Ukrainische Oligarchen: Wer sie sind und welche Rolle sie spielen

Der Sturz Viktor Janukowitschs im Februar 2014 hat auch die Rolle der Oligarchen beeinflusst. Während einige Akteure an Einfluss verloren, gewannen andere an Macht. Ein Blick auf die wichtigsten Oligarchen in der Ukraine.

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Bildlegende: Rinat Achmetow ist unter anderem Besitzer des Fussballklubs Schachtjor Donezk. Keystone

Rinat Achmetov

Der Oligarch stieg in den Wirren der 1990er Jahre zum Kopf des sogenannten Donezker-Clans auf – der regionalen Elite. Seine Holding «System Capital Management» beschäftigt etwa 300'000 Menschen. Das «Forbes Magazine» schätzt sein Vermögen auf 12,3 Milliarden Dollar (Stand 2012). Sein Hauptgeschäft ist die Schwerindustrie.

Unter Ex-Präsident Viktor Janukowitsch und dessen «Partei der Regionen» gewann er an politischen Einfluss. Bis zu Janukowitschs Sturz im Frühjahr 2013 galt er als dessen Förderer.

Doch danach verlor Achmetow an politischem Einfluss. «Achmetow sympathisierte anfänglich mit den ostukrainischen Separatisten», sagt Steffen Halling von der Stiftung für Wissenschaft und Politik in Berlin. Je mehr die Situation im Donbass ausser Kontrolle geriet, desto stärker habe er sich jedoch öffentlich vom Separatismus distanziert. In der Hafenstadt Mariupol – einem wichtigen Standort für Achmetows Stahlproduktion – liess er zur Unterstützung der Polizei Arbeitertrupps patrouillieren. Trotzdem: Achmetows Rolle bleibt ungewiss. Er profitierte bislang von der staatlich subventionierten Produktion im Donbass. Gleichzeitig ist er aber auf gute Wirtschaftsbeziehungen mit Russland angewiesen.

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Bildlegende: Ihor Kolomjskyj hat nach dem Sturz von Ex-Präsident Janukowitsch an Macht gewonnen. Nun ist er Gouverneur. Imago

Ihor Kolomojskyj

Der Geschäftsmann ist eng mit der Region Dniepropetrowsk, in der zentralöstlichen Ukraine verbunden. Die Stadt ist ein wichtiger Finanz- und Industriestandort der Ukraine. Über seine Gesellschaft «Privat Group» hält Kolomjskyj Beteiligungen im Bergbau, Stahlindustrie und in der Medienbranche.

Kolomojskyj ist es gelungen, sich mit sämtlichen Regierungen in der Vergangenheit zu arrangieren. Unter Janukowitsch verhielt er sich unauffällig. Durch die Ernennung zum Gouverneur der Region Dnjepropetrowsk hat er nach dem Sturz von Janukowitsch zusätzlich an Macht gewonnen. Im Gegenzug sorgte er dafür, dass die Region Dniepropetrowsk stabil geblieben ist. So soll er unter anderem ein eigenes Bataillon aufgestellt haben. Dieses soll zur inneren Sicherheit beitragen. Seine Truppen sind auch an Kampfhandlungen gegen die Separatisten beteiligt. Den russischen Präsidenten Wladimir Putin bezeichnete er auch schon als «schizophren und völlig krank».

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Bildlegende: Schwerreich: Das «Forbes Magazine» schätzt Viktor Pintschucks auf 4,2 Milliarden Dollar. Imago

Viktor Pintschuck

Pintschuck stammt aus Dniepropetrowsk. Der Oligarch ist der Schwiegersohn des zweiten ukrainischen Präsidenten Leonid Kutschma (1994 – 2005). Er gehörte zu Kutschmas engsten Vertrauten und profitierte ähnlich wie Achmetow besonders von der Privatisierung der Grossunternehmen ab dem Jahr 2000. Pintschuks Firma «Interpipe» – seit 2007 Teil seiner Unternehmensholding «EastOne» – ist vor allem in der Stahlindustrie aktiv. Die Holding ist in London registriert. Nach der Orangen Revolution zog er sich offiziell aus der Politik zurück. Er gehörte zwischen 1998 und 2006 unterschiedlichen Fraktionen des ukrainischen Parlaments an. Pintschuck tritt für die europäische Integration der Ukraine ein – auch wenn Russland ein für sein Unternehmen wichtiger Absatzmarkt ist.

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Bildlegende: Dmitro Firtasch unterstützte unter anderem Klitschkos Partei Udar. Keystone

Dmitro Firtasch

Auch er ist Geschäftsmann. Firtasch ist Mitbesitzer des Unternehmens «RosUkrEnergo». Das Unternehmen fungierte ab 2004 als Zwischenhändler für Gasimporte aus Zentralasien und Russland. 2006 bekam sie Exklusivrechte für den Import von Gas aus Russland. «Im Zuge des ‹Gaskrieges› 2009 verlor das Unternehmen diese Rechte wieder», sagt Steffen Halling. Nach der Wahl Janukowitschs zum Präsidenten 2010 profitierte er vor allem durch lukrative Lieferverträge für Industrieunternehmen. Firtasch soll Janukowitsch im Wahlkampf massgeblich unterstützt haben. Um sich gegenüber möglichen politischen Entwicklungen abzusichern, soll er politische Kräfte gefördert haben. Dazu gehört unter anderem auch Klitschkos Partei Udar.

Im Frühjahr 2014 wurde Firtasch auf Ersuchen der USA in Österreich verhaftet. Ihm wurde Bestechung vorgeworfen. Er wurde jedoch wenig später gegen eine Kaution von 150 Millionen Schweizer Franken freigelassen. Über seine Auslieferung in die USA wurde bislang nicht entschieden. Da Firtasch bedeutende Vermögenswerte auf der Krim besitzt, sieht er seine Verhaftung im Zusammenhang mit der russischen Annexion der Halbinsel. Vor der Wahl Poroschenkos zum Präsidenten soll es in Wien zu einem Treffen mit Firtasch gekommen sein. Beobachter in der Ukraine gehen davon aus, dass Firtasch Poroschenko Unterstützung zugesagt hat. Damit wollte er wohl seine Auslieferung in die USA zu verhindern.

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Bildlegende: Poroschenko gilt mit einem Vermögen von 1,3 Milliarden US-Dollar als eine der reichsten Personen der Ukraine. Reuters

Petro Poroschenko

Poroschenko wurde im Mai 2014 im ersten Wahlgang zum Präsidenten gewählt. Bekannt wurde der «Schokoladenkönig» durch seine Süsswarenfirma «Roshen». Er ist aber nicht nur im Süsswarengeschäft, sondern auch in der Automobilindustrie und der Landwirtschaft tätig. Poroschenkos Aufstieg nahm seinen Anfang in der Orangen Revolution. Sein TV-Sender 5. Kanal zählte damals zum einzigen Sprachrohr der Opposition. Nach Ende der Revolution gewann er politisch an Einfluss. Er konnte mehrere hochrangige Ämter bekleiden. Auch unter Janukowitsch leitete er kurzfristig das Wirtschaftsministerium. Die Proteste auf dem Maidan-Platz unterstützte er von Anfang an. Im Zuge seiner Wahl zum Präsidenten im Mai 2014 hat er angekündigt, seine Unternehmensbeteiligungen verkaufen zu wollen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Putin zu Ukraine-Krise

    Aus Tagesschau vom 18.12.2014

    Und auch hinsichtlich des Bürgerkriegs in der Ostukraine blieb er seiner Linie treu: Russland sei keine Kriegspartei und an einer politischen Lösung interessiert. Einschätzungen von Christoph Wanner aus Moskau.