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International US-Verteidigungsminister Chuck Hagel tritt zurück

Der 68-jährige Republikaner gibt sein Amt wegen Differenzen mit US-Präsident Barack Obama auf. Gemäss der «New York Times» haben die beiden unterschiedliche Ansichten über den Umgang mit der Terrormiliz IS. Erste Namen möglicher Nachfolger machen schon die Runde.

Legende: Video «Obama würdigt Chuck Hagel» abspielen. Laufzeit 1:16 Minuten.
Vom 24.11.2014.

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel tritt zurück. Das meldeten zunächst mehrere grosse Zeitungen in ihren Online-Ausgaben. Präsident Barack Obama bestätigte die Demission in Washington. Laut «New York Times» legte Obama Hagel wegen Meinungsverschiedenheiten über das Vorgehen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und den Einsatz von Kampfeinheiten im Irak und in Syrien einen Rücktritt nahe.

Obama würdigt Hagel

Zur offiziellen Verabschiedung übten sich beide in Harmonie. «Über all die Jahre war er ein herausragender Verteidigungsminister und hat so dafür gesorgt, dass unsere Streitkräfte für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet sind», würdigte Obama den scheidenden Minister.

Hagel habe wie kein anderer die Soldaten verstanden. Ihre Sicherheit und ihr Leben hätten ihm stets am Herzen gelegen. «Als ich Chuck damals fragte, ob er sich das Amt vorstellen könnte, stand unsere Armee vor einem grossen Umbruch», so Obama. «Heute ist unsere Armee einsatzbereit und stärker als je zuvor.»

Legende: Video «Einschätzungen von SRF-Korrespondent Arthur Honegger» abspielen. Laufzeit 0:41 Minuten.
Aus Tagesschau vom 24.11.2014.

Kaum ist der Abgang von Hagel offizielle machen auch schon die Namen möglicher Nachfolger für das Amt des Verteidigungsministers die Runde. Angeführt wird die Kandidatenliste von Michèle Flournoy und Ashton Carter.

«Das Weisse Haus setzt auf Leute, die den Laden schon kennen und wissen, wie man mit den Militärs umgehen muss», sagt SRF-Korrespondent Arthur Honegger. In dieser Hinsicht konnte Chuck Hagel nie so recht überzeugen. Angesicht der Bedrohung durch den IS sei nun ein Verteidigungsminister gefragt, der zupacken kann.

Hagel war vor der Wahl umstritten

Der frühere Senator war im Februar 2013 an die Spitze des Pentagons gerückt. Nach wochenlangen Debatten hatte der Senat in Washington den republikanischen Ex-Senator Chuck Hagel als neuen US-Verteidigungsminister bestätigt.

Obama sagte damals, Hagel sei mit seiner Vergangenheit als Vietnamveteran und seiner Erfahrung in der Politik, «der Verteidigungsminister, den unsere Nation braucht, und der Anführer, den unsere Truppen verdient haben».

Zu weich für Republikaner

Die Personalie Hagel war über Wochen zur parteipolitischen Kraftprobe Obamas mit den Republikanern geraten. Die Republikaner hatten die Ernennung ihres Parteikollegen mit einem sogenannten Filibuster (Dauerreden) zunächst platzen lassen.

Vielen Konservativen war er nicht hart genug. Sie kritisierten, dass der Vietnamveteran – wie der Präsident – zu lange auf Diplomatie bei der Lösung internationaler Konflikte setze und militärische Gewalt nur als allerletztes Mittel sehe. «Sie sehen ihn als illoyalen Seitenwechsler und werden ihn wohl nicht vermissen», sagt SRF-Korrespondentin Priscilla Imboden dazu.

Unklar ist, was der Wechsel an der Spitze des Pentagons für die Kriegseinsätze der USA im Nahen Osten bedeutet. «Es ist gut möglich, dass wir bald einen Strategiewechsel sehen, was die Einsätze von US-Soldaten in Afghanistan, im Irak und in Syrien angeht», so Imboden.

12 Kommentare

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  • Kommentar von peter müller, zürich
    Das US Verteidigunsministerium wird desolat gefürt. Etwa 8 Verteidigungsminister in 20 Jahren - doppelt so viele wie Russland oder in China. Das Equipment in schlechter Verfassung. Raketensilos werden von "Zombies" bewacht, die auf ganzer Linie versagen. Kein Projekt im Budget - man versucht mit Geld - Qualität zu simulieren was aber nicht funktioniert. Wer auf diese Streitkräfte vertraut geht unter. Ein C-Span Interview von Michèle Flournoy zeigt die Defizite auf.
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  • Kommentar von V. Humbert, Carouge
    Tritt zurück? Nahegelegt würde es ihm. Und noch ein schwerwiegender Fehler der Obama Administration. Ausgerechnet der einzige Rep Minister, erst noch öffentlich loyal. Dies zusammen mit der kläglich verpassten Chance um das Iran "Problem". Wenn man weiß, dass die Reps das Sagen haben werden, sind die "Konflikte" in Nahost, Stand heute, Sandkastenspiele, verglichen mit dem was Reps und Tea Party jetzt schon vorbereiten. Noch nie sah es auf dieser Erde seit Weltkrieg 2 so zappenduster aus.
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  • Kommentar von Marianne R., Gwatt
    Ich hoffe, dass sich Obama dieses Mal nicht hinter einen Repuplikaner verstecken + ihn ausnutzen kann. Er soll jetzt endlich einen Demokraten wählen, dann wird die Welt sehen, was man mit reden und reden und nochmals reden und Kuschelpolitik erreichen kann. In einem grossen Teil der Welt (auch EU) wird heute diese "linke" Politik getrieben. Solange es noch "Repuplikaner, Rechte, Hardliner" gibt, oder wie man sie nennen will, können sich überall die "weichen, moderaten" usw. dahinter verstecken.
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