Und schon wieder trifft es auch den Tourismus

Noch ist ein islamistischer Hintergrund des Anschlags von Nizza nicht bestätigt. Doch das Attentat reiht sich ein in eine Reihe von Anschlägen, die auch den Tourismus treffen sollten. Nach Paris ist Nizza bereits die zweite französische Touristenhochburg, die getroffen wird.

Leerer Strand Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: 1,5 Milliarden Euro Wertschöpfung bringt der Tourismus in Nizza. Heute blieb der Strand leer. Keystone

Die Attacke von Nizza trifft den französischen Tourismus mitten ins Herz. Die Stadt ist nach Paris die wichtigste Tourismusdestination Frankreichs.

Dass nach Paris im vergangenen November nun ausgerechnet Nizza ins Visier von Terroristen geraten sei, sei keinesfalls ein Zufall, sagte der ehemalige Chef der französischen Antiterror-Behörde, Roger Marion, der Zeitung «Le Figaro».

«Ähnliches Muster wie in Paris»

Tatsächlich passten die Ereignisse der vergangenen Nacht zum Muster, nachdem schon die Anschläge in Paris verübt wurden, meint SRF-Korrespondent Charles Liebherr: «Eine möglichst grosse Zahl Menschen, auch Touristen aus der ganzen Welt werden als Zielscheibe genommen und getötet.»

Zusatzinhalt überspringen

Tourismus in Nizza

  • Fünf Millionen Touristen jedes Jahr
  • 200 Hotels mit 10'000 Zimmern
  • 1,5 Milliarden Euro jährliche Wertschöfung
  • Mit einer halben Million Passagieren einer der wichtigsten Kreuzfahrthäfen des Landes

An der Promenade des Anglais, wo sich der gestrige Anschlag ereignete, reihen sich auf sieben Kilometern Hotels, Restaurants und Casinos aneinander. «Mit der Promenade wurde ein internationales Symbol der Ausstrahlung Nizzas getroffen», schrieb Bürgermeister Christian Estrosi auf Twitter.

Nachhaltiger wirtschaftlicher Schaden

Was das für eine Tourismusabhängige Region wie die Côte d'Azur bedeutet, lässt sich am Beispiel Paris erahnen. Nach den Anschlägen vom November sei allein die Hotel-Auslastung in der Hauptstadt nachhaltig um 11 Prozentpunkte eingebrochen, schreibt die Zeitungt «Le Figaro». Auch Schweizer Reiseanbieter meldeten drastische Buchungsrückgänge. Gar um die Hälfte brachen die Tourismus-Einnahmen nach den Anschlägen in Tunesien vor einem Jahr ein.

Auch in Nizza gebe es bereits jetzt viele Annulierungen, zitiert die «Figaro»-Journalistin Marie-Estelle Pech auf Twitter einn Hotelier: «Die Saison ist ruiniert»

Bereits wurden Events mit internationaler Ausstrahlung wie das Jazz-Festival oder auch das Konzert von Popstar Rihanna abgesagt. Der Anschlag trifft jedoch nicht nur Nizza, sondern die gesamte Tourismusregion. So wurde auch in Marseille ein für heute Abend geplantes Feuerwerk abgesagt.

Die exakten Auswirkungen auf den Tourismus an der Côte d'Azur sind zwar noch nicht abzuschätzen. Der nachhaltige Schaden für den französischen Tourismus ist neben der Trauer dennoch bereits jetzt eines der vieldiskutierten Themen in den sozialen Netzwerken.

Keine Reisewarnung für Frankreich

EDA-Reisehinweise für Frankreich
Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten, EDA, schätzt die Lage in Frankreich nach wie vor als «stabil» ein. In Europa bestehe kein Anlass, von Reisen in Gebiete abzuraten, in denen das Risiko von Anschlägen besteht: «Eine solche Massnahme wäre unverhältnismässig angesichts der Unmöglichkeit, Anschläge vorauszusehen», heisst es auf der Webseite des EDA.
Schweizern, die sich derzeit in Nizza aufhalten, wird geraten, sich über die Medien auf dem Laufenden zu halten, in Kontakt mit dem Reiseveranstalter zu bleiben und die Anweisungen der lokalen Behörden zu befolgen.
Video «FOKUS: Angst vor Terror beeinflusst den Tourismus» abspielen

FOKUS: Angst vor Terror beeinflusst den Tourismus

4:32 min, aus 10vor10 vom 24.3.2016

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Weltweites Entsetzen – Reaktionen der Politiker

    Aus Tagesschau vom 15.7.2016

    Am Asem-Gipfel in der Mongolei haben europäische und asiatische Regierungschefs der Opfer von Nizza gedacht. Die Politiker sicherten Frankreich ihre Unterstützung zu und appellierten an die internationale Solidarität im Kampf gegen den Terrorismus.

  • Warum ausgerechnet Nizza?

    Aus Rendez-vous vom 15.7.2016

    Nationalfeiertag in Frankreich. Nachdem sich am Donnerstagabend in Nizza Tausende das Feuerwerk angeschaut hatten, raste ein Camion in die Menschenmenge und tötete über 80 Personen. Wie konnte es zu dieser Tat kommen, wie reagieren die Menschen in Nizza und wie in Paris am Tag nach dem Anschlag?

    Martin Durrer, Brigitte Kramer, Fredy Gsteiger