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US-Wahlen Make America great again: Jetzt muss Trump liefern

Alles ist möglich – im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Sollte es dafür noch eines Beweises bedurft haben, dann hat ihn Donald Trump erbracht. Doch nun muss der neue Präsident seinen vollmundigen Versprechen auch Taten folgen lassen. Kein einfaches Unterfangen, meinen die SRF-Korrespondenten.

Warum hat Donald Trump gewonnen?

In den USA hegen breite Bevölkerungsschichten eine Abneigung gegen die Politik und die Macht-Elite. Dem Multimilliardär und Selfmade-Man Donald Trump ist es gelungen, sich als Aussenseiter und als Kämpfer für die einfachen Leute zu präsentieren, der in «Washington» für Ordnung sorgen wird. Seine Wahlkampf-Botschaft war populistisch, isolationistisch und streckenweise rassistisch – und hat offensichtlich verfangen. Während des ganzen Wahlkampfs lag er hinter Clinton zurück. Doch in den letzten Wochen vor dem Wahltag machte er Terrain gut – dank Clintons E-Mails, der fragwürdigen Kommunikationspraxis des FBI und den stark steigenden «Obamacare»-Prämien.

Welche Schwerpunkte wird Trump setzen?

Donald Trump möchte die Steuern für alle massiv senken, das Freihandelsabkommen Nafta neu aushandeln und den transpazifischen Freihandelsvertrag stoppen. Er will entlang der Südgrenze zu Mexiko eine Mauer bauen und elf Millionen illegale Immigranten ausschaffen lassen. Er möchte mehr Gas, Öl und Kohle fördern lassen, den internationalen Klimaschutzvertrag (das Kopenhagener Abkommen) aufkündigen und dem Militär mehr Geld zur Verfügung stellen.

Was ist der grösste Unterschied zu Obama?

Donald Trump ist in vielen Bereichen das pure Gegenteil von Barack Obama: spontan statt überlegt, instinktiv statt intellektuell. Trump möchte die Zeit zurückholen, in der es in den USA noch zahlreiche Fabrikarbeitsplätze gab und das Land noch von der traditionellen Machtelite (weisse Männer) dominiert wurde. Obama hingegen steht für ein farbigeres und gleichberechtigteres Land. Trump attackiert Institutionen und die Demokratie, Obama verteidigt sie. Es gibt aber auch Parallelen. Beide stehen gerne im Mittelpunkt, beide sind von sich und ihrer Meinung überzeugt, beide spüren die Bedürfnisse der Massen.

Vor welchen Schwierigkeiten steht der neue Präsident?

Donald Trump ist mit einem Wahlprogramm angetreten, das so nicht realisierbar ist. Die Mauer etwa ist sinnlos und teuer, und Mexiko wird keineswegs dafür bezahlen. Er kann Freihandelsverträge nicht eigenhändig kündigen und neu verhandeln. Auch seine Steuerreform wird er ohne Kongress nicht durchbringen. Er hat neben den Demokraten auch grosse Teile seiner eigenen Partei gegen sich: Da er keine Einsparungen machen will, um seine Steuersenkungen zu finanzieren, wird er auch dort auf den Widerstand seiner Partei stossen. Er wird feststellen, dass die Macht des Präsidenten begrenzt ist und dass er die USA nicht wie seine Firma regieren kann.

Trump ist 70 Jahre alt. Ist er nur ein Übergangspräsident?

Falls er tatsächlich so viel Stehvermögen hat, wie er im Wahlkampf stets behauptet hat, dann wohl kaum. Fit soll er auch sein, bestätigt sein Arzt. Ob Trump die neue Aufgabe hingegen Spass machen wird, ist eine andere Frage. Ebenso, ob ihm die Wählerinnen und Wähler in vier Jahren eine Verlängerung zugestehen. Die Republikaner haben valable Kandidaten für Trumps Nachfolge – doch die Partei muss sich zuerst entscheiden, in welche Richtung sie in Zukunft gehen will.

Wie steht es mit Trump und der Schweiz?

Für die Schweiz als Exportnation könnte eine Trump-Regierung zum Problem werden. Trump setzt auf Isolationismus und «America-First», doch die Schweiz ist auf den Handel und auf offene Grenzen angewiesen. Ob Trump eine persönliche Beziehung zur Schweiz hat, ist nicht bekannt. Die Schweiz als Land wird wohl keine grosse Rolle für ihn spielen.

Wie geht es jetzt weiter?

Als nächstes müssen die 538 Wahlmänner und Wahlfrauen (Elektoren) zusammenkommen und die eigentliche Wahl des Präsidenten noch vornehmen. Eine Formsache. Am 20. Januar wird Obamas Nachfolger offiziell eingesetzt. In der Zwischenzeit kommt in Washington Hektik auf. Die Namen der künftigen Minister werden bekannt gegeben und die reibungslose Übergabe der Regierungsgeschäfte vorbereitet.

