UNO warnt vor Massaker in Amerli im Nordirak

Die Kleinstadt Amerli wird seit Wochen von sunnitischen Extremisten belagert. Nun warnt die UNO vor einem drohenden Massensterben in der schiitischen Gemeinde. Katar hat sich unterdessen von der islamistischen IS-Miliz distanziert und eine Unterstützung der Dschihadisten abgestritten.

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UNO warnt vor Massaker in Amerli

1:53 min, aus Tagesschau vom 24.8.2014

In der nordirakischen Kleinstadt Amerli droht nach Einschätzung der Vereinten Nationen ein Massaker der sunnitischen IS-Miliz an der überwiegend schiitischen Bevölkerung. Der UNO-Sondergesandte für den Irak, Nickolai Mladenow, sagte in Bagdad, die Dschihadisten belagerten die Stadt seit fast zwei Monaten und die Lieferwege für Wasser und Lebensmittel seien abgeschnitten.

«Die Lage der Menschen in Amerli ist verzweifelt und erfordert ein sofortiges Eingreifen, um ein mögliches Massaker an den Einwohnern zu verhindern», betonte er. Die Stadt liegt rund 170 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad. Mladenow appellierte an die irakische Regierung, die Belagerung durch die Extremisten aufzubrechen und die Versorgung der «unsagbar leidenden» Menschen zu ermöglichen.

Katar distanziert sich von IS

Derweil hat sich der Golfstaat Katar bezüglich einer Unterstützung der radikalislamischen Miliz Islamischer Staat (IS) deutlich abgrenzt. Das Emirat unterstütze «in keiner Weise» extremistischen Gruppen wie IS und werde dies auch nicht tun, betonte Aussenminister Chaled al-Attijah in einer in London verbreiteten Erklärung. «Ihre Ansichten, ihre gewalttätigen Methoden und ihre Ziele sind für uns abstossend.»

Al-Attijah verurteilte auch die Hinrichtung des US-Journalisten James Foley durch IS als «barbarischen» Mord.

Klarstellung aus Berlin

Katar reagiert damit auch auf Äusserungen des deutschen Entwicklungshilfeministers Gerd Müller über die Finanzierung der IS-Miliz. Er hatte dabei den wörtlichen Einschub «Stichwort Katar» fallen gelassen.

Die Bundesregierung sah sich daraufhin zu einer Klarstellung gezwungen und sprach von einem Missverständnis. Sie hat nach Angaben des Aussenministeriums keine Erkenntnisse über eine Unterstützung der Miliz durch das Emirat. Eine Sprecherin Müllers betonte, der Minister habe sich nur auf entsprechende Presseberichte bezogen.

Blutige Anschläge in Kirkuk

Die in der nordirakischen Region gelegene Stadt Kirkuk ist am Samstag von drei Anschlägen erschüttert worden. Mindestens 20 Menschen wurden getötet und 65 weitere verletzt. Nahezu gleichzeitig explodierten zwei Bomben vor Baustellen und eine dritte vor einem Markt, wie die Polizei und ein Arzt mitteilten.

Menschen vor einem brennenden Gebäude. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Verheerende Anschläge forderten im nordirakischen Kirkuk am Samstag zahlreiche Menschenleben. Keystone

Kurdische Peschmerga bekämpfen derzeit gemeinsam mit irakischen Regierungstruppen die IS-Milizen, die Anfang Juni im Nordirak eine Militäroffensive gestartet und weite Landesteile unter ihre Kontrolle gebracht hatten.

Die irakischen Truppen hatten sich zu Beginn der IS-Offensive von ihren Stellungen in der ölreichen Provinz Kirkuk zurückgezogen und dort den Kurden das Feld überlassen, die das Gebiet gegen den Willen Bagdads schon lange in ihre autonome Region integrieren wollten.