US-Notenbankchefin: Zinsanhebung möglich

Wenn Notenbanker öffentlich auftreten, ist Spannung angesagt. In den USA verschoben viele Finanzjongleure ihre Planungen für das Wochenende, als ein Termin von Fed-Chefin Janet Yellen bekannt wurde. Sie machte immerhin Andeutungen.

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Bildlegende: Yellen:«Eine Anhebung in den kommenden Monaten könnte das Richtige sein». Keystone

US-Notenbankchefin Janet Yellen hat erneut eine baldige Anhebung des Leitzinses angedeutet.

Das Wachstum in den Vereinigten Staaten scheine anzuziehen, die Situation auf dem Arbeitsmarkt scheine sich weiter zu verbessern. «Wenn das anhält, was ich erwarte, dann wäre ein graduelle und vorsichtige Anhebung angemessen», sagte Yellen am Freitag bei einer Veranstaltung der Harvard University. «Eine Anhebung in den kommenden Monaten könnte das Richtige sein», fügte sie hinzu.

Die Börsen und Devisenmärkte reagierten umgehend. Der Dow Jones büsste in den USA sein vorheriges kleines Plus ein. Der Euro fiel im Vergleich zum US-Dollar auf ein Tagestief von 1,1121.

Abwarten bis zum Brexit-Entscheid?

Die Federal Reserve (Fed) hat am 15. Juni die nächste Möglichkeit zu einer Zinsanhebung, wenn der sogenannte Offenmarktausschuss zur nächsten Sitzung zusammenkommt. Möglich erscheint aber auch ein Abwarten bis zur Juli-Sitzung, weil durch das Brexit-Referendum in Grossbritannien am 23. Juni schwer kalkulierbare Risiken für die Weltwirtschaft drohen.

Die US-Notenbank hatte nach der schweren Finanzkrise und Jahren eines Leitzinses nahe der Nulllinie im Dezember des vergangenen Jahres erstmals wieder eine Anhebung vorgenommen. Das Zinsniveau für kurzfristige Anleihen von Banken bewegt sich seitdem in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent.

Ermutigende Wirtschaftsdaten

Die Wirtschaftsdaten waren nach einem schwachen Finale des Jahres 2015 und einem ebenso enttäuschenden Jahresstart 2016 zuletzt ermutigend. Von Anfang Januar bis Ende März stieg die Wirtschaftsleistung um eine auf das Jahr hochgerechnete Rate von 0,8 Prozent, wie das Handelsministerium in Washington am Freitag in einer zweiten Schätzung mitteilte. In einer ersten Schätzung war ein Zuwachs von nur 0,5 Prozent ermittelt worden.

Das Wachstum geht mit stärker als bislang angenommen gestiegenen Haushaltseinkommen einher. Die Sparquote erreichte im ersten Quartal mit 5,7 Prozent den höchsten Wert seit dem letzten Jahresviertel 2012. Wachstumszahlen werden in den USA auf ein Jahr hochgerechnet. Sie geben an, wie stark die Wirtschaft wachsen würde, wenn das aktuelle Tempo ein Jahr lang gehalten würde.

Robuster Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt zeigt sich in den Vereinigten Staaten bereits seit einiger Zeit stabil. Yellen bemängelte jedoch, dass die Zahl der Teilzeitjobs sehr hoch sei. Viele Menschen, die eigentlich lieber voll arbeiten würden, müssten mit solchen Stellen vorlieb nehmen.

Die Inflation – neben dem Arbeitsmarkt die zweite wichtige Messgrösse für die Geldpolitik der Fed – bleibt seit langer Zeit hinter der Zielmarke von zwei Prozent zurück. Yellen führte dies unter anderem auf den niedrigen Ölpreis und den starken Dollar zurück.