Zum Inhalt springen

International UNHCR: Geld reicht nicht für so viele Flüchtlinge

Mit 6,5 Milliarden Dollar bricht das Budget des UNO-Flüchtlingshilfswerks fürs kommende Jahr alle Rekorde. Und selbst diese Summe dürfte angesichts der Krisen nicht ausreichen. Zugesagt hätten die Geberstaaten bisher erst 700 Millionen Dollar, sagt die Leiterin des Schweizer UNHCR-Büros.

Syrische Flüchtlinge in einem Lager in Jordanien nahe der Grenzstadt Mafraq.
Legende: Syrische Flüchtlinge in einem Lager in Jordanien nahe der Grenzstadt Mafraq. Reuters/Archiv

Wiederholt hat das UNO-Flüchtlingshilfswerk in diesem Jahr auf die finanziellen Engpässe zur Linderung der aktuellen Krisenlagen aufmerksam gemacht. Mit Blick auf das Budget 2016 sei die Lage unverändert prekär, betont Anja Klug, Leiterin des Schweizer UNHCR-Büros.

SRF News: 60 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Wie ist die finanzielle Lage des UNHCR zum Jahresende?

Anja Klug: Wir haben nicht genug Mittel, um diesen Menschen zu helfen. Das Budget für das kommende Jahr ist mit 6,5 Milliarden auf Rekordhöhe, doch selbst diese Summe wird wahrscheinlich nicht ausreichen. Vom Geld sind bisher 700 Millionen Franken zugesagt worden. Das ist eine tolle Zahl, aber es ist nicht genug.

Kann man davon ausgehen, dass das Geld dann auch kommt?

Ein Teil des Geldes wird sicherlich noch eingehen. Da sind wir hoffnungsvoll. Wir befürchten aber, dass es nicht reicht, um wirklich alle Flüchtlinge versorgen zu können.

Kann das UNHCR allfällige Engpässe überbrücken?

Wir können auf einen Notfall-Pool zurückgreifen. Immer wieder im Verlaufe des Jahres werden zudem Kürzungen geprüft. Bei solch gigantischen Flüchtlingszahlen reicht das aber nicht.

Keine Milliarden heisst dann also auch keine Hilfe vor Ort, etwa mit Nahrung und Zelten?

In der Tat hat dies sehr konkrete Auswirkungen auf die Flüchtlinge. Die Nahrungsmittelhilfe wurde deshalb auch auf 19 Dollar pro Tag gekürzt. Davon kann man auch in betroffenen Regionen nicht leben. Kinder können nicht zur Schule. Im medizinischen Bereich können chronische Krankheiten nicht mehr versorgt werden.

Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Afghanistan erreichen Registrierungsstelle im serbischen Presovo.
Legende: Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Afghanistan erreichen Registrierungsstelle im serbischen Presovo. Keystone

Was bedeutet das für die Helfer vor Ort?

Sie möchten helfen, können aber nicht. Und noch viel schlimmer ist oft, zuzuschauen, wie die Menschen damit umgehen. Es entwickelt sich dann so etwas wie Kinderarbeit. Junge Mädchen werden sehr früh verheiratet. Es gibt Prostitution. Auch gehen Leute vermehrt ins Kriegsgebiet zurück, weil die Lage in den Erstaufnahmestaaten derart prekär ist.

Bei den vielen Kriegs- und Krisenherden muss das UNHCR offensichtlich Prioritäten setzen. Was sind hier die Kriterien?

Wenn das Geld wie häufig nicht ausreicht, wird die Umschichtung von Mitteln zugunsten der momentan am meisten Leidenden geprüft. Das geht allerdings nur, wenn die Gelder ohne Zweckbindung zur Verfügung gestellt wurden.

Es gibt aber Staaten, welche Mittel nicht nach humanitären Notlagen, sondern auch nach politischen Interessen sprechen wie etwa bei Syrien und Afghanistan. Dann wird es für das UNHCR wie auch für andere humanitäre Organisationen schwierig, Geld für die Krisen in Afrika zu finden.

Kommt bei so vielen Menschen auf der Flucht die humanitäre Hilfe schlicht an ihre Grenzen?

Das ist richtig. Auf diesem Umstand wollen wir auch mit den jetzigen alarmierenden Nachrichten nochmals aufmerksam machen. Auch fehlt es an Personal für allfällige weitere Krisen.

Angesichts der dramatischen Lage ist auch ein Umdenken nötig. So müsste vermehrt an den Fluchtursachen gearbeitet werden. Das hört sich am Schreibtisch einfach an, ist es aber nicht. Aber es wäre wirklich wichtig, ernsthaft an der Lösung von Konflikten zu arbeiten, um damit vielleicht neue Krisen zu verhindern.

Das Gespräch führte Simon Leu.

10 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Milliarden würden benötigt und davon sind bisher nur wenige Millionen sind zugesagt. - Aber wenn's dann ein paar 100'000 von diesen bis nach Europa schaffen, gibt man zig-Mia in jedem Land in Europa aus für einen kleinen Bruchteil jener Flüchtlinge, die es bis Europa geschafft haben währendem die 60 Mio Flüchtlinge leer ausgehen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von e t (treuffen)
    wenn all die, die töten oder wie die schweiz töten fördern und trainieren, weniger trainieren oder töten würden. das geld könnte leben schenken, leben retten. die armee verschleudert im jahr rund 5 milliarden und leistet nicht wirklich viel. warum nicht 20% weniger budgetieren und diese milliarde dem unhcr geben. ein sechstel wäre bereits gedeckt. stellen sie sich vor, was man mit 20% der usa, frankreich oder russland machen könnte. meinetwegen mit 10%
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Jürg Sand (Jürg Sand)
      Halt lieber Freund, töten tun sich zurzeit vorwiegend Muslime und das aus tausenderlei Gründen, meist religiös begründet oder motiviert. Ihre philanthropischen Anwanlungen in Ehren, aber damit stossen Sie vorallem bei Ihren imaginären Schützlingen auf Unverständnis. Unsere Armee ist zur Aufrechterhaltung UNSERER Sicherheit!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Jürg Sand (Jürg Sand)
      Und noch etwas: mit einer Milliarde pro Jahr versorgen wir hier bei uns höchstens 25'000 junge Männer (reicht effektiv nicht!). Davon hat die Welt aber Hunderte von Millionen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jürg Sand (Jürg Sand)
    Das ist letztlich das Resultat dieser Barmherzigkeits-Narrenposse, welche dieses Jahr 1.5 Millionen gut genährte junge Männer (selten in weiblicher Begleitung) nach Europa rief. Diese Massen verbrauchen gewaltige Geldmengen und entziehen diese der Hilfe wirklich Bedürftiger. Diese 1.5 Millionen verbrauchen das HUNDERTFACHE dessen was die gleiche Anzahl in den Camps benötigte!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von e t (treuffen)
      das hundertfache. beeindruckend, erst recht in grossbuchstaben. wo haben sie diese zahl her?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Jürg Sand (Jürg Sand)
      Versuchen Sie es mit googeln. Ein Taschenrechner ist dabei auch nützlich.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von robert mathis (veritas)
      J.Sand,das sagen die Flüchtlingshelfer von UNHCR schon lange,mit dem gleichen Geld der rundumversorgten Flüchtlinge in der Schweiz die kaum Chancen haben zu bleiben,könnte man hundert tausende Hungernde in den Lagern ernähren und ärztlich versorgen.Warum wollen das unsere zuständigen Politiker nicht hören? Warum verschwendet man unsere Steuergelder ?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen