Uli Hoeness zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt

Abpfiff für Uli Hoeness: Ein Gericht in München hat den FC-Bayern-Präsidenten zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Verteidigung kündigte bereits Revision an. Das Landgericht hat die Steuerschuld von Hoeness noch einmal nach oben korrigiert.

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Dreieinhalb Jahre Gefängnis für Hoeness

1:44 min, aus Tagesschau vom 13.3.2014

Uli Hoeness ist für seine millionenschwere Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Das Landgericht München sprach den Präsidenten des FC Bayern München in sieben Fällen schuldig. Seine Verteidiger kündigten Revision an. Die Staatsanwaltschaft hält sich dies offen.

Der 62-Jährige wurde nach dem Urteil nicht abgeführt. Der Haftbefehl aus dem Frühjahr 2013 bleibt weiter gegen eine Millionenkaution ausgesetzt.

Einschätzungen von SRF-Korrespondent Stefan Reinhart

1:47 min, aus Tagesschau vom 13.3.2014

«Missglückte Selbstanzeige»

«Ein Freispruch war zu keinem Zeitpunkt zu erwarten», erläuterte Richter Rupert Heindl bei seiner Urteilsbegründung. «Es ist keine missglückte Selbstanzeige, sondern eine unzureichende Selbstanzeige.» Für das Gericht war es allerdings kein besonders schwerer Fall der Hinterziehung, dann wäre die Strafe höher ausgefallen.

Hoeness hat dem Fiskus mit seinem Schweizer Geheimkonto mindestens 28,5 Millionen Euro an Steuern vorenthalten. Die neue, nochmals um mehr als eine Million Euro höhere Summe nannte Heindl. Er begründete den Anstieg mit dem Solidaritätszuschlag. Inklusive Zinsen wird Hoeness aber wohl noch viel mehr Geld an die Staatskasse zahlen müssen.

Verteidigung will Revision einlegen

Der 62-Jährige verliess nach der Urteilsbegründung wortlos den Gerichtssaal. Sein Anwalt Hanns Feigen blickte derweil schon auf die nächste Instanz.

SRF-Korrespondent Stefan Reinhart: «Die Anwälte von Hoeness werden alles versuchen, um ihn als Wohltäter darzustellen. In etwa neun Monaten kommt es vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe zur nächsten Verhandlung.»

FC Bayern kommuniziert am Freitag

Der FC Bayern gab zunächst keine Stellungnahme ab. Der deutsche Rekordmeister kündigte an, dass Präsidium, Verwaltungsbeirat und Aufsichtsrat «kurzfristig zu Beratungen zusammenkommen» würden. Die Öffentlichkeit solle «zeitnah» – aber nicht vor Freitag – über die Ergebnisse informiert werden, hiess es in einer Mitteilung des FC Bayern.

Dennoch wird es für den prominenten Fussball-Manager ziemlich eng, meint SRF-Korrespondent Casper Selg. Als verurteilter Steuersünder sei Hoeness weder als Aufsichtsratsvorsitzender noch als Präsident tragbar, glaubt Selg. Auch SRF-Korrespondent Stefan Reinhart geht davon aus, dass die Bayern-Präsidentschaft von Hoeness vorbei sein wird. «Die Bayern geben Hoeness vielleicht noch die Chance, eine Nacht darüber zu schlafen. Damit er dann aus freien Stücken von sich aus zurücktreten kann.»

Staatsanwalt forderte höhere Strafe

Das Gericht blieb deutlich unter der Forderung von Staatsanwalt Achim von Engel, der wegen eines besonders schweren Falles von Steuerhinterziehung für eine Haft von fünf Jahren und sechs Monaten plädiert hatte. Die Verteidigung hielt höchstens eine Bewährungsstrafe für angemessen, sollte das Gericht die Selbstanzeige als unwirksam erachten.

Prominente Steuersünder

Der Präsident des FC Bayern München ist nicht der erste prominente Fall von Steuerhinterziehung in Deutschland. Welche bekannten deutschen Persönlichkeiten in den letzten Jahren als Steuersünder entlarvt wurden, sehen Sie in der folgenden Bildergalerie.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Dreieinhalb Jahre Gefängnis

    Aus 10vor10 vom 13.3.2014

    Das Landgericht München hat den FC-Bayern-Präsident Uli Hoeness wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist wegweisend in Deutschlands Kampf um Steuerehrlichkeit.

  • So beurteilen Experten das Strafmass

    Aus Tagesschau vom 13.3.2014

    Hoeness hat dem Fiskus mit seinem Schweizer Geheimkonto über 28 Millionen Euro an Steuern vorenthalten. In der Schweiz hätte die Strafe ganz anders ausgesehen, sagt ein Experte.