Priscilla Imboden

Priscilla Imboden

Priscilla Imboden ist schweizerisch-amerikanische Doppelbürgerin und war vier Jahre lang als USA-Korrespondentin für SRF tätig, bevor sie zur Bundeshausredaktion von Radio SRF stiess. Davor arbeitete sie bereits während acht Jahren in der Wirtschaftsredaktion von Radio SRF in Bern.

Beat Soltermann

Beat Soltermann

Seit 2011 berichtet Beat Soltermann für SRF aus Washington D.C. Zuvor arbeitete er in der SRF-Wirtschaftsredaktion und empfing die Gäste der «Samstagsrundschau».

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55 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Isler (SchweizerQualität)
    Wie hier irgendwer glauben kann, dass Trump international weniger Konflikte anzetteln wird als vorangegangene Präsidenten (oder als es H. Clinton hätte), ist mir ein Rätsel. In seinem Programm und all seinen Reden spricht er nonstop von einer umfangreichen Militärbudgeterhöhung - Glaubt ihr im Ernst, dass die neuen Schiffe und Flugzeuge dann fröhlich in den Häfen der US Ost- und Westküste vor sich hinrosten..? Wann immer wirtschaftlich interessant werden die Flugzeuge am Himmel sein...
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  • Kommentar von Marcel Chauvet (xyzz)
    Mal sehen wie hoch die mexikanische Mauer wird, ob Mexiko für die Kosten aufkommt und wieviel illegale Migranten "ausgeschafft" werden. So macht man die USA wieder "great". Im übrigen ist es beklagenswert, wenn man von "Amerika" spricht und in Wirklichkeit nur die USA meint.
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    1. Antwort von W Streuli (Wernu)
      Hr.Chauvet, Mexiko wird wohl oder übel sich an den Kosten beteiligen müssen, oder glauben Sie voll im Ernst, das die Drogenkartelle in Mexiko ihr Geld im eigenen Land reinwaschen? wohl kaum, oder?
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  • Kommentar von H. Wach (H. Wach)
    Am 5.5.2016 sendete SRF einen Beitrag: Trump und die Republikaner: «Ich werde Hillary wählen». Ich erlaube mir, meine 2 damaligen Kommentare u. 1 Antwort an @D.Meier beizufügen. Auch zum Wahlsieg von D. Trump ist meinen damaligen Kommentaren, die unter „Antworten“ erscheinen werden, nichts weitere beizufügen. Nur so viel zur Erinnerung: Demokratie kommt aus der Antike in Griechenland und bedeutet: „Herrschaft des Staatsvolkes“ bzw. „Das Volk ist der souveräne Träger der Staatsgewalt“!!!
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    1. Antwort von H. Wach (H. Wach)
      Der grösste Staatsmann des 20. Jhdt. Winston Churchill hat es schon nach dem 2. Weltkrieg gesagt: „Demokratie ist nicht die beste Regierungsform. Aber es gibt keine Bessere.“ Donald Trump (und Andere weltweit) mit seinen wahnwitzigen Tiraden ist das beste Beispiel, dass die Demokratien in den meisten Ländern nichts mehr taugen um Stabilität in Politik, Wirtschaft u. Soziales zu gewährleisten. Die soziale Verantwortung des Kapitals nach dem Sieg über den Kommunismus ist verschwunden. Gute Nacht.
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    2. Antwort von H. Wach (H. Wach)
      Der Weisheit letzter Schluss: Jedes Land wählt den Präsidenten, den es verdient hat. Nur: Weil die USA immer noch (wie lange noch bei diesem Schuldenberg?) Weltmacht, Wirtschaftsmacht, Militärmacht Nr.1/AAA sind, wird das der Rest der Welt deutlich zu spüren bekommen. Denn: Kein anderer Kandidat hat es bisher so deutlich gesagt „America First“! Und das heisst: Alle müssen zu Allem in Politik, Wirtschaft, Kapital, Standards u. Militär (NATO-Kosten an Vasallen!) nach der Pfeife der USA tanzen.
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    3. Antwort von H. Wach (H. Wach)
      Dölf Meier,Uster schrieb am 5.5.2016 auf meinen Kommentar:“Kennen sie gute Diktatoren?“ Ich antwortete: „@D.Meier. Wen oder was meinen Sie. Nur soviel: Als an Geschichte bis zur Antike begeisterter Mensch gibt es einen Spruch: "Der jeweils gute König wird geköpft". Grund? Das Volk (als Herdentier) läuft Jedem (Hammel) hinterher, der das Blaue vom Himmel verspricht. Habe ich Sie richtig verstanden?“
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