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International US-Geheimdienste spähen Milliarden Briefe aus

Im Hunger auf private Daten soll das Weisse Haus Briefumschläge von Amerikanern abfotografiert haben. In der Schweiz wäre eine solche Datensammlung nicht möglich.

Angestellte sortiert Briefe in einem USPS-Zentrum
Legende: Offenbar reichen schon die Briefumschläge aus, um wertvolle Hinweise für die US-Ermittler zu sammeln. Reuters/symbolbild

Die USA lassen offenbar den gesamten Briefverkehr innerhalb des Landes registrieren. Absender und Empfänger jeder über den staatlichen Postdienst USPS verschickten Sendung werden von Computern abfotografiert, berichtete die «New York Times». Die Zeitung beruft sich dabei unter anderem auf Mitarbeiter des US-Justizministeriums und auf einen ehemaligen Agenten der amerikanischen Bundespolizei FBI.

Rund 160 Milliarden Postsendungen sollen in dem vermeintlichen Überwachungsprogramm «Mail Isolation Control and Tracking» (MICT) vergangenes Jahr fotografiert worden sein. Auf diesem Wege soll die US-Regierung die Briefkontakte von Millionen Amerikanern zurückverfolgen können. Wie lange die Daten gespeichert werden, geht aus dem Bericht nicht hervor.

Das MICT-Programm diene vor allem der Arbeit amerikanischer Strafverfolgungsbehörden. Es wurde 2001 ins Leben gerufen, nachdem Briefe mit dem tödlichen Gift Anthrax an US-Politiker verschickt worden waren. Einen Brief tatsächlich zu öffnen, erfordert dagegen den Beschluss eines Richters.

Schweizerische Post scannt Adressen

Auch bei der Schweizerischen Post werden die Adressen der Empfänger maschinell erfasst. Jedoch nur 40 Prozent der maschinenfähigen Sendungen. Diese Daten bleiben dann bis zu einem Monat im System gespeichert. Die eingeschriebenen Briefe bis zu einem Jahr.

«Dieser Vorgang ist jedoch nicht dafür gedacht, Adressen zu speichern», sagt Mediensprecher Bernhard Bürki zu SRF News Online. Die Post wolle nur sicherstellen, dass die Sendungen bei allen Eventualitäten nachvollziehbar sei.

«Die Daten unterliegen dem Postgeheimnis», betont Bürki. Nur im Rahmen des Bundesgesetz zur Überwachung von Post- und Fernmeldeverkehr sei für Untersuchungsbehörden möglich, an die Daten zu gelangen.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Freddy Müller, Oberägeri
    "Nicht möglich"? Ich denke diese Worte heissen nicht was du denkst - wir haben ein optisches Erkennungssystem (ein Fotoapparat), der einen Teil des Pakets erfasst (die Addresse) und diese Daten dann in den Computer weitergibt, und hier wird gesagt es sei nicht möglich, dass dieses System einen grösseren Teil des Pakets erfasst (das ganze Paket) und in den Computer eingibt, der das trivial speichern kann? Ich glaube "nicht möglich" ist was anderes.
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  • Kommentar von Annor Anna, 3007 Bern
    Jetzt weiss ich, wohin meine zwei R-Briefe in die USA gekommen sind. Obwohl eingeschrieben wurden sie nie empfangen und sind ganz einfach verschwunden!
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  • Kommentar von Adrian Flükiger, Bern
    Mich überrascht nichts mehr. Umsoweniger verstehe ich deshalb das krampfhafte festhalten am Bankgeheimnis. Der gläserne Bürger ist längst Realität und wir sind auch selber schuld, dass es soweit gekommen ist. Wir bringen es ja dauernd fertig die bürgerlichen Parteien zu wählen - also bekommen wir auch was wir verdienen. Zum Kommentar aus der Berner Schönburg (Hauptsitz der Post): dieser ist auf jeden Fall mit der notwendigen Vorsicht zu geniessen.
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    1. Antwort von E.Wagner, Zug
      Was hat das jetzt mit den Wahlen zutun. Sind doch alle Betroffen auch die Sozialdemoraten Herr Flükiger. Wohl schnell noch Bashing anhängen wie üblich von Ihnen gell.
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