Umstrittene Suche nach Erdöl vor den Kanaren

Die Probebohrungen nach Erdöl vor den Kanarischen Inseln beginnen trotz Protesten der lokalen Bevölkerung. Gegner des Projekts befürchten ein Ende des Tourismus, sollte ein Bohrunfall passieren.

Protestierende Menschen in T-Shirts, einige halten Schilder in die Luft. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Viele Inselbewohner sind gegen die Probebohrungen. So kam es am vergangenen Wochenende zu Protesten. Keystone

Der spanische Mineralölkonzern Repsol will heute mit der umstrittenen Erdölsuche bei den Kanarischen Inseln beginnen. Die Probebohrungen im Atlantik östlich der Inseln Lanzarote und Fuerteventura sollten etwa zwei Monate dauern, berichteten spanische Medien unter Berufung auf Unternehmenskreise. Die spanische Zentralregierung hatte die Bohrungen zuvor genehmigt.

Wahrscheinlichkeit für Fund gering

Repsol plane zurzeit zwei bis drei Probebohrungen, die bis in eine Tiefe von 6900 Metern reichen sollen, berichtet der Journalist Hans-Günter Kellner in Madrid. Das Bohrungsgebiet liegt rund 60 Kilometer östlich von Lanzarote, zwischen den kanarischen Inseln und Westafrika. Das Meer ist dort rund 600 Meter tief.

«Sollte Repsol dort tatsächlich Erdöl finden, verspricht die spanische Regierung den Bewohnern auf den kanarischen Inseln bis zu 5000 Arbeitsplätze», so Kellner. In diesem Fall würden demnach auch hunderte Millionen an Steuern pro Jahr an die Kanaren fliessen. Allerdings rechnet selbst Repsol nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 15 bis 20 Prozent, dass überhaupt Erdöl gefunden wird.

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Greenpeace-Protest

Im Bohrungsgebiet war es am Samstag zu einem Zusammenstoss zwischen Greenpeace-Aktivisten und der spanischen Marine gekommen. Dabei wurden zwei Umweltschützer verletzt. Die Aktivisten hatten versucht, das Bohrschiff zu entern. Die Präfektin der Kanaren kündigte an, die Marine werde auch weiterhin die Sicherheit des Bohrschiffes garantieren.

Inselbewohner wehren sich

Viele Inselbewohner sind wenig begeistert von den Bohrungen. Sie fürchten eine Zerstörung ihrer Küsten im Fall einer Havarie. Tatsächlich könnte ein Unglück dramatische Konsequenzen haben und bewirken, dass die Feriengäste wegbleiben. «Die Menschen erinnern sich nur zu gut daran, was im Golf von Mexiko 2010 passiert ist», sagt der Journalist Kellner.

Vor vier Jahren explodierte dort die Bohrplattform «Deepwater Horizon», was dazu führte, dass am Meeresgrund während dreier Monate Millionen Liter Erdöl ins Meer flossen. «Vor den kanarischen Inseln hätte dies katastrophale Folgen», betont Kellner. So seien die Inseln zu fast 100 Prozent vom Tourismus abhängig. Ausserdem würden durch einen Unfall wohl die Fischbestände vor Westafrika zerstört, was den Menschen dort die Lebensgrundlage entziehen würde.

Das Erdölunternehmen Repsol seinerseits betont, für die Probebohrungen würden strengste Sicherheitsstandards gelten – viel striktere als 2010 im Golf von Mexiko. So habe man sogar ein Beobachtungsschiff für Wale in die Region geschickt, weil die grossen Tiere die Bohrungen gefährden könnten.