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US-Wahlen Er hat es wieder getan – Trumps neuste Ausfälligkeiten

Mit einer zweideutigen Ansprache an Waffenfreunde hat US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump einen weiteren Sturm der Entrüstung ausgelöst. Seine Aussage kann als Aufruf zur Gewalt gegen Hillary Clinton interpretiert werden.

Legende: Video Trumps neuester Streich abspielen. Laufzeit 01:26 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 10.08.2016.

Donald Trump lässt sich offenbar nicht zähmen, auch wenn ihm seine Berater für die Schlussphase der Präsidentenwahlkampfes zur Mässigung raten. Das zeigt der jüngste Eklat:

Darum geht es

An einem Wahlkampfauftritt in North Carolina deutete der Rechtspopulist Trump an, dass nur Waffenfreunde seine Rivalin Hillary Clinton aufhalten könnten. Der Präsidentschaftsanwärter sagte am Dienstag, die Demokratin wolle das Verfassungsrecht auf Waffenbesitz, den sogenannten Zweiten Zusatzartikel, abschaffen.

Der Hintergrund

Hillary Clinton hat angekündigt, sie wolle Waffenverkäufe strikter regulieren, so dass keine Waffen in die Hände von Kriminellen, Terrorverdächtigen oder mental labilen Menschen gelangen könnten. Den Vorwurf, das Verfassungsrecht auf privaten Waffenbesitz abzuschaffen, wies sie dagegen wiederholt zurück.

Der Verfassungsartikel

Der zweite Verfassungszusatz der USA hält fest, dass die Regierung das Recht auf den Besitz und das Tragen von Waffen nicht einschränken darf. Dieser Zusatzartikel ist für konservative Amerikaner unantastbar, erst recht für die starke Waffenlobby.

Das sagte Trump

«Hillary will den zweiten Verfassungszusatz abschaffen, wirklich abschaffen. Übrigens, falls sie es schafft auszuwählen … . Falls sie es schafft, ihre Richter auszuwählen, kann man nichts dagegen machen, Leute. Obwohl: Es gibt die Zweite-Verfassungszusatz-Leute, vielleicht ist es das. Ich weiss nicht.»

In den USA ernennt der Präsident die obersten Richter des Landes

Wie die Aussage ankommen kann

Diesen ohnehin schon zweideutigen Satz liess Trump – bewusst oder unbewusst – abgebrochen in der Luft hängen. Der Hinweis auf die «Zweite-Verfassungszusatz-Leute» meint zunächst einfach die Anhänger des Waffentragens. Doch im Zusammenhang der ganzen Passage wird die Aussage zumindest sehr zweideutig.

Von US-Medien und in sozialen Netzwerken wurde die Äusserung auch sogleich dahingehend gedeutet, dass Trump für den Einsatz von Waffengewalt – entweder gegen Clinton oder Richter – plädiert habe.

Das Clinton-Lager ist empört

Clintons Wahlkampfmanager Robby Mook warf Trump vor, «gefährliche» Sprache zu verwenden. Ein Kandidat für das Präsidentenamt sollte «in keiner Weise Gewalt vorschlagen». Der Abgeordnete David Cicilline, der für die Demokraten im Repräsentantenhaus sitzt, bezeichnete die Äusserung als «abscheulich». Trump rufe entweder zur bewaffneten Revolte oder zum Mord an seiner Rivalin auf, schrieb Cicilline im Internetdienst Twitter.

So reagieren die Republikaner

Das Wahlkampfteam des Republikaners versuchte, diesen Verdacht zu zerstreuen. Trump habe lediglich gesagt, dass die Waffenfreunde in hoher Zahl in November zur Wahl gehen und geschlossen gegen Clinton und für Trump stimmen würden.

Die Verteidiger des Rechts auf Waffenbesitz stellten eine «enorm geschlossene Gruppe» mit einer «grossen politischen Macht» dar, erklärte Trumps Kommunikationsberater Jason Miller.

Während Trumps Rede waren allerdings Besucher der Wahlkampfveranstaltung, die hinter ihm sassen, merklich zusammengezuckt bei seiner umstrittenen Bemerkung. Und der republikanische Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan sagte: «Es klingt wie ein missratener Scherz. Ich hoffe, dass er das schnell klarstellt.»

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41 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Klar, Trump ist ein Polterer & Ruepel, den mache Kreise nur allzu gerne falsch verstehen wollen um dies in einer Schlammschlacht auszunutzen. Das ist eigentlich auch schon alles was dieser Bericht, jedoch nicht genau so wie hier aufgeführt, aussagt. Trump ist nun mal der ideale Ruepel, dem man Fettnaepfchen hinstellen kann in die er dann mit Sicherheit auch noch hinein tritt. (vergl. Petry & angeblichem Schiessbefehl, der so, wie böswillig in den Medien kolportiert, gar nicht stattgefunden hat)
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    1. Antwort von Niklaus Bächler (SVP-Hinterfrager)
      Trotzdem finden sie diesem Trump so richtig toll. Ist ja ein richtiger Kerl, der mal mit der Faust auf den Tisch haut und denen sagt, wie der Hase läuft! Das gefällt ihnen, wenn mal einer so richtig die Meinung sagt,was alle denken.Nicht eine «Susi» von Politiker!Toller Hecht! - Und dann? Glauben sie allen Ernstes,dass solche Choleriker fähig wären,eine tragende Rolle zu spielen? Besonnen Entscheide zu fällen?- Ich staune immer wieder,wie Menschen sich durch ein Auftreten blenden lassen!
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  • Kommentar von Ursula Schüpbach (Artio)
    Eine Twitter-Perle, die zeigt, wie Trump oft "argumentiert": "#ManyPeopleAreSaying @realDonaldTrump is a secret Muslim. Not me. But many people do say that." (von Mehdi Hasan)
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  • Kommentar von Thomas Käppeli (thkaepp)
    Rüffelte vor einiger Zeit meine Lebenspartnerin, weil sie partout bei Wahlen durch Abwesenheit glänzt. Die Antwort: „Egal wem ich meine Stimme gebe, die spielen alle in die eigenen Taschen und für mein Land bessert sich nichts.“ Ein wahres, jedoch fatales Argument. Auch den Amis bleibt wohl nur die Wahl zwischen Pest, Cholera oder Enthaltung. Keine(r) der beiden Kandidaten wäre für mich eine Option. Trump ist jedoch leichter zu durchschauen, als das „stille“ und tiefgründige Wasser Clinton.
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    1. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      Ob das stimmt zu Clinton, weiss ich nicht, aber sicher ist, dass sie damit nicht ganz unrecht hat, finde ich: "Es war einer dieser Sätze, die nachhallen. "Stellt ihn euch im Oval Office vor, konfrontiert mit einer echten Krise", rief Hillary Clinton vorige Woche bei ihrer Parteitagsrede. "Wir können einem Mann, den man mit einem Tweet provozieren kann, nicht unsere Nuklearwaffen anvertrauen." (Spiegel Online, Marc Pitzke, New York)
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    2. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      "Trump ist jedoch leichter zu durchschauen..." Bin mir nicht sicher, ob es überhaupt darum geht. Der soll doch sein Privatleben haben und so. Aber die Sache zum Beispiel mit den Nuklearwaffen, die geht dann halt schon ziemlich krass über dieses hinaus. Und das ist wohl auch mit ein Grund, warum man sogar in Europa sehr viel über diesen ganzen Wahlkampf lesen kann. Und das aufmerksam verfolgt wird. Ob Trump nun 1000 oder 1001 Immobilien besitzt, interessiert wohl eher weniger.
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