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US-Wahlen «Ein Latino, der für Trump stimmt – das wäre Wahnsinn»

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat Mexikaner bis vor kurzem pauschal als Drogensüchtige, Diebe und Vergewaltiger verunglimpft. Gegenüber dem mexikanischen Präsidenten hingegen betonte er, was für gute Menschen in Mexiko leben. Wie kommt die Kehrtwende bei den Wahlberechtigten an?

Trump auf einem TV-Bildschirm
Legende: Die Rede des Präsidentschaftskandidaten Trump im Fernsehen: Keine Amnestie für illegale Einwanderer, sagt er. SRF/Priscilla Imboden

Menschen schieben Einkaufswagen über den Parkplatz vor einem Supermarkt namens Marketon. Ein gelbes Schild preist billiges Fleisch auf Englisch und Spanisch an.

Gegenüber ist ein Laden mit dem Namen El Mundo Latino, wo Geld nach Mexiko geschickt werden kann. Ein Ehepaar mit drei Kindern geht über den Parkplatz. «Ich glaube nicht, dass er ein Freund Mexikos ist. Er sagt das nur, um Stimmen der Latinos zu holen», meint die Mutter. Aber Donald Trumps Kalkül werde nicht aufgehen, meint sie: «Es wäre Wahnsinn, wenn ein Latino für ihn stimmen würde, nach all dem was er gesagt hat.»

Ein Mann lädt grosse Pakete mit Wasserflaschen in seinen Kleinlaster. Trumps Rede beeindruckte ihn nicht. Trump sei ein Rassist, sagt er. «Als Präsident wäre er gefährlich», meint der Bauarbeiter, nicht nur für die USA, sondern auch für alle Länder, die mit den USA alliiert seien.

Beim Gedanken daran wirft er seinen Schlüsselbund nervös von einer Hand in die andere. «Wir müssen ihn verhindern. Wenn ich nicht wählen darf, muss ich schauen, dass Freunde an die Urne gehen.» Die Demokraten seien besser. «Sie haben stets mehr gemacht für uns als die Republikaner. Wo diese Gouverneure sind, geht es den Einwanderern schlechter.»

«Wir kommen hierher, um zu arbeiten»

Nebenan, im Fastfood-Laden für Burritos, hält Donald Trump auf dem TV-Bildschirm an der Wand seine Rede zur Einwanderung. «Keine Amnestie» steht in grossen Lettern darunter. Der Mann an der Theke meint: «Dieser Mann spinnt. Ich beachte ihn nicht. Wer weiss, ob er oder Hillary besser ist – ich weiss es nicht.»

Eine Frau sitzt in der Ecke unter dem Bildschirm auf dem Teller mit einem frittierten Taco. Sie sagt: «Wir kommen hierher, um zu arbeiten. Wir erledigen Arbeit, die die Menschen hier nicht machen wollen. Wir kommen nicht hierhin, um etwas zu stehlen oder kriminell zu sein.» Der Plan, elf Millionen illegale Einwanderer auszuschaffen, sei eine Katastrophe, sagt die Frau. «Es würde viele Familien zerstören, wenn die Eltern ausgeschafft werden und die Kinder hier bleiben oder umgekehrt. Eine Familie muss zusammenbleiben.»

Trump sucht Wähler lieber in seiner Peergroup

Trump ist nicht nur in Reno bei den Latinos unbeliebt. Nur wenige von ihnen landesweit wollen den Reality-Show-Star und Immobilienmogul wählen. Sie sind die Wählergruppe, die am stärksten wächst, und sie machen momentan zwölf Prozent der Stimmen aus.

Nach dieser Rede ist aber klar, dass Trump auf ihre Stimmen verzichtet. Er setzt darauf, dass er dafür ältere weisse Männer mobilisieren kann. Sie sprechen auf seine harte Linie bei der Einwanderung an.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Als Anmerkung: In meisten US-Bundesstaaten (ausgenommen Vermont und Maine) dürfen wegen eines Verbrechens verurteilte Personen auch nach ihrer Entlassung nicht mehr wählen. Das sog. "Felony Disenfranchisement" betrifft zwar gerade mal 2.5% der Wahlberechtigten der USA, doch gut 10% der wahlberechtigten Latinos und 8% der Afro-Amerikaner (Wahlen 2012). Da hilft es wenig, dass in Vermont und Maine (Latino-Bevölkerungsanteil: 0.9% bzw. 0.7%) auch wählen darf, wer aktuell im Gefängnis sitzt.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Man kann der Wahl ziemlich einfach die Spannung nehmen, indem man die möglichen Wahlmänner zusammen zählt. Da brauchen die Demokraten eigentlich nur noch drei grosse Swinging States, während Trump de facto eine Situation à la Reagan und alle braucht. Das wäre eigentlich möglich gewesen, wäre Trump nicht Trump, sondern ein etwas besonnenerer Unternehmer. Trump hat sich selber disqualifiziert, er vermochte den "Reagan-Drive" nicht einmal zu starten, geschweige denn aufrecht zu erhalten.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Ich habe kürzlich einen Töfffahrer auf der Utah 261 am Moki Dugway getroffen und mit ihm ein bisschen geplaudert. Er ist in Kolumbien geboren und wird Trump wählen. Warum? Ganz einfach: Er sei als Kind in die USA gekommen, sein Vater trichterte ihm folgendes ein: 1. Lerne englisch. 2. Sei fleissig in der Schule. 3. Arbeite hart. Er hat heute eine Yamaha-Vertretung in Arizona. Er sagt, dass die heutigen Latinos keinen der drei Punkte befolgen. Das bedeute Armut und eine ungesunde Parallelkultur.
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