diesem Mittel greift Putin, wenn der militärische Sieg in die Ferne zu rücken scheint. An der Front kommt die russische Armee nämlich – zumindest momentan – nicht voran. 

Echo der Zeit, 03.06.2026, 18 Uhr ; 

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