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International «Ukrainische Protestbewegung von rechts unterwandert»

Rechte Gruppierungen beeinflussen die Protestbewegung in der Ukraine immer stärker. Oppositionspolitiker Vitali Klitschko steht der Entwicklung machtlos gegenüber. Ein Reportageteam der «Rundschau» war unterwegs zwischen Barrikaden und Nationalisten.

Legende: Video Ukraine: Die Rechte im Vormarsch abspielen. Laufzeit 11:00 Minuten.
Aus Rundschau vom 05.02.2014.
Der Maidan-Platz in Kiew.
Legende: Der Maidan-Platz in Kiew gilt als eigentliches Zentrum des Widerstandes. Reuters

«Sport-Gesundheit-Nationalismus» dieser Slogan prangt an der Wand des Hauptquartiers des «Prawji Sektor» dem «Rechten Sektor» in der der Hauptzentrale der ukrainische «Maidan»-Proteste. Für die sogenannte Maidan-Bewegung ist die Unterstützung durch die Nationalisten innerhalb der letzten zwei Monate immer wichtiger geworden.

Nach dem brutalen Durchgreifen der Polizei verteidigen Anhänger des «Rechten Sektors» die friedlichen Massen hinter den Barrikaden vor der Polizeigewalt. «Wir sehen uns in einem gewissen Sinn als Verteidigung der friedlichen Demonstranten. Wir sind Teil des Selbstverteidungssystems des Maidan», so der Sprecher von Prawji Sektor, Andrej Tarassenko gegenüber der «Rundschau» in Kiew. Tarassenko sagt weiter: «Wir sind nicht bereit für den Protest zu sterben, sondern für das ukrainische Volk. Wir sind Nationalisten und Christen.»

Radikalisierter Protest

Die von den Nationalisten an den Tag gelegte Radikalität ist für die Organisatoren der friedlichen Proteste auf dem Maidan kein Grund zur Besorgnis: «Es gibt keine Militarisierung vom Maidan. Verschiedene ausländische Botschafter haben hier alles untersucht, auch beim rechten Sektor und haben nichts Negatives gefunden. Und sowieso, was sind schon Eisenstangen gegenüber den automatischen Waffen der Spezialeinheiten der Polizei», sagt Stepan Kubiv vom Organisationskomitee des Maidans.

Für den grossen Zuwachs an nationalistischen Demonstranten macht der Politologe Denis Bogush den amtierenden Präsidenten Viktor Janukowitsch verantwortlich: «Er hat die Gesellschaft radikalisiert und das wiederum hat rechtsextremen Parteien wie Svoboda Auftrieb gegeben. Von dieser Ecke kommen heute die Leute vom »Rechten Sektor«, die den Maidan beeinflussen.»

Hilflose Opposition

Gegenüber der Radikalisierung der Bewegung scheinen die Oppositionsführer in der Ukraine hilflos. Für das Image der Proteste sind die Nationalisten denkbar schlecht. Sowohl im In- als auch im Ausland werden die Oppositionsführer dafür kritisiert, sich nicht klar von der Rechtsgruppierung zu distanzieren.

Die Extremisten auf den Barrikaden fühlen sich nicht durch Oppositionsführer wie Vitali Klitschko repräsentiert, wie ein Rundgang des «Rundschau»-Reporterteams zeigte. Ein führender Barrikadenaktivist sagt: «Solange es keine Neuwahlen gibt, werden wir hier bleiben. Die Opposition vertritt uns nicht. Keine Partei vertritt uns.» – «Klitschko haben wir weggeschickt, als er versuchte zwischen uns und der Polizei zu verhandeln.»

Laut der Opposition haben die Zusammenstösse in der Ukraine bisher acht Todesopfer und hunderte Verletzte gefordert. Mehrere Dutzend Personen werden vermisst.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von René Wagner, Möriken
    Die Hoffnung, dass ein Sieg der „Anständigen“ die Ukraine in eine bessere Zukunft führen würde, ist eine Fata Morgana. Die Anständigen der ersten Stunde wurden sehr schnell von den militanten Nationalisten und Antisemiten der Swoboda Fraktion abgedrängt. Der Führer der Swoboda Fraktion ist der berüchtigte Oleh Tjahnybok. Es muss leider davon ausgegangen werden, dass sich das Oppositionsbündnis nach einer allfälligen Machtergreifung blutigts bekämpfen wird.
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    1. Antwort von Iryna Wetzel, Thal
      Sehr geehrter Herr Wagner! Die blutigen Unruhen in der Ukraine wurden nie durch Swoboda organisiert oder unterstützt. Oleh Tjahnybok ist ein anständiger Mann und nicht mehr nationalistisch als alle anderen auf dem Maidan. Die Rundschau Reportage war sehr einseitig und hat das reale Bild auf dem Maidan nicht gezeigt. Bedauernswert!
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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Die Ukraine ist tatsächlich ein Teil Europas. Vor allem gibt es da ja noch Putin's Russland, das sollte man tunlichst nicht unterschätzen. Die heutigen Bilder aus der Ukraine können wahrlich auch für Europa alsbald sehr typisch sein, jedenfalls würde mich so eine Art von "Maidan"-Entwicklung heute nicht mehr wundern. Es gibt einfach keine Alternative zu einer "wirklichen, direkten Demokratie" mit unveräusserlichen demokratischen Rechten und Pflichten, demokratisch gewählte Diktaturen sind OUT !
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